Einer der wichtigsten Faktoren für das Gelingen einer Tour ist das Wetter. Mit etwas Basiswissen lassen sich unliebsame Situationen wie Gewitter und Wettersturz vermeiden.

Soll man die Gratüberschreitung oder den Übergang über das Joch ins nächste Tal wagen oder lieber abwarten? Die Wolken schauen so seltsam aus, der Himmel war am Morgen rötlich und die Nacht ziemlich warm. Wer in die Berge geht, kennt die Unsicherheit, die einen bei indifferenten Wetterlagen beschleicht. Was tun?

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Schön anzusehen, aber für den Bergsteiger nicht optimal: Altocumulus stratiformis duplicatus, lenticularis. Zweischichtige Föhnwolken, die auf ein intensives Wettergeschehen hindeuten.

| © Birgit Gelder

"Smartphone raus und einen Blick auf die Wetter-App werfen", rät Dirk Mewes, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Schon während der Planungsphase in den Tagen vor der Tour sei das die allererste Regel: "Es ist sehr sinnvoll, sich schon deutlich vor der Unternehmung über den Rundfunk, das Fernsehen und das Internet über das kommende Wettergeschehen zu informieren und auf dem Laufenden zu halten", so Mewes weiter. 

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Die heutigen Vorhersagen seien aufgrund verbesserter Modelle und auch Rechnerleistung schon ab drei bis vier Tagen vorab akzeptabel genau. Sehr sicher könne man sich ein bis zwei Tage vorher sein. Trotz Vorhersage und App sind Kenntnisse der Wetterkunde hilfreich. Sie unterstützen die Beurteilung unterwegs.

Ein Kreislauf

Sehr vereinfacht ausgedrückt ist die Strahlung der Sonne Motor für das Wetter auf der Erde. Diese erwärmt den Erdboden und damit die darüber gelegene Luft, die dann aufsteigt. In anderen Gebieten, wo die Luft vom Untergrund (z. B. Eisflächen) oder mangels Sonneneinstrahlung abgekühlt wird, sinkt diese dann ab. In Verbindung mit Erddrehung, Wassergehalt der Luft und weiteren Faktoren entstehen großräumige Strömungen, die Hoch- und Tiefdruckgebiete, Warm- und Kaltfronten hervorbringen.

Der Föhn, der über die Alpen weht, hält das Alpenvorland wolkenfrei. Weiter nördlich ist es mit einer harten Grenze wolkig.

| © Birgit Gelder

Vor allem die Wolkenformen und ihre Veränderung lassen mit etwas Übung Rückschlüsse auf das Wetter zu. Man unterscheidet die in tieferen Luftschichten entstehenden Quelloder Schichtwolken (Cumulus, Stratocumulus, Stratus), die im mittleren Stockwerk auftretenden, noch überwiegend aus Wassertröpfchen bestehenden Wolken (Altocumulus oder die Regenwolke Nimbostratus) und die in größeren Höhen aus Eispartikeln bestehenden Federwolken (Cirrus).

Föhnwolken (Altocumulus lenticularis) sind der Vorbote für eine Wetterverschlechterung innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage.

| © Birgit Gelder

Bei ruhigem Hochdruckwetter schlägt das Bergsteigerherz höher. Dieses Wunschwetter bietet gute Chancen für große Touren. Gefährliche Wettersituationen bleiben aus. Allerdings können durch die starke Erwärmung im Tagesgang Schneebrücken über Spalten instabil werden und die Steinschlaggefahr kann erhöht sein.

Hände weg von langen Touren! Tritt Altocumulus floccus im Sommer am frühen Morgen auf, ist dies ein Indiz für Gewitterneigung am Nachmittag oder Abend.

| © Birigt Gelder

Temperaturen bis zu 30.000 Grad, Stromstärken bis zu 400.000 Ampere, orkanartige Böen, starker Niederschlag: In den Bergen (und auch überall sonst) sind Gewitter und die mit ihnen einhergehenden Blitze eine tödliche Gefahr. Verantwortlich sind dafür vor allem zwei Wetterlagen.

Frontgewitter und Wärmegewitter

Die eine ist die Kaltfront, die relativ häufig von Gewittern begleitet wird. Diese "Frontgewitter" bringen Hagel oder Schneefall bis in tiefe Lagen, in deren Folge die Temperatur rapide sinkt. Eine Kaltfront sieht von vorn aus wie eine dunkle Walze tief herabhängender Wolken. Sie zieht im Schnitt mit 30 bis 80 km/h relativ zügig voran und kann eine Breite von einigen Hundert Kilometern haben, sie hat oft schauerartigen Niederschlag im Gepäck. 

