In einem Interview für die Onlineausgabe der österreichischen Tageszeitung Der Standard spricht der Extrembergsteiger über Ängste, Bestmarken und die Zukunft des Alpinismus.

"Man muss schon sagen, dass sich das Bergsteigen generell noch immer auf einem sehr bescheidenen Niveau befindet. Darum sind einfach noch viele Steigerungen möglich", so Steck in dem Interview, das vom Standard am 24.12. veröffentlicht wurde. 

Er sei davon überzeugt, so der Schweizer weiter, dass die Heckmair-Route am Eiger "unter zwei Stunden möglich" wäre. Steck hatte hier erst im November mit 2 Stunden und 23 Minuten einen neuen Besteigungsrekord aufgestellt.

Auch beim Thema Höhenbergsteigen sieht der 39-Jährige noch Entwicklungspotential:

"Wenn man den Leistungsgedanken im Hinterkopf hat, kann man sagen, dass sich im Himalaja in den vergangenen 20, 30 Jahren keine große Steigerung entwickelt hat. Vielleicht liege ich auch falsch, aber ich habe das Gefühl, dass da noch sehr viel Potenzial vorhanden ist. Gerade wenn man Bergsteigen mit anderen Sportarten vergleicht, wo oftmals viel mehr trainiert wird."

Rekorde würden ihn rein gar nicht interessieren, so Steck auf die Frage, wie wichtig ihm diese seien. Die Medien würden zwar gerne über Bestmarken schreiben, er aber würde von der Leidenschaft angetrieben.

Am Berg meist sehr schnell unterwegs: Ueli Steck

Am Berg meist sehr schnell unterwegs: Ueli Steck

| © www.uelisteck.ch

"Klar ist aber auch, dass ich davon leben muss. Nur gut Bergsteigen reicht nicht", gibt der Spitzenbergsteiger dennoch offen zu.

Sich selbst beschreibt Steck als sehr zielstrebig und ehrgeizig, mutig sei er aber genauso wenig wie furchtlos. Im Gegenteil. Der Ausnahmeathlet bekennt, ein "extremer Angsthase" zu sein. Todesängste habe er am Berg allerdings noch nie ausgestanden. "Es gab sicher Situationen, wo ich ein Weichei war und mir dachte, jetzt muss ich mich zusammenreißen."

Auch zu der Kritik nach seiner Solodurchsteigung der Annapurna-Südwand im Jahr 2013 äußerte sich der Schweizer:

"Beim Bergsteigen kann man vieles nicht beweisen, vieles hängt stark von persönlichen Aussagen ab. Ich war in einer Lawine, habe die Kamera verloren und konnte daher den Beweis nicht erbringen. Es gab einige kritische Stimmen. Aber beim Bergsteigen gibt es immer wieder solche Situationen, das muss man akzeptieren. Es gab zwei Leute, die mich unterhalb des Gipfels gesehen haben. Ich glaube, das ist Beweis genug. Das Schöne ist, dass dir diese Erfahrungen und Erlebnisse keiner nehmen kann."

Steck sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, die Südwand des Achttausenders womöglich gar nicht komplett durchstiegen zu haben, da der Schweizer nach Beendigung der Expedition weder Fotos noch GPS-Daten vorlegen konnte.

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