Gut geplant … ist halb gewonnen. Wer eine Tour systematisch vorbereitet, der wird keine unliebsamen Überraschungen erleben.

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze, um eine bevorstehende Tour anzugehen: 1. Ich habe ein fixes Ziel und warte auf die richtigen Bedingungen. 2. Ich habe Zeit und suche mir ein Ziel aus, dass bei den vorherrschenden Bedingungen Sinn macht.

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Wer nach dem zweiten Muster verfährt, wird sicherlich viel mehr Touren machen und auf diesen sicherer unterwegs sein als derjenige, der nach dem ersten Schema verfährt. Aber wie so oft im Leben gibt es natürlich nicht nur Schwarz und Weiß. Wenn man das eine macht, heißt es ja nicht zwangsläufig, das man das andere nicht macht.

Grundsätzlich ist es aber sinnvoll, sein Tourenziel nach den Bedingungen auszusuchen. Das heißt, ich verschaffe mir einen Überblick darüber, wie zu dem Zeitpunkt, an dem ich unterwegs sein möchte (in unserem Fall eine Wochenendtour), die Bedingungen sind.

Über Jahre bewährt - das Planen mit Bergführern.

| © Birgit Gelder
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Doch was zählt eigentlich alles zu den "Bedingungen?" Je nach Aktivität variiert das (mehr dazu auf den folgenden Seiten). Aber einige grundlegende Faktoren gehören bei allen alpinen Spielarten dazu.

Gerade beim Check der aktuellen Wetterlage ist das Internet eine große Hilfe.

| © Birgit Gelder

Allen voran natürlich die Jahreszeit. Liegt noch Schnee, wenn ja wie hoch, wie viel und wie ist der beschaffen? Besonders im Frühjahr und Frühsommer sind das ganz wichtige Punkte, die es schon im Vorfeld abzuklopfen gilt – selbst bei einfachen Wanderungen.

Danach ist das Wetter ein wichtiger Faktor. Kein normaler Mensch plant eine anspruchsvolle Tour, wenn es regnen und stürmen soll (was nicht heißt, dass man bei solch einem Wetter nicht vor die Tür geht).

Beim Faktor Wetter wiederum gilt es bei der Planung zu beachten:

  • Wie zuverlässig ist die Wetterprognose?

  • Welche Temperaturen sind angesagt?

  • Soll es Niederschlag geben?

  • Wie ist die mittelfristige Vorhersage?

Mit diesen Informationen an der Hand hat man jetzt eine Vorstellung, welche Touren man ausschließen muss. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, in welche Richtung ich weiter planen kann.

Die wichtige Ausrüstung muss mit!

| © Birgit Gelder

Gut ist hier, wenn man die Bedingungen nicht nur alle paar Wochen mal checkt, sondern sich ständig auf dem Laufenden hält. Dann ist der oben beschriebene Prozess sehr schnell durchgespielt und man muss eigentlich nur noch den aktuellen Wetterbericht einholen.

ALPIN-Planungstipp: Die wichtigsten Punkte bei Wanderungen

  • Wie schwierig ist die Tour?

  • Wie lang ist die Tour?

  • Wie sind die Bedingungen? Gibt es etwa Nässe oder Altschnee?

  • Wo ist der Startpunkt?

  • Wie ist die Wegfindung/Markierung?

  • Gibt es Hütten/Almen?

  • Brauche ich spezielle Ausrüstung?

  • Wie soll das Wetter werden?

Gruppen-Stuktur

Der nächste Schritt der Planung: Wer kommt mit? Gehe ich alleine oder zu zweit oder ist eine ganze Handvoll Freunde dabei? Vielleicht auch noch Bekannte der Freunde, die ich kaum kenne und mit denen ich noch nie in den Bergen unterwegs war?

Auf die Gruppengröße kommt es an.

| © alpin.de

Die Größe der Gruppe ist ein wichtiger Faktor. Bei einer eineinhalbstündigen Wanderung auf eine Alm brauche ich keine dezidierte Tourenplanung, daher spielt auch die Größe der Gruppe noch keine Rolle, auf einer Bergtour aber schon! Und wenn es schwierige Passagen gibt, wird vor allem der Faktor "unbekannte Mitgeher" wichtig.

