Während einer Führung des Landesbund für Vogelschutz (LBV) wurde in den Allgäuer Alpen am Wochenende ein extrem seltener Bartgeier gesichtet. Nachweise dieser Art kommen in Bayern nur in Ausnahmefällen vor, denn alpenweit gibt es derzeit nur knapp 200 Exemplare. Mit fast drei Metern Spannweite gehört der Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt und ist auch am Himmel eine wahrlich beeindruckende Erscheinung.

In den Alpen wurde der Bartgeier nach Angaben des LBV allerdings vor vielen Jahren ausgerottet. In einem internationalen Gemeinschaftsprojekt werde seit 30 Jahren versucht, den farbenprächtigsten europäischen Greifvogel wieder einzubürgern. Das ist allerdings schwierig: Bartgeier werden erst nach sechs Jahren geschlechtsreif, die Eltern ziehen nur einen Jungvogel groß. Die Bestände vermehren sich dadurch nur sehr langsam.

Bei dem in Allgäu gesichteten Bartgeier handelt es sich nach Einschätzung der Vogelexperten um ein 2013 geborenes Tier. "Die Sichtung eines Jungvogels, der in freier Wildbahn zur Welt kam, ist etwas ganz Besonderes", sagte Gebietsbetreuer Henning Werth. Er wertete dies als Zeichen dafür, dass sich der Bartgeier langsam wieder in den Alpen etabliere.

Bartgeier könnten sich langsam wieder in den Alpen etablieren.
Bartgeier könnten sich langsam wieder in den Alpen etablieren. | © picture alliance / blickwinkel/H. Pieper

"Da in den Allgäuer Alpen gerade erhebliche Lawinengefahr herrscht, suchen Bartgeier jetzt gezielt Lawinenfelder ab, um als Kadaverfresser mögliche Beute zu machen", erläuterte er. Henning entdeckte und fotografierte den Greifvogel.

Nicht nur Geier

Auf dem Weg vom Giebelhaus zur Schwarzenberghütte waren neben dem Bartgeier laut LBV auch die beiden jungen Steinadler aus dem Giebelrevier zu sehen, beide 2014 geboren. Nachdem dann auch 15 Kolkraben im Luftraum auftauchten, vermutete der Gebietsbetreuer, dass irgendwo ein Kadaver liegt, der vielleicht auch vom Bartgeier genutzt wurde. Da der Bartgeier in Bayern kein Brutvogel ist, haben Beobachtungen Seltenheitswert.

Sollten Sie weitere Geier in den deutschen Alpen beobachten, bittet der LBV Sie, die Greifvögel wenn möglich zu fotografieren und hier zu melden: www.lbv.de/alpenvoegel

Quellen: dpa und LBV

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