Wer nicht immer nur anderen hinterher laufen will, muss auch mal selber ran. Eine gute Spur anzulegen, ist nicht einfach. ALPIN verrät, mit welchen Tricks Euch das gelingt.

Seine eigene Abfahrtsspur in einen unberührten Tiefschneehang zu legen, ist ein Highlight für jeden Tourengeher. Doch vor den Flow haben die Götter die Herausforderung des Spurens gesetzt.

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Eine gute und gleichmäßig steile Aufstiegsspur in einen Hang zu legen, dabei geschickt möglichst flaches und wenig lawinengefährliches Gelände ohne Bewuchs auszunutzen, ist die Visitenkarte eines guten Skitourengehers. Die Anforderungen bei der Spuranlage variieren je nach Schneemenge und Beschaffenheit und der Steilheit des Geländes teils erheblich.

Wer bekommt da nicht Lust, auf Skitour zu gehen? Eine gut angelegte Spurt ist ein Aushängeschild für jeden Skitourengeher.

| © Birgit Gelder

Es ist ein gravierender Unterschied im Energieaufwand, ob man eine eigene Spur im tiefen Neuschnee anlegen muss oder einer eingetretenen Spur folgen kann. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum es die Masse der Tourengeher vorzieht, Touren zu begehen, die schon eingespurt sind.

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In der Praxis sieht man oft zu steil angelegte Spuren, nicht zuletzt dank der modernen Steighilfen. Entweder waren hier "Locals" am Werk oder Skitoureneinsteiger mit hoher Steighilfe. Ob die Gründe für diese zu steilen Spuren im mangelnden Wissen um eine gute Spuranlage oder am Ego und Oberschenkelumfang des Spurenden liegen, kann oft nur vermutet werden.

In Rinnen ist es besonders schwierig, eine Spur mit gleichbleibender Steilheit anzulegen.

Nicht zuletzt sollte man eine Spuranlage anstreben, die auch den nachfolgenden Skitourengehern ein kraftsparendes und ökonomisches Aufstiegserlebnis ermöglicht. Suchen sich nachfolgende Geher eine neue Spur, habe ich in den meisten Fällen etwas falsch gemacht. Manchmal hört man aber auch ein Lob für eine gute Spur. Das ist dann quasi der "Ritterschlag" zum versierten Tourengeher.

ALPIN Fakten

  • Man sollte sich nicht scheuen, eine schlechte Spur zu verbessern.

  • Eine gleichmäßig steile Spur ist für alle nachfolgenden Geher sehr angenehm.

  • Vorausschauend gehen heißt das Zauberwort. Nur so ist eine gleichmäßige Spur zu realisieren.

  • Viele Richtungsänderungen, besonders in steilem Gelände, kosten Kraft und Zeit. Daher wenn möglich Richtungsänderungen im flachen Gelände vornehmen.

  • Natürlich hat man während des Spurens die Lawinensituation immer im Blick.

Die gute Aufstiegsspur

Vorausschauende Routenwahl: Machen Sie sich bei der Tourenplanung daheim mit der Topografie des Geländes vertraut. Vor Ort gleichen Sie den Eindruck ab und entscheiden sich, wo Sie Ihre Spur tatsächlich legen wollen.

Viele Skitourengeher machen die Spur vor der Kehre zu steil. Viel leichter geht es, wenn die Spur flach ist.

| © Georg Sojer

Das ist natürlich nur bei guten Sichtverhältnissen möglich. Bei Schlechtwetter und diffusen Lichtverhältnissen ist es kaum möglich, eine gute und gleichmäßig steile Spur anzulegen. Zumindest nicht, wenn man das Gelände nicht sehr gut kennt.

Sichere, naturverträgliche Geländewahl: Eine gute Aufstiegsspur zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie die Topografie des Anstiegs in Bezug auf die Lawinengefahr geschickt ausnutzt. Außerdem sollte man die Erfordernisse des Naturschutzes berücksichtigen (Wald- und Wildschongebiete).

Dann kann man die Ski hangparallel aufsetzen und aus einer recht stabilen Position die Kehre machen.

| © Georg Sojer

Gleichmäßige Steilheit: Legen Sie die Spur gleichmäßig steil an, da Sie damit ein rhythmisches und ökonomisches Gehen erreichen. Das ermüdet signifikant weniger. Legen Sie die Spur möglichst ohne Steighilfe nicht zu steil an (ca. 10 bis 15 Grad Neigung). Vermeiden Sie kurze Steilaufschwünge, die viel Energie und Maximalkraft kosten.