Wie verhalten sich diese Leute in ausgesetztem Gelände? Sind sie trittsicher? Schwindelfrei? Wie ist deren Ausrüstung? Es ist erstaunlich, mit wie vielen (oft unbekannten) Teilnehmern besonders Sektionsgruppen oftmals in anspruchsvollem Gelände unterwegs sind. Entsprechend schwer tun sich solche Gruppen und sind natürlich auch langsam.

ALPIN-Planungstipp: Die wichtigsten Punkte am Klettersteig

  • Wie schwierig ist der Klettersteig?

  • Wie lang ist der Steig (Höhenmeter und Zeit)?

  • Welche Exposition hat er?

  • Wie ist das Material/die Sicherung?

  • Wo entlang führt der Abstieg?

  • Gibt es Abkürzungen/Varianten?

  • Wie ist die Frequenz (viel los)?

Zeitplanung

Maßgeblich abhängig von der Gruppengröße ist auch die Zeitplanung. Bei Bergtouren ohne einen großen Streckenanteil sind die Höhenmeter der entscheidende Faktor bei der Zeitplanung. Touren unter 1000 Höhenmeter sollte jeder gesunde Mensch bewältigen können.

Touren (deutlich) über 1000 Höhenmeter bedürfen eines regelmäßigen Trainings. Touren an die 2000 oder mehr Höhenmeter sind nur sehr gut ausdauertrainierten Personen zu empfehlen.

Standard: ein guter Höhenmesser.

| © Birgit Gelder

Für kleine Gruppen rechnet man eine Aufstiegsgeschwindigkeit von 400 Höhenmetern pro Stunde. Große Gruppen (fünf Personen oder mehr) schaffen normal etwa 300 Höhenmeter pro Stunde. Das macht bei einem Höhenunterscheid von 1200 Metern immerhin eine Stunde Differenz bei der Gehzeit aus. Dazu kommt der Mehrbedarf an Pausen für essen, umziehen, Schuhe binden … Wer also zügig und flexibel unterwegs sein möchte, sollte seine Gruppe möglichst klein halten.

Ist auf einer Tour auch ein auffällig großer Teil an Strecke zu bewältigen, muss man mit einer Mischkalkulation aus Streckenzeit und Höhenmetern arbeiten, um die Zeit für die Tour zu berechnen.

Kleinere Gruppen gehen in ebenem Gelände fünf Kilometer pro Stunde. Größere Gruppen noch vier Kilometer. Will man die Gesamtzeit einer Tour erheben, muss man die Zeit für die Strecke und die Höhenmeter errechnen. Den kleineren Wert teilt man durch zwei und addiert ihn zu dem größeren Wert dazu.

Ein Beispiel: Beträgt die Entfernung einer Tour fünf Kilometer (1 Std. Gehzeit) und die Höhendifferenz genau 500 Meter (Gehzeit: 1 ¼ Std.), teilt man die eine Stunde durch zwei (Ergebnis ½ Std.) und addiert sie zu dem größeren Wert dazu. Ergebnis: 1 ¾ Std. Gehzeit für die Tour – im Aufstieg und bei einer kleinen Gruppe!

Warnen muss man an dieser Stelle davor, Tourenzeiten blind aus dem Internet zu übernehmen und damit zu planen. Man weiß nie, wer die eingestellt hat. Extreme in beide Richtungen sind alltäglich. Hier sollte man eine realistische Planung aufgrund von eigenen Erfahrungen und aus der Führerliteratur (diese Angaben sind in der Regel geprüft!) durchführen.

ALPIN-Planungstipp: Die wichtigsten Punkte beim Bergsteigen

  • Wie schwierig ist die Tour?

  • Wie lang ist die Tour?

  • Wo liegen die Hauptschwierigkeiten?

  • Gibt es eine Absicherung, wenn ja, wie ist sie?

  • Wie sind die Bedingungen?

  • Wie viel Schnee/Eis hat es?

  • Wie soll das Wetter werden?

  • Wie soll die Temperatur sein?

  • Welche Ausrüstung brauche ich?

  • Wird viel los sein?

  • Bekomme ich einen Platz auf der Hütte?

  • Wann geht man morgens los?

  • Wie ist der Abstieg?

  • Gibt es eine Abkürzung?

