Die Entscheidung ist gefallen! Im zweiten Anlauf erreichte Oh Eun Sun am Dienstagmorgen den Gipfel der 8091 Meter hohen Annapurna. Damit konnte die 44-jährige Südkoreanerin nicht nur ihre Achttausender-Bilanz komplettieren, sondern schafft auch Historisches: Als erste Frau hat die umstrittene Extrembergsteigerin nun alle 14 Achtausender der Erde bestiegen. Wenn auch nicht immer, so der Vorwurf mancher Kritiker, "by fair means".

Siegessicher: Eun Sun (Mitte) und ihr Team bei der Abreise zur Annapurna (foto: Picture Alliance).
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Das südkoreanische Fernsehen war live dabei, als Oh Eun Sun am Dienstagvormittag auf allen Vieren kriechend die letzten Meter zum Gipfel der 8091 Meter hohen Annapurna zurücklegte.

Ob die Südkoreanerin wegen der extremen Wetterverhältnisse - starker Wind bei minus 29 Grad Celsius - nicht mehr aufrecht gehen konnte oder aufgrund der gewaltigen Anstrengung, dürfte schon Sekunden nach Erreichen des Gipfels niemanden mehr interessiert haben. Die 44-Jährige am allerwenigsten. Überglücklich holte sie einen koreanischen Wimpel aus der Daunenjacke und rief laut "Victory".

Bereits am Sonntag hatte Eun Sun einen ersten Vorstoß zum Gipfel des zehnthöchsten Berges der Erde unternommen. Die Wetterverhältnisse machten ihr aber einen Strich durch die Rechnung. Geschlagengeben wollte sich die äußerst ehrgeizige Südkoreanerin aber noch nicht. Im letzten Höhenlager auf 7200 Meter wartete sie auf besseres Wetter - und wurde belohnt.

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Ende des Wettstreites

Mit Eun Suns Erfolg kann wohl auch der Wettstreit im "Achttausender-Rennen" der Damen für beendet erklärt werden. Noch vor wenigen Tagen hatte es die Spanierin Edurne Pasaban - ebenfalls an der Annapurna - geschafft mit Eun Sun gleich zu ziehen, und so die Hoffnung gehegt, vielleicht doch noch Alpingeschichte schreiben zu können. Während der Dritten im Kreis der Favoritinnen, der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, nur noch Außenseiterchancen eingeräumt wurden. Zu schwer ihr Restprogramm mit Everest und K2.

Zweifel bleiben

Abmarsch: Eun Sun beim Verlassen das Annapurna-Basislagers (Foto: Picture Alliance).

Gebetsmühlenartig hatte Kaltenbrunner in Interviews immer wieder erklärt, dass es ihr nicht darum ginge, die Erste zu sein. So bleibt vor allem abzuwarten, wie Edurne Pasaban auf die Nachricht von der Annapurna reagieren wird.

Die Spanerin hatte wiederholt öffentlich an manchen von Eun Suns Gipfelerfolgen Zweifel angemeldet. Insbesondere die Besteigung des Kangchendzönga (8586) durch die Südkoeranerin darf zumindest als unsicher gelten, da die 44-Jährige nur unzureichendes Fotomaterial als Beweis vorlegen konnte. Auch einige Sherpas bestritten einen Gipfelerfolg.

(K)eine Frage des Stils

Unstrittig bleibt, dass Eun Sun ihren Achttausender-Marathon - zwischen Mai 2008 und August 2009 allein acht Achttausender-Besteigungen in nur 17 Monaten - nur mit Hilfe generalstabsmäßiger Planung und Logistik bewältigen konnte.

Dabei wurde auf kilometerlange Fixseile, Trägerkolonnen und Hubschraubereinsätze ebensowenig verzichtet, wie auf den Gebrauch von Flaschensauerstoff. All das mag in echten Bergsteigerkreisen verpönt sein, Eun Sun wird es vermutlich wenig stören: So oder so - ihren Name findet sie zukünftig in den Geschichtsbüchern wieder.

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