Die Spur wird beim Anlegen oft flacher wahrgenommen, als sie tatsächlich für die nachfolgenden Skitourengeher ist. Scheuen sie sich nicht davor, eine zu steile Spur zu verlassen und eine eigene, flachere Variante anzulegen. Ihre Nachfolger werden es ihnen danken.

Hüftbreite Spuranlage: Eine hüftbreite, nicht zu schmale Spuranlage ist anzustreben, wobei ca. eine Skibreite Abstand zwischen dem linken und rechten Ski sein sollte, ein sogenannter Spursteg. Das verbessert nicht nur die Standfestigkeit beim Aufstieg, sondern auch die Begehbarkeit für die nachfolgenden Geher.

Steilheit Richtungsänderung
< 30 Grad Kurvengehen
> 30 Grad einfache Kickkehre
ab ca. 35 Grad doppelte Kickkehre

Richtungsänderungen mit Kurvengehen (kleiner 30 Grad Hangneigung): Für eine effiziente Spuranlage sollten Sie Richtungsänderungen dann machen, wenn es einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt (Routenverlauf, Gefahrenstellen, Steilheit, Flachstellen, Bewuchs etc.).

Kickkehre, Skitouren, Technik, Tipps, Know How

Wichtig: nicht aus einer weiten Schrittstellung drehen.

In mäßig steilem Gelände bis (knapp unter) 30 Grad erfolgt der Richtungswechsel meist mit dem Kurvengehen, einer kombinierten Bewegung aus dem sogenannten Bogenlaufen und Bogentreten. Unter Bogenlaufen versteht man hier das Umsetzen der Ski um die Skispitzen, während man beim Bogentreten vom Umsetzen der Ski um die Skienden spricht.

Das Bogenlaufen und -treten ist rhythmischer und kraftsparender als Spitzkehren und sollte immer da eingesetzt werden, wo es möglich ist. Oft ist es besser den Richtungswechsel mittels Kurvengehen in Flachpassagen vor Geländeversteilungen zu machen als im Steilgelände zu einer wackeligen Spitzkehre gezwungen zu sein.

Richtungsänderungen mit Spitzkehren bergwärts (größer 30 Grad Hangneigung): In über 30 Grad steilem Gelände sind normalerweise Spitzkehren zur Richtungsänderung notwendig. Sie erfordern ein gutes Gleichgewichtsgefühl, Hüft- und Beinbeweglichkeit und das Erlernen der richtigen Technik.

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Den gedrehten Ski flach stellen und guten Stand suchen.

Steilhänge mit vielen Spitzkehren bringen Skitourenneulinge mit mangelnder Spitzkehrenkompetenz oft an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Gerade deshalb sollte man die richtige Technik im geeigneten Gelände üben.

Achten Sie darauf, dass die Spur vor der Kehre annähernd eben verlaufen sollte. Auch das möglichst parallele Aufsetzen des nachgezogenen Skis sowie eine geringe Schrittstellung sind wichtige Elemente. Eine zu große Schrittstellung (Grätschstellung) erschwert den Belastungswechsel auf den schon gedrehten Ski und führt oft zum Sturz.

Eine noch ökonomischere Richtungsänderung ist die einfache Kickkehre, die vor allem im steileren Gelände ab ca. 30 Grad einen rhythmischen Aufstieg ermöglicht und beherrscht werden sollte. Dabei wird das lästige Hängenbleiben der Skispitze am Hang durch einen Fersenkick ausgeschaltet, der ein kurzes Nachobengehen der Skispitze verursacht und damit ein flüssiges Nachdrehen des unbelasteten alten Talskis ermöglicht.

Wenn in noch steilerem Gelände oder einer tiefen Spur trotz Fersenkick der Ski immer noch hängen bleibt, kommt die sogenannte doppelte Kickkehre zum Einsatz. Dabei wird der unbelastete Talski mit Fersenkick mit der Skispitze nahe am schon gedrehten belasteten neuen Talski vorbeigeführt. Diese Technik lässt sich mit etwas Übung auch ohne Fersenkick anwenden.

Kickkehre, Skitouren, Technik, Tipps, Know How

Nun mittels Kick den zweiten Ski am Knie vorbei drehen.

Nutzung der Geländeformen: Nutzen Sie die Geländeform und verzichten Sie auf allzu viele Richtungsänderungen. In weitläufigem Gelände sollten Sie eine großzügige flache Spur anlegen. Vermeiden Sie viele kraftraubende Spitzkehren in kurzen Abständen.

