Update: "Wir haben nicht die großartigste Route gewählt, aber die richtige"

Russische Seilschaft besteigt Manaslu (8163 m) über neue Route

Eine russische Expedition unter der Leitung von Andrey Vasiliev erreichte am 22. Oktober 2025 im Alpinstil den Gipfel des Manaslu über eine neue Route durch die Südwestwand. Nun wurden weitere Details zu diesem großen Erfolg bekannt.

Russische Seilschaft besteigt Manaslu (8163 m) über neue Route
© IMAGO / Depositphotos

Vom 12. bis 27. Oktober 2025 eröffnete ein russisches Team um Natalia Belyankina, Kirill Eizeman, Sergey Kondrashkin, Vitaly Shipilov und Andrey Vasilyev eine neue Route an der Südwestwand des Manaslu (8163 m). Die Alpinisten kletterten im Alpinstil, ohne Sherpa-Unterstützung oder zusätzlichen Sauerstoff. Mehr als fünfzig Jahre nach der tragischen Expedition von Reinhold Messner, Franz Jäger und Andi Schlick wagten die Alpinisten sich an dieselbe Seite des Berges, um eine neue Route in der Wand zu erschließen. Sie stiegen später über die Messner- bzw. Tiroler Route ab und schlossen so eine historische Schleife an der Südwestwand.

05. November 2025 | So verlief die Begehung der neuen Route

Laut eines detaillierten, englischsprachigen Berichts auf planetmountain.com hatte sich die Expedition zunächst auf der Normalroute des Manaslu akklimatisiert. Lediglich 15 Tage lagen zwischen Beginn der Expedition und dem Gipfelerfolg. Die Bergsteiger sparten Geld, indem sie im Dorf Samagaon statt im Basislager übernachteten. "Weniger Komfort, aber bessere Erholung", fasste Leiter Andrey Vasilyev zusammen.

Während der Akklimatisierung gelang es den Bergsteigern laut eigener Aussage, mehrere Fotos der Südwestseite des Berges aufzunehmen, die den Gletscher zwischen Tulagi und Manaslu sowie Teile der Tiroler Route von 1972 zeigten. Ein Sichtungsversuch via Drohne scheiterte jedoch, da das Gerät auf dem Gletscher abstürzte und zerschellte. So musste das Team die Wand "oldschool" erkunden, Schritt für Schritt und ohne zu wissen, was sie dort erwartete.

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Am 12. Oktober 2025 brachen sie von Samagaon mit Proviant für zwölf bis vierzehn Tage auf – ohne Sherpa-Unterstützung! Das Ziel war klar: Aufstieg in einem Push, ohne künstlichen Sauerstoff, feste Lager oder Nachschub. Am 13. Oktober stand das Team laut Bericht unterhalb des Eisbruchs und beobachtete zunächst, wo mit Eisschlag zu rechnen war. Am nächsten Tag stiegen sie erneut höher und bahnten sich ihren Weg durch Gletscherspalten. Einige Verhauer endeten vor eisigen Seracwänden.

Am 15. fanden sie schließlich einen Durchgang durch das Labyrinth und erreichten den Wandfuß. Die folgende Nacht biwakierten die Bergsteiger an einem geschützten Platz auf etwa 6300 Metern. Im Morgengrauen des 17. Oktober begann der Durchstieg der Südwestwand. Laut Teambericht führte die Route über steile Schneefelder und Mixed-Gelände, nie extrem, aber unerbittlich. Auf 6900 Metern schlug das Team erneut das Zelt auf. "Gute Bedingungen, eine schöne Route", notierte Vasilyev.

Am 19. Oktober hatte die Expedition 7050 Meter erreicht, den letzten möglichen Lagerplatz vor dem oberen Wandteil. "Morgen noch zehn Seillängen bis zum Grat", lautet die Notiz. Das Team erreichte diesen jedoch nicht wie geplant, ein weiteres kaltes Biwak folgte. An Schlaf war nicht zu denken. Am nächsten Morgen erreichte die Alpinisten eine Nachricht via InReach: "Herzlichen Glückwunsch an die Franzosen Benjamin und Nicolas." Die Nachricht von Vedrines’ und Jeans Erfolg am Jannu East hatte es in die Südwestwand des Manaslu geschafft.

