Der Streit um den etwaigen Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn (1787m) geht in eine neue Runde.

Der Beschluss der Bayerischen Staatsregierung steht fest: In den betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein wird es voraussichtlich schon im Herbst eine Bürgerbefragung zur Causa Riedberger Horn geben.

- Anzeige -

Heimat für die größte Birkhuhn-Kolonie in Bayern: Das Riedberger Horn.

| © Picture Alliance

Votieren die rund 1300 Stimmberechtigten für einen Ausbau - zum jetzigen Zeitpunkt kann davon ausgegangen werden - sollen die notwendigen Schritte zur Genehmigung der Skischaukel einleitet werden.

Bei Rudolf Erlacher, dem Vizepräsidenten des Deutschen Alpenvereins, stößt die Kabinettsentscheidung auf absolutes Unverständnis: "Was nach Bürgerbeteiligung klingt, ist in Wahrheit eine Nebelkerze. Die Bürgerbefragung soll verschleiern, dass sich die Bayerische Staatregierung in eine Klemme manövriert hat, aus der sie alleine nicht mehr herauskommt."

- Anzeige -
© DAV

Argumente gegen eine derartige Erhebung hat man beim DAV genug. Hier würden "1.300 Menschen, die teils unmittelbar und teils mittelbar vom alpinen Skitourismus profitieren, über ein für den Alpentourismus in ganz Bayern richtungsweisendes Projekt abstimmen", wie es in der Pressemitteilung vom 19. Juli heißt.

Und weiter: "Mit der Befragung würde auf lokaler Ebene über ein landesweites Instrument – den Alpenplan – abgestimmt werden."

Vor allem letzter Punkt bringt auch die Vertreter anderer Naturschutzverbände in Rage. Beim Landesbund für Naturschutz ist von einem "Frontalangriff auf den Naturschutz" die Rede, Thomas Frey vom Bund Naturschutz spricht in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung von "Wahnsinn".

"Der Alpenraum ist kein Denkmal"

Stein des Anstoßes ist ein Passus in der Erklärung der Staatsregierung. Demnach soll das zuständige Heimatministerium prüfen, ob in einigen Schutzzonen C des Alpenplans, "Seilbahnen, Lifte und Skiabfahrten landesplanerisch unter bestimmten naturschonenden Voraussetzungen" zukünftig ermöglicht werden können.

DAV, Umweltverbände, Naturschützer und Teile der Landtagsopposition sehen darin nichts weniger, als die endgültige Aushöhlung des seit 44 Jahren bestehenden Alpenplanes.

Florian von Brunn, Umweltexperte der Bayern-SPD, ist entsetzt: "Jetzt ist die Tür auf für alle möglichen Erschließungspläne in ganz Bayern. Wir fallen im Naturschutz damit hinter das die Zeit von 1972 zurück."

Heimatressort-Chef Markus Söder weißt die Kritik zurück. Der Alpenraum sei "kein Denkmal", so der CSU-Politiker. "Sauberer, besser und demokratischer" als mit der beschlossenen Bürgerbefragung könne der Streitfall nicht gelöst werden."Die Bürger sollen die Chance haben, über ihre Heimat mitzubestimmen."

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung favorisiert man in den Reihen der Staatsregierung zudem eine Alternativlösung, um die Wogen zu glätten. 

Das Konzept sieht demnach vor, dass der Gipfel des Riedberger Hornes weiterhin in der Zone C des Alpenplanes verbleibt. Weiter unten am Berg könnte jedoch ein Gebiet von eineinhalb Quadratkilomtern für den Skibetrieb freigegeben werden. Im Gegenzug dazu soll der benachbarte Wannenkopf in die Zone C aufgenommen werden.

Beim Alpenverein stößt auch diese "Tauschvariante" auf Ablehnung. Dazu heißt es in der bereits erwähnten Stellungnahme:

"Erstens liegen der Gipfel des Wannenkopfs und erhebliche Teile des Berges bereits innerhalb der Zone C. Zweitens sind die Teile des Wannenkopfes, die nicht in der Zone C liegen, bereits als Wald-Wild-Schongebiet und damit als sehr hochwertiges Schutzgebiet ausgewiesen. Ein Gewinn wäre die zusätzliche C-Zonierung also ohnehin nicht. Und drittens ist das Riedberger Horn unter anderem wegen seiner Bedeutung als Quellgebiet für Birkhühner ökologisch ungleich höher einzustufen."

