
Ausgangspunkt: Zams (780m)
Zielpunkt: Braunschweiger Hütte (2760m)
Höhenmeter: 1020 Hm Abstieg, 1230 Hm Aufstieg
Gehzeit: ca. 7 Stunden.
Tourenverlauf: Mit der Venetbahn auf 2208 m, Wanderung über die Goglesalm zur Gaflunalm und Abstieg nach Wenns im Pitztal (1000 m). Gehzeit ca. 4 Std. 30 Kilometer mit dem Postbus durch das Pitztal bis Mittelberg auf 1700 m. Nachmittags noch ca. 3 Std. Aufstieg zur Braunschweiger Hütte (2759 m, Österreich).
Während unserer Wanderwoche über die Alpen werden insgesamt drei Talstrecken mit dem Bus zurückgelegt. Wartezeiten gibt es dank der perfekten Organisation der Bergschule Oberallgäu niemals, alles läuft reibungslos. Wo immer es möglich ist, werden die Rucksäcke per Materialseilbahn zur Hütte transportiert. Zur Bildergalerie der 4. Etappe
Dort sind die besten Betten und Tische in der Gaststube für uns reserviert. Abends erwartet uns ein Drei-Gänge-Menü, wobei sich die Wirte sehr viel Mühe geben, "ihren" Udo, unseren Bergführer, nicht zu enttäuschen. Schließlich war er es, der diese Route vor drei Jahrzehnten ausgetüftelt und damit entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Hüttenwirte heute in der Hochsaison tagtäglich mit mehreren Dutzend "Alpenüberqueren" rechnen können. Manchmal überkommt mich ob all des Komforts ein wenig ein schlechtes Gewissen, wenn ich beispielsweise Alleinwanderer in langen Schlangen um eine Tasse Kaffee anstehen sehe.
Auch heute war ein solch luxuriöser Tag. Zunächst ging es von Zams aus mit der Venetbahn auf den Krahberg (2208 m), von dem aus sich traumhafte Aussichten in die Lechtaler Alpen und die Ortlergruppe bieten. Die Rucksäcke sind bei vielen deutlich leichter geworden, welche die von Udo offerierte Gelegenheit nutzten, Gepäck in Zams zurückzulassen, das auf der Rückfahrt von Meran nach Oberstdorf wieder eingesammelt wird. Bestimmt 50 Kilo unnötiger Ballast liegt nun in einer Blechkiste im Keller des Gasthaus Thurner. Zur Bildergalerie der 4. Etappe
Über die Gogles - und Gaflunalm stiegen wir über wunderschöne Blumenwiesen und durch schattigen Wald hinab nach Wenns (1000 m), wo ein voll klimatisierter Reisebus auf uns wartete und uns durch das Pitztal nach Mittelberg brachte, dem Ausgangspunkt des Aufstiegs zur Braunschweiger Hütte, unserem heutigen Etappenziel.
Auch der von dort beginnende Aufstieg zur Braunschweiger Hütte ist in der ersten Zeit voll klimatisiert. Die Route führt uns entlang eines mächtigen Wasserfalls, der durch Schmelzwasser aus dem Pitztaler Gletscher gespeist wird. Durch den heißen Sommer stürzen sekündlich gigantische Mengen eiskaltes Wasser mit einem dröhnenden Donnern zu Tal, wodurch die Luft in der Umgebung spürbar heruntergekühlt wird. Alwin, ein Mitwanderer, der mit einer Uhr mit Thermometer ausgerüstet ist, verkündet, dass die Temperatur innerhalb weniger Minuten von 34 auf 22 Grad Celsius gefallen ist!
Nach einiger Zeit jedoch verebbt das Rauschen des Wasserfalls langsam und wir steigen - wie immer in sehr gemächlichem Tempo - die restlichen Höhenmeter zur Braunschweiger Hütte hinauf. Dort sind auch viele Bergsteiger untergebracht, locken doch in unmittelbarer Umgebung lohnenswerte Ziele wie etwa die Wildspitze. Sogar zwei Japaner schlurfen, als wir eintreffen, mit voller Gletscherausrüstung über die Panoramaterasse der auf 2759m gelegenen ganz aus Stein erbauten Hütte.
Uns gelüstet nach dem anstrengenden Tag jedoch nicht mehr nach alpinistischen Heldentaten, sondern vielmehr nach einem guten Abendessen. Und die Wirtin Cilly, ehemalige österreichische Meisterin im Jodeln, bringt auch uns zum jauchzen. Einer Lauchcremesuppe folgt ein opulentes Hauptgericht mit Ofenkartoffeln, gebratenem Speck, Butter, Gurken, Knoblauchquark und Käse. Zum Abschluss gibt es noch einen heißen Apfelstrudel mit Sahne. Luxus!
Holger Rupprecht
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