In kleinräumigem Gelände mit Hindernissen wie kurzen Steilaufschwüngen kann (muss) die Spur auch mal steiler angelegt werden. Bei engen Rinnen ist eine etwas steilere Spur im Rinnengrund oft besser als Spitzkehren an den noch steileren Seitenhängen. Sich versteilende, schmale Rinnen werden seitlich mit einer eher flachen Spur verlassen.

Die Spuranlage auf nach außen gewölbten Kuppen und breiten Graten erfordert meist weniger Spitzkehren als auf nach innen gewölbten und lawinengefährlicheren Geländeformen wie Rinnen und Mulden.

Schneebeschaffenheit: Die Schneebeschaffenheit und die Schneemenge beeinflussen die Spuranlage. Bei viel weichem Neuschnee und großer Einsinktiefe gerät die Spur tendenziell zu flach, bei hartem Schnee neigt man hingegen zu einer zu steilen Spuranlage. Bei einer großen Einsinktiefe sollte man auf eine gleich hohe Spur achten.

Kickkehre, Skitouren, Technik, Tipps, Know How

Den neuen Bergski direkt in die Gehrichtung aufsetzen.

Bei großer Einsinktiefe im tiefen Neuschnee kann es vorkommen, dass eine Spitzkehre bergwärts nicht mehr möglich ist. In diesem Fall kann es besser sein, die Spitzkehre talwärts auszuführen. Vor allem bei Frühjahrsskitouren auf hart gefrorenen Hängen ist es oftmals sinnvoll steil anzusteigen, dadurch kommt mehr Steigfellfläche zum Einsatz und man muss weniger aufkanten. Querungen von harten Steilhängen sollten eher fallend angegangen werden.

Bewuchs: Bäume und Latschenkiefern erschweren eine gute Spuranlage, besonders wenn sie sehr eng stehen. Ein vorausschauendes Spuren hilft hier, um das beste Gelände für Richtungswechsel zu erkennen. Vermeiden Sie möglichst die Spuranlage in Latschengürteln bei niedriger Schneehöhe.

Aufgrund der vielen hinderlichen Äste und dem oft bodennah aufgebauten sogenannten Schwimmschnee, in den man an den Latschen einbricht, sowie der vielen notwendigen Richtungswechsel ist die Spuranlage sehr kraftraubend oder auch unmöglich.

Verwendung von Harscheisen: Mit einer guten Gehtechnik können versierte Skitourengeher lange auf Harscheisen verzichten. Harscheisen erhöhen vor allem im Flachen den Kraftaufwand und erschweren ein rhythmisches und ökonomisches Aufsteigen. Allerdings bieten sie bei hartem Untergrund erhöhte Sicherheit gegen Stürze, die durch das Zurückrutschen bzw. das plötzliche Ausbrechen des Skis aus der Spur verursacht werden.

Skitoureneinsteiger sollten Harscheisen daher rechtzeitig anlegen. Bei hart gefrorenen oder vereisten Steilhängen müssen sie rechtzeitig im flachen Gelände angelegt werden, da sich das Anlegen in einem eisigen Steilhang sehr schwierig gestalten kann. Stürze auf morgendlich hart gefrorenen Firnhängen können durchaus fatal enden.

Harscheisen für moderne, sehr breite Tourenski stehen sehr weit seitlich über die Skischuhsohle hinaus, was das Queren eines harten Hanges erschwert. Eine etwas steilere Spuranlage kann hier hilfreich sein, um den kraftraubenden Hebeleffekt zu vermindern.

Spuranlage auf Skipisten: Hier kann man nicht wie im freien Gelände seine Aufstiegsspur frei wählen, sondern muss sich am Pistenrand halten, was eine gleichmäßig steile Spuranlage erschwert. Die modernen, oft pickelhart gefrorenen Kunstschneepisten stellen hohe Anforderungen an die Gehtechnik. Querungen von vereisten Pisten können Harscheisen erfordern.

Das Anlegen einer eigenen Spur kann eine wunderbare, kreative Beschäftigung mit hohem Zufriedenheitspotenzial sein. Und wenn Sie dann die erste Spur in den Hang ziehen können und von evtl. nachfolgenden Skitourengehern ein bewunderndes "Vielen Dank fürs Spuren" hören, sind Sie im siebten Skitourenhimmel – solange Sie auch als Erster abfahren.

Text von Andreas Wölki

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