Kabinett beschließt erstmals nach 44 Jahren eine Lockerung der strengsten Alpenschutzzone C.

Eine der letzten Hürden für den Bau der höchst umstrittenen Skischaukel am Riedberger Horn ist genommen: Die Bayerische Staatsregierung votierte am Dienstag, nach nur dreitägiger Beratung, für eine Änderung des Alpenplans im Skigebiet Grasgehren.

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Demnach wird im Bereich der geplanten neuen Piste eine Fläche von 80 Hektar aus der strengsten Schutzzone C herausgenommen. Im Gegenzug wird in der Balderschwanger Flur ein Gebiet von zusammengenommen 304 Hektar neu mit C klassifiziert.

Am Riedberger Horn sollen die beiden Skigebiete Grasgehren und Balderschwang mit einer Skischaukel verbunden werden.

| © Picture Alliance

Markus Söder verteidigte die Entscheidung des Kabinetts. Nach Ansicht des Heimatministers stelle der Beschluss "eine deutliche Verbesserung für den Naturschutz" dar, da nur ein relativ kleines Gebiet von den Änderungen betroffen sei. Ursprünglich war geplant, eine Fläche von rund 150 Hektar aus der Schutzzone C zu lösen.

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Außerdem werde das Landesentwicklungsprogramm nicht jedes Jahr neu verhandelt, die Situation am Riedberger Horn sei ein Einzelfall, argumentierte der Minister. 

Das sehen Umwelt- und Naturschutzverbände ganz anders. "Die bayerische Staatsregierung flüchte sich panikartig in einen Beschluss, der für den gesamten deutschen Alpenraum Präzedenzcharakter hat. Jahrzehntelang hatte der Alpenplan für den gesamten Alpenraum Vorbildcharakter, nun wird er kurzfristigen Interessen geopfert", so Erwin Rothgang, Präsident von CIPRA Deutschland

Rudi Erlacher, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, schließt sich der Kritik an: "Der [...] bestehende Eindruck, die Staatsregierung habe schon vorweg politisch den Bau der Lifte am Riedberger Horn festgelegt wurde nun durch diesen Schnellschuss bestätigt. Der Neuzuschnitt der Zone C am Riedberger Horn lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Bayerische Staatsregierung die Skigebietsverbindung genehmigen will. Gravierende fachliche Argumente können nach drei Arbeitstagen kaum gewürdigt worden sein."

Und Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des BUND Naturschutz, kündigte rechtliche Schritte gegen den Kabinettsentscheid an: "Die vom Kabinett beschlossene LEP-Änderung ist ein politischer Skandal und bedeutet einen Paradigmenwechsel im seit über40 Jahren bewährten Alpenschutz in Bayern. Die geplante Skischaukel am Riedberger Horn verstößt massiv gegen internationales Recht. Wir werden mit allen legalen Mitteln weiter für den Schutz des Riedberger Horns kämpfen, um den drohenden Bergrutsch der Landesplanung zu stoppen."

Mit der geplanten Skischaukel am Rieberger Horn sollen die beiden Skigebiete Grasgehren und Balderschwang miteinander verbunden werden. Am 18. September 2016 hatten sich die Bürger der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein mit überwältigender Mehrheit für die Umsetung des Projektes ausgesprochen.

Über die Erteilung der Baugenehmigung entscheidet das dafür zuständige Landratsamt Oberallgäu.

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13 Kommentare

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Christine Alt

Wann kommt dann der Zusammenschluss von Bolsterlang und Grasgehren, wenn in Fischen und Obermaiselstein der Verkehrskollaps droht? Hätte man ja auch gleich mit abnicken können!Und wieviel Schneekanonen müssen für eine Talabfahrt nach Balderschwang installiert werden?
Wer bezahlt den ganzen Irrsinn?
Vorsätzliche Umweltzerstörung sollte auch bestraft werden!

boxki

Eine Schande für den Naturschutz und die Politik in dem Land.

