Schweizer Profialpinist knackte Ueli Stecks Bestzeit

22. April 2015: Dani Arnold holt sich den Speedrekord an der Matterhorn-Nordwand

Im April 2015 setzte der Urner Spitzenbergsteiger Dani Arnold einen neuen Meilenstein: Er kletterte die Nordwand des Matterhorns in 1 Stunde und 46 Minuten. Damit unterbot er den bis dato geltenden Rekord von Ueli Steck um 10 Minuten.

Dani Arnold: Neuer Speedrekord am Matterhorn.
© visualimpact.ch / Christian Gisi

Rekord auf klassischer Route der Matterhorn-Nordwand

Dani Arnold kletterte auf der klassischen Route der Nordwand-Erstbegeher (Schmid-Route). Er stieg am Mittwoch, 22. April 2015, um 8:34 Uhr am Bergschrund in die 1100 Meter hohe Wand ein. 1 Stunde und 46 Minuten später drückte er am Gipfel auf die Stoppuhr und war damit deutlich schneller als die bisherige Marke von Ueli Steck, der die Route 2009 in 1 Stunde und 56 Minuten durchstiegen hatte.

Arnold wählte dabei einen kompromisslosen Stil: solo, mit minimaler Ausrüstung und ohne Absicherung im klassischen Sinne. In steilem Eis, Mixedgelände und brüchigem Fels bewegte er sich über weite Strecken im Grenzbereich – ein Fehler hätte fatale Konsequenzen gehabt.

Die Nordwand des Matterhorns gilt als eine der großen klassischen Wände der Alpen. Die meist begangene Linie, die Schmid-Route, führt durch steile Eisfelder, Couloirs und felsdurchsetzte Passagen. Neben der technischen Schwierigkeit sind es vor allem objektive Gefahren wie Steinschlag, Eisbruch und schnell wechselnde Bedingungen, die die Route ernst machen.

<p>Expressway für Dani Arnold: die Schmid-Route in der Matterhorn-Nordwand.</p>

Expressway für Dani Arnold: die Schmid-Route in der Matterhorn-Nordwand.

© visualimpact.ch / Rainer Eder

Arnold zum Speedrekord: "Ich war nicht mega schnell"

"Zu Beginn fühlte ich mich gar nicht gut", kommentierte Arnold am Abend des Rekords seine Tagesform. "Es wurde mir fast schlecht und ich überlegte aufzugeben." Er hielt aber durch und fand schließlich einen guten Rhythmus. "Ich war nicht mega schnell, das Einzige, was zählt, ist der Rhythmus", sagte er. Angesichts der Zeit wohl ein leichtes Understatement – "normale" Bergsteiger brauchen acht bis zehn Stunden für die Route durch die Nordwand.

Understatement passt zu Arnold, er geht auch schwierige Projekte mit einer verblüffenden Leichtigkeit an. Als er 2011 Ueli Stecks Rekord in der Eiger-Nordwand knackte, er war 20 Minuten schneller als Steck, kannte ihn außerhalb der Szene kaum jemand. Dass er es fast auf den Tag genau vier Jahre später schaffte, auch die Bestzeit in der Matterhorn-Nordwand zu unterbieten, war für Arnold eine besondere Bestätigung. "Es zeigt mir, dass ich in den letzten Jahren vieles richtig gemacht habe. Das ist für mich das wichtigste an diesem Ereignis."

Hintergrundinformationen zu Dani Arnold und dem Rekord in der Matterhorn Nordwand

Route:

Matterhorn Nordwand - Schmid-Route (TD/+, WI4+, M5) - 1100m, V – Erstbegehung: Franz und Toni Schmid zwischen 31. Juli und 1. August 1931. Den Gebrüdern Schmid wurde im Jahr 1932 für diese Leistung die olympische Goldmedaille, der Prix olympique d’alpinisme, verliehen.

<p>Rekordmann: Dani Arnold.</p>

Rekordmann: Dani Arnold.

© visualimpact.ch / Christian Gisi

Dani Arnold:

Seine Anfänge im Umgang mit Eispickeln geht bis in seine Kindheit zurück: Damals träumte er noch von den großen Bergen und schwärmte für sein Idol Stephan Siegrist. Am gefrorenen Bach neben seinem Elternhaus machte Dani seine ersten Eiskletterversuche. Bei Nacht und Nebel, ohne Erfahrung, mit alten Bergsteigerpickeln. Und natürlich ohne Seil und Sicherung.

Das Klettern entdeckte der heute 42-jährige Urner Bergführer mit vierzehn Jahren, nur wenige Jahre später stieg er als Jugendlicher erstmals mit Kollegen durch die Eigernordwand. Später machte Dani Arnold mit einer Solobegehung der 36 Seillängen des legendären Urner Salbit-Westgrats in einer Zeit von eineinhalb Stunden auf sich aufmerksam. Zudem gelang ihm zusammen mit Stephan Siegrist und Thomas Senf die erste Winterbegehung des Torre Egger in Patagonien.

Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Dani Arnold spätestens mit seinem Speedrekord in der Eigernordwand, bei welchem er mit 2 Stunden und 28 Minuten die Zeit von Ueli Steck um fast 20 Minuten unterbot. Steck holte sich 2015 den Rekord zurück.

Text von Holger Rupprecht

0 Kommentare

Kommentar schreiben