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Neuschnee, Blutschnee, Faulschnee: Alles was ihr über Schnee wissen müsst
Was haben (fast alle) Schneeflocken miteinander gemeinsam? Eine sechsseitige Symmetrie. Zum Bedauern der Beobachter entfaltet dieser Aufbau erst unter dem Mikroskop seine volle ästhetische Wirkung.
Eine einzelne Schneeflocke wiegt etwa 0,004 Gramm.Von einem Fliegengewicht kann dennoch nicht die Rede sein: Ein Kubikmeter trockener Pulverschnee bringt zwischen 30 und 50 Kilogramm auf die Waage. Nasser Schnee wiegt sogar bis zu einer halben Tonne pro Kubikmeter.
Den Rekord für die höchste jemals in Deutschland verzeichnete Schneehöhe trägt die Zugspitze: Am 2. April 1944 lagen am Gipfel satte 8,30 Meter! Die schneereichste Gemeinde der Bundesrepublik ist übrigens Balderschwang. Dort fielen in einem Winter der späten 1990er-Jahre insgesamt 12,30 Meter Schnee.
Gibt es im Winter etwas Schöneres als eine glitzernde weiße Landschaft? Tatsächlich verdanken wir dieses Phänomen häufig nicht dem Schnee selbst, sondern Raureifkristallen, die sich während der Nacht auf der Schneedecke bilden.
Schneeflocken "schreien", wenn sie auf Wasser treffen. In den Flocken sind Luftbläschen eingeschlossen, die beim Aufprall Töne erzeugen.Die Frequenz changiert zwischen 50 bis 200 Kilohertz. Für uns Menschen ist diese Sinfonie – leider oder zum Glück – unhörbar.
Ende Januar sind bis zu 45 Mio. km² auf der Erde von Schnee bedeckt. Den Weltrekord bezüglich der höchsten gemessenen Schneemenge hält seit 1927 der Mount Ibuki auf der japanischen Halbinsel Honshu mit 11,81 Metern. Kein Wunder, gilt Japan doch als eine der schneereichsten Regionen der Welt.
Neuschnee ist frisch gefallen und jünger als 24 Stunden. Seine fein verzweigten Eiskristalle sind noch gut erkennbar.
Die extrem lockere Form von Neuschnee nennt man Wildschnee.
Pulverschnee fällt nur bei sehr niedrigen Temperaturen. Seine kleinen, trockenen Flocken sind leicht, locker und kleben auch unter Druck nicht zusammen. Da Pulverschnee jedoch nur bei optimalen Wetterbedingungen entsteht, ist er leider auch eine der selteneren Schneearten – sehr zum Leidwesen der Skifahrer.
Wenn die Temperaturen steigen, fällt Schnee, der einen höheren Wasseranteil aufweist. Der sogenannte Feuchtschnee oder Pappschnee. Da die Kristalle durch den größeren Wasseranteil besser aneinander haften, "pappt" dieser Schnee unter Druck zusammen und eignet sich deshalb besonders für Schneemänner, Schneebälle oder zum Bauen von Sprungschanzen.
Bei Temperaturen um oder knapp über null Grad entsteht Nassschnee. Die groben Flocken haben einen sehr hohen Wasseranteil, teilweise mischen sie sich auch noch mit Regen. Aus dem schweren und klebrigen Schnee lässt sich Wasser herauspressen. Älterer Nassschnee kann zu Sulzschnee werden, dem bei Skifahrern äußerst unbeliebten "Knochenbrecherschnee".
Mischen sich Nassschnee-Brocken mit Wasser, wird die schlecht zusammenhaltende Mischung zu Faulschnee, indem Skifahrer regelrecht versacken.
Alter Schnee, der durch Schmelzen und Gefrieren zu einer festen Masse geworden ist, nennt man Harsch. Kristallformen findet man bei diesem Schnee nicht mehr, nur noch kleine gefrorene Eisbrocken. Bruchharsch entsteht, wenn eine oberflächlich durchweichte Schneeschicht gefriert, während der darunterliegende Schnee noch locker und trocken ist.
Windharsch, der als dünne Kruste auf dem Schnee verbleibt, bildet sich bei feuchtem Wind.
Aus durch Schmelz- und Gefriervorgänge stark verdichtetem Altschnee kann nach frühestens einem Jahr Firn werden. Firn ist hart, kann aber bei steigenden Temperaturen zu einer weichen Schneeschicht auf einer Harschfläche werden. Die Skiverhältnisse bei Firn sind dann einer frisch präparierten Piste ähnlich.
Weiter verdichteter Firn kann nach mehreren Jahren zu Gletschereis werden.
Kunstschnee entsteht, wenn Schneekanonen Wassertropfen bei unter minus vier Grad Lufttemperatur versprühen. Dieser Schnee besteht nicht aus Schneeflocken, sondern aus kleinen, gepressten Eiskügelchen. Sie kleben daher stärker zusammen als Schneeflocken.
In subtropischen und tropischen Hochgebirgen mit kontinentalem Klima findet man bizarre Schnee- und Eispyramiden, die wenige Zentimeter, bis einige Meter hoch werden können. Dieser Büßerschnee ist meist in Ost-West-Reihen angeordnet und in Richtung der Sonne geneigt.
Arktische Kaltluftfronten sorgen in Nordamerika und Japan für besonders leichten, weichen und trockenen Pulverschnee – den Champagner- Powder. Im Alpenraum findet man ihn nur sehr selten, da für die Entstehung sehr niedrige Temperaturen, wenig Wind und geringe Feuchtigkeit von Nöten sind.
Eine Besonderheit unter den Schneearten ist der sogenannte Blutschnee. Im Hochgebirge und in polaren Gebieten erhält Schnee durch Algen oder Wüstenstaub rote Verfärbungen.
Kein Schnee im herkömmlichen Sinne ist der Polarschnee, auch Diamantenstaub genannt. Es ist eher die Bezeichnung für eine Niederschlagsform. Bei wolkenlosem Himmel, Windstille und extremer Kälte schweben feine Eisnadeln zur Erde. Kunstvoll blitzen sie in der Sonne (dem Mond oder anderen Lichtquellen) auf und bringen die Luft damit zum Funkeln.




