Ihr eigener Aufstieg schien hingegen endlos, der Zeitplan war längst überschritten. "Ein Tag ganz allein, kein Schlaf, keine Ruhe", berichtete Vasilyev. "Wir sind erschöpft, das Tempo ist langsamer. Das Gelände ist in Ordnung." Kirill Eizeman fügte hinzu: "Zwei Nächte ohne Schlaf, es ist hart, aber wenigstens akklimatisiert man sich gut." Am 21. Oktober erreichte das Team den Grat auf 7700 Metern. Am Folgetag um 19:40 Uhr Ortszeit die Erlösung: "Gipfel erreicht. Gerade zurück im Zelt. Brutal. Der Wind oben ist wahnsinnig."

Es folgte ein langer und erneut kräftezehrender Abstieg über die Messner-Route: "Wir sind alle gesund, nur völlig erschöpft. Aber wenn es Zeit zum Abstieg ist, kommt die Kraft immer zurück", schrieb Vasilyev. Nach dem Gipfelerfolg am 22. Oktober verbrachte das Team drei weitere eisige und schlaflose Nächte, eine davon knapp unterhalb des Gipfels. Am Morgen des 23. Oktober brachen sie auf, erst am späten Abend des 26. Oktober erreichten sie sicheres Gelände.

Der Abstieg hatte das Team laut Eigenaussage fast genauso viel Kraft gekostet wie der Aufstieg, verlief aber ohne Verletzungen. Nach elf Tagen (!) in der Wand und insgesamt fünfzehn am Berg war die Erstbegehung einer neuen Route an der Südwestwand des Manaslu erfolgreich abgeschlossen. Nicht selbstverständlich: Alle waren lebend zurückgekehrt. "Wir haben nicht die großartigste Route gewählt. Aber wir haben die richtige gewählt", notierte Expeditionsleiter Vasiliev.

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23. Oktober 2025 | Russische Seilschaft besteigt Manaslu (8163 m) über neue Route

Expeditionsleiter Vasiliev hatte bereits letzte Woche mit Sergey Kondrashkin, Natalia Belyankina, Kirill Eizeman und Vitaly Shipilov den Ausgangspunkt an der Südwestseite des Manaslu erreicht. Vor dem Einstieg hatte sich das Team durch den Gipfelaufstieg via Normalweg akklimatisiert. Am 17. Oktober stiegen die Alpinisten laut mountain.ru bis auf 6900 Meter auf, wo sie die gewählte Linie überprüften, sie schien laut Vasiliev "in gutem Zustand zu sein". Am 20. Oktober erreichte das Team 7500 m und verbrachte die Nacht in einer Schneehöhle.

Am Folgetag, den 21. Oktober, bewältigten sie nur 200 Höhenmeter. "Der Gipfel war zu nah, um aufzugeben", schrieb Vasiliev. "Wir erreichten den Grat auf 7700 m über schwieriges Gelände. Von dort aus wählten wir die klassische Route.“ Laut Medienberichten erreichten sie nach fünf Tagen in der Wand um 13 Uhr Ortszeit den Gipfel des Achttausenders.

Reinhold Messners Route im Jahr 1972

Trotz klirrender Kälte und Sturmböen hatte sich die Expeditionen gegen einen Rückzug entschieden. Es war ein "harter Kampf", vermeldeten sie via InReach. In vollkommener Einsamkeit und ohne externe Unterstützung bewältigten sie laut eigener Aussage die extrem anspruchsvolle Wand. Bis dato hatte es nur eine einzige Route in der Manaslu-Südwestwand gegeben:

1972 hatte kein anderer als Reinhold Messner die Wand ohne Flaschensauerstoff und unter dramatischen Umständen erstbegangen. Während der damaligen Expedition kam Messners Expeditionspartner Franz Jäger ums Leben. Die Route folgt einer Linie auf der linken Seite der Wand zum Gipfelgrat und leitet anschließend über diesen zum höchsten Punkt. Mehrere Expeditionen war es über die Jahre gelungen, den auch als "Tiroler Route" bekannten Weg zu wiederholen.

Bis zur russischen Expedition hatte offiziell noch niemand eine direkte Route durch die Wandmitte auch nur ins Auge gefasst. Laut Vasiliev hatten er und sein Team eine Direttissima geplant, waren jedoch aufgrund zu gefährlicher Bedingungen in die Nähe von Messners Linie ausgewichen. Laut den Beschreibungen via InReach sei es dennoch gelungen, eine neue Route zu eröffnen. Diese treffe erst am Gipfelgrat auf die von Messner. Weitere Informationen hierzu werden für die kommenden Tage erwartet.

Text von Lubika Brechtel

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