Zum Start in Nürnberg haben wir uns mit Festival-Macheer und ALPIN-Kolumnist Tom Dauer unterhalten.

Im Nürnberger Kult-Kino Casablanca startete am 21. März das Bayerisches Outdoor Filmfest – kurz BOFF. Die beiden Gründer des BOFF sind Kenner der Szene: Andreas Prielmaier und Tom Dauer.

War mit der Premiere in Nürnberg sichtlich zufrieden: BOFF-Macher Tom Dauer.

Tom, ALPIN-Lesern seit über 10 Jahren bestens als "von draußen"-Kolumnist bekannt, kam für die Premiere von seinem Einödhof im oberbayerischen Valley in die Franken-Metropole. Wenige Minuten vor dem Start haben wir uns mit dem 47-Jährigen unterhalten.

Tom, warum sollte man sich das Bayerische Outdoor Filmfestival ansehen?

Jeder, der eine gewisse Leidenschaft für die Berge und das Bergsteigen mitbringt, wird Freude an den gezeigten Filmen haben. Speziell gedacht ist das Festival für Menschen, die den Spagat vollziehen, in der Heimat verwurzelt und gleichzeitig neugierig zu sein, in die Fremde aufzubrechen, um neue Erfahrungen zu sammeln und den persönlichen Horizont zu erweitern. Ich glaube, das Motto des Festivals "In Bayern zu Hause – in der Welt zu Gast" drückt ganz gut aus, was wir meinen.

Was ist denn das spezifisch bayerische an den Filmen der Tour?

Die Filme haben alle irgendetwas mit Bayern zu tun. Sie spielen in Bayern, haben bayerische Protagonisten oder stammen von bayerischen Filmemachern. Ausnahme unter den insgesamt sechs Streifen ist der Kurzfilm "A Mords Sauhaufen in an z'kloan Zelt", der von unseren Tiroler Freunden gemacht wurde. Der Film ist einfach zu witzig, da haben wir die Grenzen Bayerns mal nicht zu eng gesetzt.

Bei der Premiere in Nürnberg: Tom Dauer, Casablanca Theaterleiter Matthias Damm und Interviewer Holger Rupprecht (v.l.).

Was ist Dein persönlicher Lieblingsfilm der Tour?

Der Film, der mich als Kletterer am meisten fasziniert ist "In letzter Sekunde". Darin geht es um eine dramatische Rettungsaktion an der Laliderer-Nordwand im Karwendel. Dort sind zwei junge Kletterer 1979 durch einen Wettersturz in Bergnot geraten und konnten durch das Zusammenspiel von über 200 Bergrettern nach tage- und nächtelangem Einsatz heil aus der Wand gebracht werden. Das ist für mich ein leuchtendes Beispiel für Hilfs- und Aufopferungsbereitschaft in der Bergszene.

Kannst Du Menschen verstehen, die sagen, warum soll ich mir gesponserte Hochglanz-Filme von krassen Outdoor- und Bergunternehmungen ansehen, die ich ohnehin niemals werde selbst machen können?

Kann ich nachvollziehen. Aber ich würde einwenden, dass in keinem der sechs gezeigten Ski-, Kletter- und Mountainbike-Filme gesponserte Athleten in großem Stil aufbrechen und mit riesigem Aufwand nach dem Motto höher-schneller-weiter glatte High-End-Filme produzieren. Es sind eher Geschichten, die (fast) jeder machen kann. Klar werden die wenigsten in Kashmir so Freeriden können wie es der Trupp um Andi Prielmeier in "Now!" tut. Prinzipiell kann aber jeder in den Flieger steigen und 12 Stunden später in Kashmir in einer fremden Kultur in einer unfassbar schönen Berglandschaft skifahren oder Touren gehen.

Tom vor der Leinwand des Kinos bei seiner Begrüßungsansprache.

Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen, ausgerechnet in Nürnberg die Premiere zu feiern? Ist das für einen Bayern nicht ein Auswärtsspiel in Franken?

Wir wollten uns dieser extremen Herausforderung stellen und sehen, ob wir auch im Ausland verstanden werden.... Nein, im Ernst, der Termin ist eher zufällig entstanden.

Du bist studierter Literaturwissenschaftler und Absolvent der Deutschen Journalistenschule: Wird Dir das Thema Berge nicht irgendwann mal fad?

Ich habe vielfältige Interessen. Literatur, Politik, Philosophie zählen beispielsweise dazu. Auf diesen Feldern fühle ich mich aber nicht so kompetent, dass ich mit meinen Gedanken in die Öffentlichkeit treten möchte. Bei den Bergen schaut's da anders aus. Da kenn ich mich aus, da bin i dahoam. Deswegen sag ich mir: "Schuster bleib' bei Deinen Leisten, Dauer bleib' bei Deinen Bergen."

Kurz nach dem Interview begrüßt Tom Dauer die Premieren-Gäste im Casablanca. Und dann gehen die Lichter aus und es heißt: Film ab.

Im gut gefüllten Kinosaal brandet immer wieder Beifall auf, als die insgesamt sechs Filme der Tour gezeigt werden.

Besonders bei der Skipersiflage "A Mords Sauhaufen in an z'kloan Zelt" und der Bike-Park-Humoreske "Out of mind" wird viel gelacht, ebenso wie bei Andi Prielmaiers Skifreeride-Abenteur "Now!", als im Abspann eine Combo pakistanischer Militärangehöriger ein herrlich schräges Cover von "Hotel California" zum Besten gibt.

Zu Herzen geht vielen die Geschichte von Gela Allmann, die sich nach einem schweren Unfall bei einem Skitouren-Mode-Shooting in Island über eine lange Zeit ins Leben und zu ihrem Sport zurückkämpfen musste.

Das Alpinkletter-Drama "In letzter Sekunde" ist auch knapp 40 Jahren nach dem glücklichen Ausgang der Rettungsaktion spannend und authentisch (nach-)erzählt.

Und das in den Weiten Kirgisiens gefilmte Kajak-Abenteur "The eyes of god" begeistert durch die sportliche Leistung der Protagonisten in einer wilden Berglandschaft.

Prädikat: Sehenswert. Unbedingt hingehen.

Weitere Infos unter www.boff-film.de

Text von Holger Rupprecht

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