Patrik Aufdenblatten und Michi Lerjen konnten am Matterhorn einen neuen Markstein setzen: Am 27. September 2011 gelang der Seilschaft die erste Tagesbegehung, der von Walter Bonatti im Alleingang eröffneten "Bonatti"-Route durch die Matterhorn-Nordwand. Hatte die Bergsteigerlegende 1965 noch sechs Tage für ihr Meisterstück gebraucht, "rannten" Aufdenblatten und Lerjen in sagenhaften 07 Stunden und 14 Minuten durch die Wand.
Morgens um 03 Uhr 35 starteten sie an der Hörnlihütte. Nach einer Stunde und fünf Minuten standen sie am Bergschrund. Nun begann der erste untere Teil, welcher sich mit teils senkrechtem kombinierten Gelände unter die Zmuttnase zieht. Von hier beginnt die gefürchtete Engelstraverse, welche in sieben Seillängen schräg links über heikle Platten erstiegen wird.
Dank guter Verhältnissen gelang es ihn, diese Stellen im Eilzug ohne großes Absichern zu bezwingen. Nach dreieinhalb Stunden ab der Hütte, hatten sie diese Traverse bereits hinter sich gelassen. Zu ihrem Erstaunen trafen sie auch den oberen Teil der Nordwand in guten Verhältnissen an. Der Weiterweg bis zum Gipfel war für die eingespielte Seilschaft daher nur noch reine "Formsache".
Am 07. November 2011 kletterte der Zermatter Profialpinist Michael Lerjen mit seinem Seilpartner Korra Pesce (Italien) die wenig begangene "Ragni Route" in der Westwand des Cerro Torre. Laut Patagonia Online Climbing Guide gelang dem Duo die 13. Besteigung der 1500m langen mit AI5+ M4 MI6 bewerteten Route. Michi Lerjen stand damit auf allen vier Gipfeln der Torre-Gruppe - eine bemerkenswerte Leistung.
Während sich Korra Pesce über die gelungene Patagonien-Premiere freuen durfte, konnte Lerjen mit dem Erfolg in der "Ragni Route" sein Torre-Quartett - bestehend aus Aguja Standhardt, Punta Herron, Torre Egger und Cerro Torre - abschließen. Der Schweizer ist damit erst der sechste Alpinist, der auf allen vier Gipfeln der Torre Gruppe stand und der Dritte, der das "by fair means" geschafft hat - ohne Maestris Bohrhaken, weder im Auf- noch Abstieg.
Am 06. November 2011 waren die zwei Bergsteiger vom Camp "Niponinos" aus gestartet. Sie kletterten bei schlechtem Wetter mit leichtem Schneefall über den Col Standhardt zum Fuß der Westwand. Am folgenden Tag ging es weiter über steile Schneehänge hinauf zum Beginn des "Elmo". Hier wartete die erste ernste Schwierigkeit auf die Seilschaft.
Um 15 Uhr standen Lerjen und Pesce auf dem Gipfel des Cerro Torre. Aufgrund der sich rasch verschlechternden Wetterverhältnisse machten sich die beiden nach einer kurzer Rast schnell an den Abstieg. Starker Wind und Spindrift erschwerten die lange Abseilfahrt. Um 21 Uhr erreichte das Duo unbeschadet das Materialdepot am Fuße der Wand. "By fair means" lautete auch die Vorgabe für den Rückweg nach El Chalten: Die 42 Kilometer lange Strecke legten Pesce und Lerjen selbstverständlich zu Fuß zurück.
Weitgehend ungestört: Unterwegs im patagonischen Winter. Im Hintergrund der Fitz Roy.
Michi Lerjen (li) und Jorge Ackermann.