Und Dr. Gotlind Blechschmidt von Mountain Wilderness Deutschland betont: "Wenn Horst Seehofer einen Kuhhandel wie zwischen dem Riedberger Horn und dem Wannenkopf ins Spiel bringt, dann beweist der Ministerpräsident, dass er den Bayerischen Alpenplan nicht ernst nimmt."

Dr. Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz gibt sich kämpferisch: "Für uns sind die Natur und der Birkhuhnbestand am Riedberger Horn einzigartig und nicht verhandelbar. Wir werden alle rechtlichen Schritte unternehmen, um das Birkhuhn, die Natur am Riedberger Horn und den Alpenplan zu schützen."

- Anzeige -

5 Kommentare

Kommentar schreiben
MaSch81

... und es kam wie es kommen musste. Die Mehrheit der Bürger stimmt für den Bau der Skischaukel (Obermaiselstein 68%, Balderschwang 85%) :-(
Hoffe es gibt noch eine Möglichkeit, dass der Bau nicht genehmigt wird, weil so ein Präsidenzfall hätte wohl ungeahnte Folgen für Tourismus und Naturschutz.

Marco auf Facebook

Ob dies das richtige Instrument ist, hängt wohl auch davon ab, ob die jeweilige Einwohnerzahl in einer angemessenen Relation zum Ausmaß der potentiellen individuellen Beeinträchtigung steht.

Gotthard auf Facebook

Es ist traurig! Man führt Schutzräume ein, um sie dann nach belieben aufzulösen und mit fadenscheinigen Vorschlägen zu umgehen! Wenns ums Geld geht und die Interessen der CSU, ist alles möglich!

Jürgen auf Facebook

Das Geld wird siegen! Das beste Beispiel, das ich kenne, ist Tirol. Das neueste Projekt, das jetzt durgeboxt wurde ist die Zerstörung der Gletschewellt zwischen Ötztal und Pitztal. Beide Gletschergebiete sollen nun endlich verbunden werden. Auch hier spielt der Naturschutz keine Rolle. Wichtig ist nur, daß man ein wenig mehr Umsastz macht. - Vielleicht. Außerdem werden in Tirol Wasserfälle mit abenteuerlichen Stahlkonstruktionen begehbar gemacht. Fragt man nach: warum? Bekommt man die Antwort: Die Natur neben dem Wasserfall war sowieso minderwertig und es gab nichts zu zerstören und die Touristen wollen es so! Es werden Plattformen gebaut an Stellen, an denen vorher niemand vorbei kam und an denen jetzt auch niemand vorbei kommt. Ein großer Boom scheinen hier die Hängebrücken zu sein. Da gibt es abenteuerliche Konstruktionen. Fast immer wurde eine Volksbefragung veranlasst oder Petitionen eingereicht. Das hat niemanden interessiert. Bayern scheint in Hinsicht so einer Bauwut und Naturzerstörung und in der Hoffnung mehr Touristen anzulocken, den Österreichern in nichts nachzustehen.

Lutz auf Facebook

Wenn man 1300 Bürger fragt, deren letzter Strohhalm die geplante Skischaukel ist, um wenigstens noch ein wenig von Geld abzubekommen, des ansonsten bei den Oberstorfer Bahnen bliebe, ist das Ergebnis dich von vornherein klar! Wenn schon Bürgerbefragung, dann in der ganzen Region, also inkl. Oberstdorf, Fischen, Sonthofen und Immenstadt.
Kenne die Region sehr gut, die Skischaukel ist m.E. völlig unnötig.
Wer jetzt dort hin fährt und sich gegen ein Skigebiet in der Region Oberstorf, Kleinwalsertal entscheidet, der macht das nicht wegen den tollen Abfahrten in Grasgehren, sondern wegen der dort preiswerteren Tageskarten. Die werden dann mit Sicherheit steigen. Dann kann man gleich zum erheblich schöneren Gebiet Fellhorn/Kanzelwand fahren.
Nicht nur ökologischer Schwachsinn sondern auch noch wirtschaftlicher!