Zumal sich die Frage stellt: Wofür? Eine Skischaukel in dieser Höhe bei der aktuellen Klimaentwicklung. Die Webcams am Wochenende haben fast keine Schneeflächen mehr gezeigt.

Unbegreiflich.

Roland Mang

"Vk" - was wird "endlich Zeit"??
Es würde endlich Zeit, die bestehenden, uralten Lifte sowohl in Balderschwang als auch in Grasgehren zu erneuern!
Und wenn dann jemand die neu ausgewiesene C-Fläche braucht, dann geht er wieder zum Herrn Minister - der wird`s schon richten, oder??
Wer bisher in diese kleinen Skigebiete gefahren sit, der kommt auch weiterhin - und der Rest fährt eh nach Oberstdorf!

Franz

..boykottieren, dann können die Inzuchtler alleine unter sich bleiben !

Bergfreund_Sachsen

Nun hat ja doch wieder die Unvernunft gesiegt! Oder die Wirtschaft? Oder die Politik? Sicher von allem etwas. Und das Birkwild kann sich ja nicht wehren. Auf jeden Fall ist der Tag heute ein trauriger! Ich werde mit meiner Familie auf jeden Fall einen großen Bogen um das Riedberger Horn machen! Der Mensch ist und bleibt auf dieser Erde eben doch das größte Raubtier!!

Dieter

Eine Katastrophe!! Als wenn es denn nicht schon genug Pisten gäbe die zukünftig im sog. Winter ohne Schnee sein werden. Aber wieder mal hat das Profitdenken vor der Vernunft gesiegt. Und die "A..." in der Staatsregierung, die das entscheiden waren mit Sicherheit noch nie in Ihrem Leben in diesem (noch) wunderschönen Stück Natur am Riedberghorn. Woher sollen diese Sesselpfurzer dann auch wissen worüber sie entscheiden. Der Heimatminister - wer ist das schon wieder?? - sollte sich umbenennen in Naturzerstörminister. Diese Partei habe ich noch nie gewählt und werde sie auch nie wählen :-((
Nur bis das genug Wähler in Bayern kapiert haben ist es längst zu spät für das Riedberghorn. Schade, sehr traurig

Vk

Endlich! Wurde auch Zeit!

Alois Igelspacher

Hier ging es um Loyalitäten zwischen der Staatsregierung und den CSU-Lokalpolitikern. Eine von der SPD regierte Gemeinde könnte so etwas niemals durchsetzen. Wir Bürger und Verbraucher können uns immerhin dadurch wehren, dass wir in Gemeinden, die den Umweltschutz mit Füßen treten, kein Geld ausgeben und stattdessen lieber in einem "Bergsteigerdorf" Urlaub machen.
Das Riedberger Horn ist verloren. Doch je mehr negatives Echo es in der Presse gibt, umso eher werden andere Gemeinden von ähnlichen Vorhaben abgeschreckt.

Jens Ziach auf Facebook

Mal wieder ein Werk absoluter Intelligenzbestien...
Doch wie beschissen die Schigebiete im Sommer aussehen ,was die damit verschandeln und zerstören.Soweit denken die nicht .Als gäbe es nicht genug Piste

thohu

Wenn unser Heimatminister beim Nockerberg schon nicht die Augen richtig aufbringt und vor lauter Bierseligkeit das Derblecken verdauen kann, ist es nicht verwunderlich, dass er auch hier alle Realität verliert.
Es ist traurig und er sollte sich, zusammen mit allen beschluss-fassenden Gremien in Grund und Boden schämen, einen von vielen Verbänden ausgehandelten verbindlichen Alpenplan zu demontieren.

Damit sind zukünftig alle legitimen Wege offen, im gesamten Alpenbereich weitere Erschließungen in den geschützten Gebieten durchzuführen.

Traurige Bayerische Staatsregierung!!!

(Mit der Bitte, wenn möglich, direkt dorthin weiterzuleiten)

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