Der Piz Palü gehört in jedes Tourenbuch. Der fast Viertausender begeistert mit spektakulären Abfahrten inmitten einer bizarren Gletscherkulisse.

Die Optik ist das eine, die leichte Erreichbarkeit das andere. Natürlich zählt der Piz Palü mit seinen drei markanten Pfeilern zu den schönsten Gipfeln der Alpen – ein Klassiker, der im Frühjahr zur Skitourenzeit grandiose Abfahrtsmöglichkeiten und damit viel Lohn für wenig Anstrengung bietet.

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Denn wer vom Berninapass mit der Seilbahn in wenigen Minuten auf den Aussichtsgipfel der Diavolezza schwebt und dort startet, der benötigt für den Anstieg nur noch rund vier Stunden. Ein Vorteil, der sich natürlich längst herumgesprochen hat.

Skitour, Piz Palü, Tourenbeschreibung

Einmalig: Blick hinauf ins "Loch" zwischen den mächtigen Eisbalkonen.

| © Stefan Herbke

Und so kann es vorkommen, dass an einem Sonntag Anfang Mai über 300 Tourengeher wie in einer Karawane gen Gipfel ziehen und die Abfahrt fast pistenartig eingefahren ist. Auch wenn die Tour bei guten Verhältnissen zumindest bis zum Skidepot nicht allzu schwer ist – unterschätzen darf man sie keineswegs. Schon auf der morgens oft unangenehm hartgefrorenen, teils felsdurchsetzten Abfahrt von der Diavolezza hinunter auf den Vadret Pers heißt es: Aufpassen!

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Weitere Schlüsselstellen auf dem Weg zum Gipfel sind der Cambrena-Eisbruch, die teils heimtückischen Spalten unterhalb des Skidepots und ein steiler Schneehang samt luftigem Grat. Die meisten geben sich mit dem Ostgipfel zufrieden, der Übergang zum etwas höheren Hauptgipfel ist noch einmal deutlich exponierter.

Doch dafür bietet sich eine Überschreitung mit Abfahrt durch das von imposanten Eisbalkonen flankierte "Loch" an: mit Sicherheit die einsamste und eindrucksvollste Abfahrtsvariante am Piz Palü!

ALPIN Touren

Tour 1: Piz Palü-Ostgipfel (3882m)

Schwierigkeit: Skitour, mittel

Dauer: 5 ½ Stunden

Höhenmeter: 1080 Hm (auf) / 1990 Hm (ab)

Skitour, Piz Palü, Tourenbeschreibung
Skitour, Piz Palü, Tourenbeschreibung

Übersichtskarte

| © alpin.de

Faszinierende, hochalpine Tour: Beim Anstieg über den Vadret Pers Spaltengefahr vor allem im Cambrena-Eisbruch. Anschließend steiler, teils exponierter Aufstieg zum Ostgipfel.

Talort: Pontresina, 1805 m

Ausgangspunkt: Bergstation der Diavolezza-Seilbahn, 2973 m

Beste Zeit: März – Mitte Mai

Route: Kurze Abfahrt von der Diavolezza auf den Persgletscher. Mit Fellen unterhalb eines Felskopfes vorbei Richtung Cambrena-Eisbruch, der von links nach rechts gequert wird. Oberhalb über die weiten Hänge hinauf zum Absatz am Fuß der Ostflanke, Skidepot. Zu Fuß über einen steilen Hang (ca. 40°) zum Grat und etwas exponiert auf dem schmalen Schneegrat auf den Ostgipfel. Die Abfahrt bis unter die Diavolezza folgt der Aufstiegsroute. Anschließend zehn Kilometer auf der langen, nicht präparierten, aber markierten und gesicherten Gletscherabfahrt nach Morteratsch. Vom Bahnhof mit der Rhätischen Bahn zurück zur Talstation der Diavolezzabahn.

Gehzeiten: Diavolezza – Cambrena-Eisbruch 1 ¼ Std., Cambrena-Eisbruch – Skidepot 1 ¾ Std., Skidepot – Piz Palü ¾ Std., Piz Palü – Bahnhof Morteratsch 1 ¾ Std.

Tour 2: Piz Palü - Die Überschreitung

Schwierigkeit: Skitour, schwer

Dauer: 7 Stunden

Höhenmeter: 1200 Hm (auf) / 2110 Hm (ab)

Skitour, Piz Palü, Tourenbeschreibung
Skitour, Piz Palü, Tourenbeschreibung

Übersichtskarte

| © alpin.de

Die ultimative Skitour mit luftiger Gratüberschreitung und phänomenaler Abfahrt durch das "Loch".

Talort: Pontresina, 1805 m

Ausgangspunkt: Bergstation der Diavolezza-Seilbahn, 2973 m

Beste Zeit: März – Mitte Mai

Route: Abfahrt auf den Persgletscher. Mit Fellen Richtung Cambrena-Eisbruch. Über die Hänge hinauf zum Skidepot, zu Fuß über einen steilen Hang (ca. 40°) zum Grat und auf den Ostgipfel. Der Übergang zum Hauptgipfel ist anfangs breit, ab dem Sattel steil und exponiert. Abstieg über den Gletscherrücken Richtung Westen und vor dem Grat zum Spinas links durch eine steile Schneeflanke hinunter auf das Altipiano di Fellaria.

In die Fuorcla Bellavista (3688 m) und auf die Firnterrasse der Bellavista. Kurz Richtung Fortezzagrat abfahren, um so bald wie möglich links in das Kanonenrohr des Lochs zu wechseln. Unterhalb in Abfahrtsrinne rechts haltend auf den Morteratschgletscher und zum Bahnhof Morteratsch. 

Gehzeiten: Diavolezza – Cambrena-Eisbruch 1¼ Std., Cambrena-Eisbruch – Skidepot 1¾ Std., Skidepot – Piz Palü 1¼ Std., Piz Palü – Bellavista- Terrasse 1 Std., Bellavista-Terrasse – Bahnhof Morteratsch 1¾ Std. 

Die GPS-Tracks dieser Touren finden Sie unter alpin.de/gps-117.

ALPIN Info: Piz Palü – klassisch oder als Überschreitung

Info: Tourismusorganisation Engadin St. Moritz, Tel. +41 81 8300001, engadin.stmoritz.ch 

Anreise: Durch das Rheintal und den Julierpass oder entlang des Inns über Zernez nach Samedan. Über Pontresina Richtung Berninapass zum Parkplatz der Diavolezzabahn.

Hütte: Berghaus Diavolezza, 2973 m, privat, Tel. +41 81 8393900, diavolezza.ch

Bergführer: Bersteigerschule Pontresina, Tel. +41 81 8428282, bergsteiger-pontresina.ch

Literatur: Vital Eggenberger: Skitourenführer Graubünden Süd, SAC-Verlag, 2010.

Karten: Swisstopo, 1: 25 000, Blatt 1277, Piz Bernina; 1: 50 000, Blatt 268 S, Julierpass (mit Skirouten).

Ausrüstung: Skitouren- und Gletscherausrüstung, Steigeisen.

Text von Stefan Herbke

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