Sollen Erstbegeher:innen ihre Routen mit politisch nicht korrekten Namen umbenennen?

Pippi Langstrumpfs Papa heißt in der deutschen Ausgabe des Kinderbuchklassikers von Astrid Lindgren nicht mehr „Negerkönig", sondern "Südseekönig". Und in Taka-Tuka-Land spricht man auch nicht mehr "Negersprache", sondern die "Taka-Tuka-Sprache".

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass das N-Wort ein Begriff zur rassistischen Denunzierung ist und nicht mehr benutzt werden sollte, da es schwarze Menschen und People of Color verletzt.

Seit einiger Zeit und mit der "Black Lives Matter"-Bewegung hat die Debatte um die Vermeidung solcher Begriffe auch die deutsche Kletter-Szene erreicht.

Witzig? Zotig? Sexistisch?

Witzig? Zotig? Sexistisch? Kletteroutennamen im Frankenjura.

| © Andreas Erkens

Erstbegeher:innen sahen sich aufgefordert, anstößige Routennamen zu ändern. Die Route "Bimbo Faktor" im Frankenjura wurde im Juli 2020 auf frankenjura.com auf Wunsch des Erschließers und Namensgebers in "Easy Peasy" umbenannt.

Aus der Route "N**-Kuss" wurde ein "Luftkuss". Auf frankenjura.com wurde auch die Kletterroute "Der N*** mit dem Knackarsch" in "Knackarsch" umbenannt, in einer anderen einschlägigen Datenbanken heißt sie noch immer so. Und auch die Sportkletterwand "Bimboland" im Klettergebiet Kochel am See ist noch immer so benannt.

"N***‘ und 'Bimbo' sind ein No-Go, auch zotige Herrenwitz-Routennamen finde ich grenzwertig": Holger Rupprecht, ALPIN-Online.

"N***‘ und 'Bimbo' sind ein No-Go, auch zotige Herrenwitz-Routennamen finde ich grenzwertig": Holger Rupprecht, ALPIN-Online.

Und wie steht es mit den zahlenmäßig weit häufigeren Routen, die als sexistisch aufgefasst werden können? Sind Namen wie "Rape that Bitch" immer noch cool? Wie steht’s mit "Golden Shower Queen", "Doppelficker", "Ejakulation" und "Schlampenland"?

Die Bezeichnungen waren zum Zeitpunkt ihrer Erstbegehung und Benennung vor einigen Jahrzehnten sicherlich augenzwinkernd gemeint, doch sind sie in der Gegenwart noch immer witzig? Und wenn wir schon dabei sind: Wie lustig finden wir eigentlich im Jahr 2021 den Einfall Güllichs, seine Route nach einer Terrororganisation zu benennen?

Die Umfrage ist beenset. Hier das Ergebnis.

 

52 Kommentare

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Silber Fredl

Zeiten ändern sich...
Aber Routennamen dürfen bleiben!
Da stehen wir doch drüber und können mit der Historie leben.

Helmut

Keine Umbenennung

Gundi

Oh Mann, was für Probleme hier manche schieben…
Übrigens leidet die Lesbarkeit von Alpin arg unter * und :

bone

routennamen mit schlechten geschmack - ok, muss nicht jedem gefallen...

wo für mich die grenze ist, sind nationalsozialistische namen oder gezielte anspielungen darauf. und da braucht mir dann auch keiner mit "das war ja gar nicht so gemeint...!" kommen; wenns eh nicht so gemeint war, dann kannst es auch umbenennen.

Markus auf unserer Facebook-Seite

Bei sowas hilft meist ein Perspektivwechsel. Man stelle sich vor, man würde einer der Bevölkerungsgruppen angehören, die durch einen solchen Namen vielleicht betroffen sein könnte. Wie fühlt es sich wohl an, dann eine Route zu klettern, die Bimboland heißt? Vielleicht noch seinen Kindern (die man zum Klettern mitnimmt) die Bedeutung erklären zu müssen? Einfach mal ausprobieren. Das nennt sich dann übrigens Empathie

Sebastian auf unserer Facebook-Seite

Die Frage ist doch, wollen wir eine inklusive Community sein? Wollen wir, dass es die Begeisterung fürs Klettern ist, die uns zusammen hält? Wollen wir uns gegenseitig unterstützen, als grundsätzliche Haltung den anderen gegenüber?

Ralf auf unserer Facebook-Seite

Solche Namen waren noch nie Zeitgemäß - rassistischer, oder se*istischer Schei** war schon immer Schei**!

Le Fritzz auf unserer Facebook-Seite

Habt Ihr eigentlich noch alle Stacheln am Kaktus?
Diese schwachsinne Sprachen-Verbiegungs-Aktion, welche identisch ist mit Orwells "new speech" aus "1984", die muss endlich aufhören, denn sie ist zutiefst faschistisch (siehe Orwell, alles andere dort klar nachgewiesen).
Die Erstbegeher hatten ihre Hintergründe, warum sie Ihre Routen zum damaligen Zeitpunkt so benannt haben. Güllich hat erklärte, warum er "action directe" so benannt hat: "Ein Terroranschlag auf die Finger". Viel der Erstbegeher können heute nicht mehr Stellung beziehen zu Euren dummdreisten Änderungswünschen. Solche Umbenennungen sind ebenso unmöglich wie der Eingriff in die Haken-Anzahlen und -Linien der Erstbegeher.

Georg auf unserer Facebook-Seite

Das Schöne an den verschiedenen Routennamen ist, dass sie uns als Menschen reflektieren, Böses und auch Gutes, so wie wir sind, das lässt sich auch nicht einfach umbenennen, ich klettere einfach keine Routen, die mir namentlich nicht gefallen, also kann ich entscheiden welchen Weg ich gehe, ein anderer entscheidet sich vielleicht dafür.
Wenn jemand der Route einen Namen vergibt, kann man auch auf Herzenseinstellungen eines Menschen Rückschlüsse ziehen oder es weist auf bestimmte Zustände, Erfahrungen oder Erlebnisse hin.
Also bitte immer beim Erstbegeher nachfragen, warum dieser Name, dann kann sich ein interessantes Gespräch ergeben.
P. S. "Ich habe schon viele Namen vergebe

Hirni auf unserer Facebook-Seite

Bei B*mbo und Schl*mpe kann ich ja die negativen Emotionen verstehen, da diese Begriffe in der Tat abwertend und rassistisch/sexistisch genutzt werden.
Wer aber mit Golden Shower ein Problem hat, der zeigt eigentlich nur se*uelle Verklemmtheit bzw. mangelnde Akzeptanz für wahrscheinlich nicht selbst ausgeübte sexuelle Praktiken.
Und was an Routennamen wie Ejakulation anstößig sein soll, das muss mir mal jemand erklären.

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