Das wichtigste Instrument zur Beurteilung der Lawinengefahr ist der Lawinenlagebericht (LLB); alle modernen Risikomanagement-Methoden beziehen sich auf diese amtliche Grundlage. Nach einer Studie kannten zwei Drittel die aktuelle Gefahrenstufe am Tag ihrer Tour. Doch die Zusatzinformationen, in denen die wesentlichen Punkte stehen, kannten nur acht Prozent vollständig!

Zusatzinformationen – die Infos für Kenner

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Neben der Angabe der aktuellen Lawinengefahr von gering (1) bis sehr groß (5) besteht der Lawinenlagebericht meist aus drei Blocks: Das Wetter der letzten Tage und die Vorhersage für den kommenden Tag informieren über Neuschneemengen und die Bedingungen auf Tour. Von den Ausagen zum Aufbau der Schneedecke profitieren vor allem Nutzer mit viel schnee­kundlichem Fachwissen.

© www.lawinenwarndienst-bayern.de

Im Absatz zur "Beurteilung der Lawinengefahr" sind die Gefahrenstellen und ihre Empfindlich­keit aufgeschlüsselt. Die Angaben sind auch für Normalskitouristen verständlich und ge­ben klare Hinweise, welche Gegenden man besser meidet. Beschrieben ist die Lage der gefährlichen Hänge, ihre Häufigkeit und Störanfälligkeit.

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Alle Daten haben eine gewisse Unschärfe: So heißt "1600 Meter" nicht etwa, dass es bis 1590 Meter ungefährlich und ab 1610 Meter lebensgefährlich ist! Je höher die Gefahrenstufe, desto größer das mögliche Einzugs­gebiet, das man bei der Beurteilung beachten muss. Bei Stufe 1 und 2 kann man sich auf 20 bis 40 Meter rund um die Spur beschränken, ab Stufe 3 muss man den ganzen Hang mit möglichen Fern- oder Selbstauslösungen beachten, ab Stufe 4 ganze Talkessel.

Gefahrenstellen

Durch Formulierungen wie "vereinzelt", "vor allem" oder "verbreitet" wird die Häufigkeit kritischer Hänge umschrieben.

Tödliche Fracht: Lawinenabgang im Skigebiet Hinterstoder 2009.

| © Picture Alliance

Generell bezieht sich die Nennung gefährdeter Bereiche nur auf "steile" Hänge über 30 Grad. Wenn nur von "Steilhängen" gesprochen wird, sind alle Hänge der angegebenen Exposition und Höhe gemeint, eine umfassende Gefahr. Wird von "Triebschneehängen" gesprochen, sind im wesentlichen nur die exponierten Steilhänge mit Triebschneeladung kritisch. Relativ günstiger sind die Bedingungen, wenn Gefahrenstellen nur in exponierten "Rinnen und Mulden" lokalisiert werden. Dabei bedeutet "exponiert" die genannten Höhen-lagen und Hangrichtungen (Expositionen).

Hier gibt's täglich aktuelle Infos zur Lawinenlage auf alpin.de

Wird von "Triebschneehängen" gesprochen, sind im wesentlichen nur die exponierten Steilhänge mit Triebschneeladung kritisch. Relativ günstiger sind die Bedingungen, wenn Gefahrenstellen nur in exponierten "Rinnen und Mulden" lokalisiert werden. Dabei bedeutet "exponiert" die genannten Höhen-lagen und Hangrichtungen (Expositionen).

Steilheit

Screenshot des Lawinenlagebericht für den bayerischen Alpenraum des Lawinenwarndienst Bayern

| © www.lawinenwarndienst-bayern.de

Die steilste Stelle zählt.

"Mäßig steil" ist: flacher als 30 Grad, "Steilhänge" haben mehr als 30 Grad, "sehr steil" heißt: steiler als 35 Grad, "extrem steil" über 40 Grad. Die Formulierung "extreme Steilhänge" bezeichnet besonders ungünstige Hänge bezüglich Neigung (über 40 Grad), Geländeform, Kammnähe oder Bodenrauigkeit.

Tipps zum Schätzen : Ab 30 Grad macht man im Aufstieg Spitzkehren, felsdurchsetztes Gelände hat über 40 Grad. 

Höhenlage

Die Höhe, ab der es kritisch wird, ist normalerweise in 200-Meter-Schritten angegeben. Für trockene Schneebretter (kalte Bedingungen, Hochwinter) gilt: Darüber wird es gefährlich. Bei warmen Verhältnissen (vor allem im Frühjahr) drohen Nassschneelawinen unterhalb der angegebenen Höhenlage.

Exposition

© Picture Alliance

So heißt die Richtung, in die der Hang "schaut". Schatten- und Sonnenhänge können, abhängig von Sonnenstand (Jahreszeit!) und Geländestrukturen oft erst auf Tour unterschieden werden. In Windschattenhängen sammelt sich gefährlicher Triebschnee; "windexponierte" Hänge sind dagegen oft abgeblasen, also relativ sicher, aber unbequem mit Ski. Kammnahe Steilhänge in Grat- und Gipfellagen sind meist kritisch.

Die Angaben beziehen sich auf die Gefahrenstellen. Spontan-, also Selbstauslösungen können ab Gefahrenstufe 3 (erheblich) auftreten. Besonders gefährlich sind Hänge, die schon bei "geringer Zusatzbelastung" abgehen können, also durch einen Ski- oder Snowboardfahrer, der sanft schwingt und nicht stürzt, durch eine Gruppe mit Entlastungsabständen (Aufstieg 10 m, Abfahrt mehr) oder durch einen einzelnen Schneeschuhgeher.

Die Konsequenz: Solche Hänge wirklich meiden! Ist eine Lawine erst bei "großer Zusatzbelastung" wahrscheinlich, also durch zwei oder mehr Ski- oder Snowboardfahrer ohne Abstände, einen Sturz, Fußgänger, ein Pistenfahrzeug oder eine Lawinensprengung, kann man sie eventuell begehen, wenn man diese große Belastung meidet, also Abstände hält und nicht stürzt.

Lawinengröße

Die Größe der zu erwartenden Lawinen spielt eine Rolle für die Konsequenzen eines Lawinenabgangs. Ein "Rutsch" bedeutet keine Verschüttungsgefahr, nur Mitreißen und Absturz können gefährlich werden. Schon eine "kleine Lawine" dagegen kann Menschen verschütten und töten; sie kommt noch im Hang zum Stillstand.

"Mittlere" Lawinen erreichen den Hangfuß und können Bäume brechen; sie sind die typischen "Skifahrerlawinen" mit durchschnittlich 2000 Kubikmetern Schnee, also rund 1000 Tonnen Gewicht. "Große" Lawinen können den Talboden erreichen und flachere Geländeteile überwinden.

Text von Andreas Dick

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