Ganz wichtig: Frontgewitter in den Bergen sind sehr heftig und müssen unbedingt vermieden werden. Das einzige Vorteilhafte: Sie kommen nicht überraschend und die Verlagerung der Front ist gut vorhersehbar. Kündigt der Wetterbericht diese Wetterlage an, sollte man von großen Touren absehen.

Der zweite Gewittertyp sind die sogenannten Wärmegewitter, die vor allem im Sommer auftreten. Dabei führen labile Luftschichten zu sich turmartig aufbauenden Quellwolken, deren oberer Teil beim weiteren Aufsteigen vereist und eine Eiswolkenkappe ausbildet, die an einen Amboss erinnert. Auch diese Wetterlage kann recht gut vorhergesagt werden. "Es ist allerdings schwer abzusehen, wo genau in den Bergen Gewitter auftreten werden", weiß der Meteorologe Mewes.

Eine Gewitterwolke (Cumulonimbus) mit einem ausgeprägten Amboss.

| © Birgit Gelder

"Außerdem können sie durchaus früher auftreten, als angekündigt", so der Experte weiter. Daher rät er dazu, die Entwicklung schon in den Tagen vor der Tour im Auge zu behalten. So weisen immer früher am Tag auftretende Quellwolken oder mittelhohe Wolken mit kleinen Türmchen (Altocumulus castellanus) am Vormittag des Tourentags darauf hin, dass schon ab Mittag mit Wärmegewittern zu rechnen ist.

Die Zugrichtung von Wärmegewittern ist schwer vorhersehbar. Hier kann ein Blick auf die WarnWetter-App des Smartphones während der Tour helfen. Sie gibt Auskunft über die Intensität der Gewitterzellen, des Niederschlags und die Zugrichtung. Gerade Wärmegewitter sind manchmal ortsfest oder kreisen und bilden dabei Tochterzellen.

Wenn der Wetterbericht die Möglichkeit von Gewittern ansagt, rät Mewes zu defensiver Tourenplanung. "Eben nicht den langen Grat machen, sondern lieber eine überschaubare Unternehmung, die eventuell schnella Abstiege oder Umkehrmöglichkeiten bietet."

Mehr Vorlauf hat man bei Tiefdruckgebieten, denen eine Warmfront vorausgeht. Sie ziehen nicht so schnell. Schleierwolken (Cirrostratus) können ein Zeichen für eine Wetterveränderung dieser Art sein. Folgen dichtere Schichtwolken nach und sinkt deren Untergrenze deutlich ab, kann es im Tagesverlauf zu Regen kommen. 

Hier kann man meist folgende Phasen beobachten: tiefer sinkende Schichtbewölkung kündigt die Warmfront an, die bisweilen anhaltenden Regen mit sich bringt. Dann kommt es meist zu einer kurzen Wetterberuhigung, bevor die nachfolgende Kaltfront hereinzieht. Auf der Rückseite der Frontgewitter fallen die Temperaturen und es gibt Schauer, bevor sich das Wetter wieder bessert.

Der Föhn

Und noch eine Wetterlage sollte bei der Tourenplanung Beachtung finden: Föhn und Staulage. Beides hängt zusammen. Herrscht bei uns im Norden Föhn, staut sich feuchte Luft auf der Alpensüdseite und umgekehrt. Der auf der Alpennordseite auftretende Südföhn – der Fallwind fällt aus südlicher Richtung die Nordhänge der Berge hinunter und bläst bis weit ins Alpenvorland hinein – freut Surfer und Kiter. Wanderer und Kletterer müssen sich allerdings auf teils schwere Sturmböen oder gar Böen in Orkanstärke einstellen. Das kann einen schon mal aus dem Gleichgewicht bringen.

Gute Bedingungen: klassische Schäfchenwolken bei einer stabilen Hochdrucklage.

| © Birgit Gelder

Instrumente

Die Tourenplanung hat sich durch verbesserte Wetterberichte und digitale Instrumente deutlich vereinfacht und ist sicherer geworden. Wer zusätzlich ein paar Wolkenformen kennt und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen weiß, kann überraschende und unangenehme Situationen sehr gut vermeiden.

Helfen können die Apps des Deutschen Wetterdienstes, des Deutschen Alpenvereins, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG und die Wetterseite Meteoblue. Anschauliche Wolkendarstellungen finden sich z. B. hier: wolken-online.de/wolkenatlas.htm

Text von Johannes Wessel

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