Stephan Siegrist: Vom Handwerk in die Berge
Mit 26 Jahren traf Stephan "Stef" Siegrist eine weitreichende Entscheidung. Er wollte sein Geld nicht länger als Zimmermann verdienen, sondern als Bergführer. An eine Karriere als gesponserter Profialpinist dachte der gebürtige Berner damals noch nicht. Zu groß war seine Skepsis gegenüber Öffentlichkeit und medialer Inszenierung.

Vom Zimmermann zum Ausnahmealpinist: Stephan Siegrist (Bild von 2016).
Der Eiger als Wendepunkt
1999 änderte sich alles. Siegrist erhielt eine Einladung zu "Eiger Live", einer 30-stündigen Live-Übertragung des Schweizer Fernsehens. Gemeinsam mit Ralf Dujmovits, Evelyne Binsack und Hansruedi Gertsch durchstieg er die Eiger-Nordwand, als jüngster Kletterer der Seilschaft und unter den Augen von Hunderttausenden Zuschauern.
Das mediale Großereignis wurde zum Wendepunkt. Der zuvor zurückhaltende Alpinist rückte schlagartig ins Rampenlicht und legte den Grundstein für eine internationale Profikarriere.

"Eiger live": Evelyne Binsack, Stephan Siegrist und Hansrüdi Gertsch sowie Ralf Dujmovits (v. l.) am 10.9.1999 am Gipfel des Eiger.
Siegrist ist weltweit unterwegs
Seitdem ist Siegrist weltweit als Kletterer, Bergsteiger und Expeditionsalpinist unterwegs. Sein Spektrum reicht von anspruchsvollen Alpintouren über extremes Eisklettern bis hin zu Base-Jumps.
Spätestens Anfang der 2000er-Jahre prägte Stef Siegrist den modernen Alpinismus entscheidend mit. Vor allem am Eiger setzte der Schweizer Maßstäbe. Mit Neurouten wie "La vida es silbar" und "The Young Spider", letztere gemeinsam mit Ueli Steck, sowie spektakulären Speed-Begehungen der Eiger-Nordwand schrieb er Alpingeschichte. Insgesamt durchstieg Siegrist bis 2018 ganze 38 Mal die berüchtigte Wand.
Auch international machte er mit großen alpinen Unternehmungen auf sich aufmerksam. Dazu zählen Erstbegehungen im Himalaja, Winter-Erstbesteigungen in Patagonien und Expeditionen in die Antarktis oder auch exponierte Highlines am Matterhorn und an der Dufourspitze.

Anlässlich eines Events 2021 in Zürich: Stephan Siegrist und seine Frau Niki.
Kein Hasardeur
Trotz eines unkalkulierbaren Restrisikos, das sein Beruf einfach mit sich bringt - allein auf die Fähigkeiten seines Schutzengels hat Siegrist noch nie gebaut. Sicher auch ein Grund dafür, warum der gelernte Zimmermann nach einigen Jahrzehnten Profikarriere heute noch hier ist. "Lieber ein alter Bergsteiger als ein Toter", so Siegrists' Lebensphilosophie. Bis heute ist ihr der Schweizer, der mit Ehefrau Niki und zwei Söhnen in Ringgenberg lebt, vollauf gerecht geworden.
Klickt euch durch unsere Fotogalerie mit den Höhepunkten aus der Profikarriere von Stephan Siegrist.


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