100 Km und 8000 Hm in 20:35 Std.

Rekord auf der Haute Route: Skibergsteigerinnen mit neuer Frauenbestzeit

Die legendäre Skidurchquerung von Chamonix nach Zermatt ist für viele Alpinisten ein Lebenstraum. Zwei Skibergsteigerinnen haben sie nun im Rekordtempo gemeistert: Nach drei Jahren gemeinsamer Planung und inspiriert von früheren Pionierleistungen gelang Marie Pollet-Villard und Laurie Renoton die FKT. Erst wenige Tage zuvor hatten Hillary Gerardi und Valentine Fabre den Rekord gebrochen.

Erneut Haute Route in Rekordzeit: Skibergsteigerinnen mit neuer Frauenbestzeit
© Symon Gerard

Die Herausforderung: rund 100 Kilometer Strecke und etwa 8000 Höhenmeter im hochalpinen Gelände. Eine Dimension, die selbst die erfahrenen Athletinnen zunächst zweifeln ließ. Denn bislang waren sie vor allem an das wettkampforientierte Format von Rennen wie der Pierra Menta gewöhnt – mit klaren Etappen, Verpflegungspunkten und überschaubarem Rahmen. In dieser Saison jedoch reifte der Entschluss, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen.

Erste Erkundungstouren und Höhenanpassungen legten die Basis, ehe sich kurzfristig ein Wetterfenster Mitte April öffnete. Spontan fiel die Entscheidung: Jetzt oder nie. Was folgte, war ein intensiver Kraftakt. In 20 Stunden und 35 Minuten bewältigten die beiden die gesamte Strecke, getragen von Routine, Teamgeist und einer klaren Strategie aus Essen, Trinken und stetigem Vorankommen. Während sie große Teile der Route kontrolliert zurücklegen konnten, wurde insbesondere der letzte Abschnitt zur echten Belastungsprobe.

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© Symon Gerard

Rekord innerhalb weniger Tage doppelt gebrochen!

Der Zieleinlauf an der Kirche von Zermatt geriet schließlich zum emotionalen Höhepunkt. Erleichterung, Stolz und tiefe Verbundenheit prägten diesen Moment, so Marie Pollet-Villard auf Instagram. Auch, weil hinter der Leistung nicht nur zwei Athletinnen standen, sondern ein ganzes Unterstützerteam, das entlang der Strecke für Verpflegung und Motivation sorgte. 

Begünstigt wurde die Rekordjagd durch stabile Bedingungen – zugleich unterstreicht sie den anhaltenden Trend, klassische Hochgebirgsrouten zunehmend im Speed-Stil zu begehen. Bemerkenswert ist dabei die Dynamik der aktuellen Rekordentwicklung: Innerhalb weniger Tage wurde die Bestmarke gleich mehrfach unterboten. Nachdem Hillary Gerardi und Valentine Fabre am 8. April vorgelegt hatten, setzten Marie Pollet-Villard und Laurie Renoton nur zwei Tage später mit 20:35 Stunden eine neue Bestmarke. 

"Rekorde allein machen nicht glücklich", erklärte Hillary Gerardi dazu. "Sie sind per Definition dazu da, gebrochen zu werden." Für sie sei die Motivation immer vielschichtig: die Beziehung zu einer Landschaft, die körperliche Herausforderung und das gemeinsame Erlebnis im Team. Entsprechend gelassen reagiert sie darauf, dass ihre Bestzeit nur wenige Tage Bestand hatte: "Natürlich schmerzt es ein wenig. Aber es ist nur ein kleiner Teil des Ganzen." Viel wichtiger sei für sie, dass immer mehr Frauen solche Projekte angehen.

Was lange als Ausnahme galt, wird zunehmend zur Bewegung. Oder, wie Gerardi es formuliert: Der wahre Erfolg liege nicht im Rekord selbst – sondern darin, andere Frauen zu inspirieren, es ebenfalls zu versuchen.

Die Haute Route von Chamonix nach Zermatt

  • Die "Haute Route" gilt als eine der berühmtesten Skidurchquerungen der Alpen. Sie verbindet Chamonix mit Zermatt und führt durch hochalpines Gelände rund um einige der markantesten Gipfel der Alpen, darunter das Matterhorn. Klassisch wird die Route in mehreren Etappen über Hütten begangen. Ambitionierte Skibergsteiger absolvieren sie jedoch auch als durchgehende Unternehmung. Dabei sind neben exzellenter Kondition auch Orientierungsvermögen, alpine Erfahrung und ein gutes Gespür für Wetter- und Lawinenbedingungen gefragt. 

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Trend: Klassische Routen im Speed-Stil

Die jüngsten Rekorde sind kein Zufall. Die Haute Route entwickelt sich zunehmend zur Bühne für ambitionierte Speed-Projekte im Skibergsteigen. Gute Bedingungen – stabile Schneeverhältnisse, eingespurte Passagen und ein günstiges Wetterfenster – haben die aktuellen Bestzeiten zusätzlich begünstigt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung einen klaren Trend: Klassische, mehrtägige Unternehmungen werden immer häufiger in einem Zug und auf Zeit begangen. Die Verbindung aus alpiner Erfahrung, Ausdauerleistung und logistischer Präzision macht den Reiz dieser Projekte aus.

Auch bei den Männern hatte es erst vor wenigen Tagen eine neue Bestzeit auf der Route gegeben: Den beiden Skibergsteigern William Boffelli und Mathéo Jacquemoud benötigten lediglich 13 Stunden, 27 Minuten und 49 Sekunden für die Strecke von Chamonix nach Zermatt.

Text von Lubika Brechtel

1 Kommentar

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Dän

Eine krasse Leistung. Mich freut's für die beiden.