Eine Karte verschafft Überblick.

| © Birgit Gelder

Abkürzungen

Gut zu wissen, egal ob Sie mit kleiner oder großer Gruppe unterwegs sind, ist die Tatsache, ob es Möglichkeiten gibt die Tour vorzeitig zu beenden oder abzukürzen. Denn nicht immer ist der Aufstiegsweg auch der kürzeste Weg in Tal. Und ein frühzeitiger Abstieg kann oft mal von Nöten sein. Sei es, weil das Wetter doch anders ist als angesagt, sei es, weil man einen schlechten Tag hat oder weil einer in der Gruppe schwächelt. Eine kurze Alternative zurück zum Ausgangspunkt ist immer ein gutes "Backup".

Auch wichtig zu wissen ist, ob unterwegs Hütten oder Almen passiert werden. Sind die bewirtschaftet? Kann man dort etwas kaufen? Wasser gibt es fast immer, zumindest wenn man fragt. Ein kurzer Check im Internet schafft heute schnell Klarheit, ob die Hütten offen sind. Aber auch eine nicht bewirtschaftete Alm kann ein wichtiger Anlaufpunkt einer Tour sein, sei es zum Unterstellen oder für Notfälle.

ALPIN-Planungstipp: Die wichtigsten Punkte beim Klettern

  • Wie schwierig ist die Route?

  • Wie lang ist die Route?

  • Wie ist die Absicherung?

  • Wo ist die Schlüsselstelle?

  • Wie ist der Abstieg?

  • Gibt es die Möglichkeit, abzukürzen bzw. abzuseilen?

  • Wie sind die Standplätze beschaffen?

  • Welches Material ist notwendig?

  • Wie ist die Exposition?

  • Wie soll das Wetter werden?

  • Wie ist die Route frequentiert?

Die Papierkarte ist oft hilfreich, trotz moderner Orientierungshilfen.

| © Birgit Gelder

Auf Tour

Ist die Planung zu Hause abgeschlossen, das Ziel festgelegt und der Treffpunkt geklärt, kann es losgehen. Ab jetzt heißt es, die Planung ständig mit der Ist-Situation zu vergleichen. Dauert die Anfahrt wirklich so lange wie eingeplant war oder ist Stau? Geht auf einmal doch noch ein Ehepaar mehr mit und wir sind keine "kleine Gruppe" mehr? Ist die Situation vor Ort so, wie ich es eingeplant habe oder ist alles ganz anders?

Das sind Faktoren, die präsent sein müssen. Dafür braucht man keine Liste zum Abhaken (wobei so eine Liste am Anfang tatsächlich sehr hilfreich sein kann). Man muss nur so konsequent sein und sein Ziel auch ändern oder der Situation anpassen, wenn sich äußere Faktoren so ändern, dass es einen Einfluss auf den Ablauf der Tour haben könnte.

Wer sich jetzt ein Ausweichziel festgelegt hat, tut sich mit dieser Entscheidung wesentlich leichter als der, der erstmal von vorne anfangen muss, die Ausweichtour zu planen.

Menschen-Massen?

Ebenfalls ein wichtiger Faktor ist heutzutage die Beliebtheit einer Tour. Eine Menge Leute auf derselben Tour können meine komplette Planung über den Haufen werfen. Ganz deutlich wird das am Beispiel Klettersteig. Aber selbst auf schmalen Wegen kann es mühsam sein, wenn man ständig überholen muss oder überholt wird.

Besonders bei langen und hochalpinen Touren sollte man sich Checkpunkte festlegen und diese mit einer Zeitangabe versehen. Wenn ich bis zum Zeipunkt XY nicht an dem anvisierten Checkpunkt bin, wird es eng. Sinnvoll ist es, feste Umkehrzeiten festzulegen. Wenn man schon auf dem ersten Teil der Tour langsamer war als erwartet, wieso sollte man dann auf dem folgenden schneller werden? Am Ende summieren sich die Mehrzeiten auf und man ist zu spät dran ...

Prominentes Beispiel für solche definierten Umkehrzeiten ist der Mount Everest. Wer zu einer bestimmten Zeit nicht auf dem Südgipfel ist, muss (sollte) umkehren. Was passieren kann, wenn man das nicht tut, ist bei der Tragödie 1996 offenkundig geworden.

Text von Olaf Perwitzschky

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