Kurz vor dem 60. Jahrestag der Everest-Erstbesteigung am 29. Mai herrscht am höchsten Berg der Erde absoluter Ausnahmezustand. Über 900 "Everest-Touristen" (O-Ton Reinhold Messner), Sherpas und Bergführer drängen sich derzeit im Basislager - und am Berg selbst herrscht ebenfalls hochbetrieb. Wir haben für Sie die wichtigsten Neuigkeiten der letzten Tage zusammengestellt.

Auf dem Weg zum Rekord: Der 80-jährige Yuichiro Miura im Khumbu-Eisfall.

Auf dem Weg zum Rekord: Der 80-jährige Yuichiro Miura im Khumbu-Eisfall.

| © Picture Alliance

An wohl keinem anderen Berg der Welt treibt die Jagd nach Rekorden so bizarre Blüten wie am Mount Everest. Mit 80-Jahren konnte jetzt ein Japaner eine neue Altersbestmarke setzen. Es ist nicht die erste, die Yuichiro Miura für sich verbuchen kann. Bereits mit 70 und 75 Jahren war es dem rüstigen Senior gelungen, jeweils einen neuen Altersrekord am Everest aufzustellen.

Am 23. Mai folgte nun sein dritter. In Begleitung seines Sohnes und über einer Handvoll Sherpas erreichte Miura am Vormittag den Gipfel des höchsten Achttausenders. Während der Vorbereitungsphase hatte der greise Japaner noch vermehrt über Herzrhythmusstörungen geklagt und war erst im Januar zum vierten Mal operiert worden.

Erste Beinamputierte am Gipfel

Zwei Tage von Miura konnte sich Arunima Sinha in die Everest-Annalen eintragen. Die 26-jährige Inderin ist die erste beinamputierte Frau, der es gelungen war, den Himalaya-Riesen zu bezwingen. Zwölf Monate hatte sich die ehemalige Volleyball-Nationalspielerin auf die Besteigung vorbereitet. Bei einenem Raubüberfall im Jahr 2011 war Sinha aus einem fahrenden Zug geschmissen und dabei schwer verletzt worden. Der jungen Inderin musste daraufhin der linke Unterschenkel amputiert werden.

Frau aus Saudi-Arabien stellt zwei Rekorde auf

Hat Geschichte geschrieben: Raha Moharrak bei ihrer Ankunft in Kathmandu. 

Hat Geschichte geschrieben: Raha Moharrak bei ihrer Ankunft in Kathmandu. 

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Nur ein Jahr jünger als Arunima Sinha, aber genau so zielstrebig: Mit Raha Moharrak stand erstmals eine Frau aus Saudi-Arabien auf dem höchsten Gipfel der Welt. Aber nicht nur das. Die Universitätsabsolventin ist gleichzeitig der jüngste Mensch aus dem arabischen Raum, dem dies gelungen war.

Den Widerstand ihrer Eltern gegen das Vorhaben zu brechen, sei mindestens genau so schwierig gewesen wie die Besteigung selbst, lies Moharrak nach ihrem Erfolg verlauten.

Österreicher wird zum Held

Nur noch knapp 150 Höhenmeter trennten Rupert Hauer am Pfingstsonntag vor der Erfüllung seines großen Lebenstraumes, als er in gut 8700 Meter Höhe auf den Amerikaner Ruben Payan und seinen Sherpa traf, beide Teil einer Everest-Expedition des deutschen Anbieters Amical. Der 44-jährige Alpinpolizist aus Salzburg merkte sofort, dass es der schwer angeschlagene Bergsteiger aus den Staaten ohne weitere fremde Hilfe nicht mehr lebend vom Berg schaffen werden würde. Zwei Stunden nach dem Aufbruch vereiste Payans Brille, worauf sich der Amerikaner dazu entschlossen hatte, es ohne zu versuchen - mit fatalen Folgen: Payan war völlig erblindet und am Ende seiner Kräfte.

Glückliche Runde: Ruben Payan neben seinem schwer gezeichneten Retter Rupert Hauer (2.v.re.)

Glückliche Runde: Ruben Payan neben seinem schwer gezeichneten Retter Rupert Hauer (2.v.re.)

| © Amical

Was dann folgte, schildert Rupert Hauer auf seiner Homepage so:

"Ich entschloss mich, auf den Gipfel zu verzichten und gemeinsam mit dem Sherpa zu versuchen, den Amerikaner in Sicherheit zu bringen. Vier Leichen, die man im Aufstieg sieht, sind Mahnung genug. Die anderen Teilnehmer der Amical-Gruppe waren bereits alle abgestiegen. Die Rettungsaktion war extrem anstrengend. Ich war der einzige, der keinen künstlichen Sauerstoff zur Verfügung hatte. Wir schafften es, den Amerikaner in sichere Höhen zu bringen."