Bergwacht Inzell im Einsatz

Hüfttiefer Schnee, Erschöpfung, Unterkühlung: Rettung am Zwiesel bei Inzell

Am Sonntagabend alarmierte die Leitstelle die Bergwacht Inzell zu einem Einsatz im Murkar unterhalb des Zwiesels (1781 m): Vier belgische Urlauber, alle 20 Jahre alt, hatten die Hausberge von Inzell unterschätzt und waren im Abstieg in einem Gelände festgesteckt, das trotz Frühjahrstempera­turen im Tal noch tiefwinterlich war. Erschöpft und leicht unterkühlt konnten sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien.

Am Sonntagabend wurde die Bergwacht Inzell zu vier verstiegenen Urlaubern alarmiert.
© Bergwacht Inzell

Alarmierung im Murkar

Die vier jungen Männer aus Belgien waren laut Angaben der Bergwacht Inzell am Vormittag zu einer Wanderung über den Gamsknogel (1750 m) und den Zwiesel (1781 m) aufgebrochen, beides bekannte Hausberge der Marktgemeinde Inzell in den Chiemgauer Alpen. Den Abstieg planten sie laut AV-Karte über das Murkar, eine nordseitig ausgerichtete, steile Rinne, die im Winter und Frühjahr als anspruchsvolle Skitourenroute gilt.

Das Murkar am Zwiesel

Das Murkar, auch Zwieselkar genannt, führt auf den 1781 Meter hohen Zwiesel und weist Neigungen von bis zu 40 Grad auf. Was für erfahrene Skitourengeher im Winter ein lohnendes Ziel ist, geriet den Belgiern im Abstieg ohne Ski zum gefährlichen Terrain: oben hüfttiefer Schnee, eisige Temperaturen und komplett winterliche Verhältnisse. Bei tragendem Harschdeckel oder Vereisung besteht im sehr steilen Murkar erhebliche Absturzgefahr.

Blockade im Schnee

Im Bereich der Ausläufer des Murkars kamen die vier Urlauber nicht mehr weiter. Erschöpft und bereits leicht unterkühlt, setzten sie gegen 19:00 Uhr einen Notruf ab. Die Bergwacht Inzell wurde sofort alarmiert. Ein Voraustrupp machte sich umgehend auf den Weg in das entlegene Gelände und erreichte die Gruppe nach einer Stunde. Ein weiterer Trupp brachte zusätzliches Material nach. Gemeinsam begleiteten die Einsatzkräfte die vier Belgier sicher bis zur nächsten Forststraße. Alle vier blieben unverletzt.

Trügerische Frühjahrsidylle: Im Tal Sonne, oben Winter

Der Einsatz verdeutlicht ein typisches und gefährliches Frühjahrsphänomen in den Alpen: Während im Tal und auf Südhängen längst kein Schnee mehr liegt, herrschen in schattigen Nordhängen und Karsituationen wie dem Murkar weiterhin tief winterliche Bedingungen. Am Staufenmassiv halten sich trotz sommerlicher Temperaturen im Tal häufig noch mehrere Wochen lang Altschneefelder, die gequert werden müssen.

Die Überschreitung von Gamsknogel und Zwiesel gilt als mittelschwere Bergtour, der Übergang zwischen beiden Gipfeln erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. In schneebedecktem Zustand steigt die Anforderung erheblich: Alpine Ausrüstung, Steigeisen-Kenntnisse und Erfahrung im winterlichen Hochgebirge sind dann unerlässlich.

Appell der Bergwacht: Verhältnisse vor der Tour prüfen

Die Bergwacht Inzell richtet nach dem Einsatz einen klaren Appell an alle Bergsportler: Touren sorgfältig planen, aktuelle Verhältnisse prüfen und die Bedingungen im Gebirge niemals unterschätzen. Wer sich im Frühjahr in höhere Lagen aufmacht, sollte sich vorab über Schnee- und Lawinenlage informieren und die eigene Ausrüstung sowie Erfahrung realistisch einschätzen.

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Text von Robert Scheitzeneder

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