Immer weniger Menschen wollen in Deutschland Bergführer werden. Der Fach-Verband sucht nach Ursachen – und nach Lösungen. In Aussicht sind bislang keine. Wir haben uns darüber mit dem Michale Lentrodt, dem neuen Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Berg- und Skiführer, unterhalten.

Seit Ende 2012 Vorsitzender des VDBS: Michael Lentrodt.
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ALPIN: Herr Lentrodt, Ihr Verband klagt über mangelnden Nachwuchs. Viele Ihrer Kollegen sehen einen Grund dafür im Konkurrenzdruck durch den Alpenverein. Er bietet zum Teil die gleichen Touren zu deutlich günstigeren Konditionen an, was den Bergführerberuf finanziell unattraktiv macht. Wie stehen Sie dieser Meinung gegenüber?

Michael Lentrodt: Richtig ist: Bergführer verdienen zu wenig. Der tatsächliche Tagessatz liegt bei rund 200 Euro, trotz der hohen Nachfrage. Da muss man sich nicht wundern, wenn man so wenige Bergführer bekommt. Doch das Problem ist nicht der Alpenverein. Einige Kollegen konzentrieren sich seit Jahren darauf, auf den DAV zu schimpfen. Das bringt uns nicht weiter. Er ist da und hat auch seine Berechtigung.

ALPIN: Wenn dem so ist: Wo liegt das Problem dann?

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Das Problem ist eine falsche Wahrnehmung. Oft wissen die Leute nicht um die Qualifikation eines Bergführers, der deutlich besser ausgebildet ist als ein Fachübungsleiter. Um bildlich zu sprechen: Der Fachübungsleiter entspricht - und das meine ich nicht abwertend - dem Hobbyflieger, der Bergführer dem Flugkapitän. Ich bin überzeugt: Da draußen wartet ein hohes zahlungskräftiges Kundenpotenzial. Wenn jeder dieser Kunden wüsste, was sie für ihr Geld bekommen, wären sie auch bereit, deutlich höhere Tagessätze zu bezahlen.

ALPIN: Aber wie wollen Sie diese Kunden erreichen?

Wichtig ist eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit seitens des Verbands, um unser Profil zu schärfen. Doch auch jeder einzelne Bergführer ist gefordert. Er muss mit besonderen Angeboten beim Kunden ein Bedürfnis, ein "Das-will-ich-haben"-Gefühl wecken. Zudem ist ein Umdenken nötig: Bergführer sollten für 200 Euro nicht mehr ausrücken. Das ist unterbezahlt. Doch da muss natürlich jeder mitmachen. Diese Entwicklung dauert Jahre.

Mehr zum Thema: Lesen Sie weitere Stimmen und Meinungen in der aktuellen Ausgabe von Alpin (04/2013) unter der Überschrift "Ausgeführt" ab S. 44!

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