Sportklettern ist eine reine Spielart, das findet zumindest Reinhold Messner - und kritisiert die neue Olympia-Disziplin scharf.

"Das findet an einer Plastikwand statt! Mit Plastikgriffen! Was soll das? Jeder Affe ist schneller da oben", echauffierte sich der ehemalige Extrembergsteiger am Samstag in der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ). 

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Messner kritisiert Sportklettern

Die "Legende des Sportes" kritisiert das Sportklettern.

| © Picture Alliance

"Jemand klettert eine 30 Meter hohe Wand hinauf - kein Laie versteht, was daran besonders sein soll. Spektakulär wird das nur, wenn einer aus der Höhe runterfällt."

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2020 soll das Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio erstmals auf dem Programm stehen. Für Messner absolut unverständlich. Der einstmalige Spitzenkletterer rechnet daher auch nicht mit großem Publikumsinteresse. 

Neben dem Sportklettern sind nun auch Baseball/Softball, Karate, Skateboard und Surfen olympisch. Insgesamt werden 2020 rund 11.000 Sportler an den Olympischen Spielen teilnehmen, 500 mehr als bisher.

Beim Klettern und Bergsteigen ist Messner gerne alleine, erst dann würde man begreifen, wer man eigentlich sei. "Wir sind heute urbanisierte Menschen, überlebensfähig in der Stadt. Aber wer ist denn in der Lage, auch nur einen Tag ohne moderne, sekundenaktuelle Kommunikationsmittel auszukommen? (...) Noch vor zehn Jahren gab es in Nepal kein Handy. Wenn du da auf Touren Menschen begegnet bist, wurde gegrüßt: Namaste! Brauchst du heute gar nicht mehr versuchen. Alle tippen nur noch auf ihren Displays herum - und stolpern über die Steine auf dem Weg", so Messner. 

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9 Kommentare

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h.baer@bau-statik.ch

Messner, der Profilneurotiker!

Reni

- ja, er hat doch recht. Vielleicht sollte sich das Olympische Kommitee auf Sportarten konzentrieren, die eigentlich in der ursprünglichen Idee von Olympia vorkamen. Gott sei Dank hat man das Ringen zumindest für die nächsten beiden Olympiaden erhalten. Das diese Traditionssportart unter Beschuß stand, ist eh` unverständlich. Natürlich entwickelt sich alles weiter, auch im Sport. Da kommen dann schon manche auch auf das Klettern, vielleicht wird die Formel Eins auch mal olympisch - da wäre ich dann schon eher für`s Klettern, das hat noch etwas mit Körperertüchtigung zu tun.

fvaderno

WOOOW - Er hat es richtig erkannt: Affen können schneller klettern. Und auch noch an Plastikgriffen! Absolut unbio!

Ich finde dies als olympische Disziplin auch Unsinn. Es dient einzig dem fetten Geldbeutel einiger Funktionäre und der Industrie. Aber wenn man argumentiert. dann sollte man nicht nur seine Emotionen, sondern das ganze Gehirn einschalten!

Krausm

Völlig recht hat er der Reinhold abgesehen dass ich lieber selbst 'Sport' betreibe als dabei zuzuschauen - aber unsere Kids brauchen diesen Mist anscheinend weil der echte Kick im Leben halt fehlt....

Langerheinz

Hier muss sich alpin aber auch an die Nase fassen. In meinen Augen versucht alpin mit dem Interview Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ich habe zumindest im Netz dieses Interview gelesen, Ja die Aussage stimmt aber da gäbe es auch noch andere für das Bergsteigen viel wichtigere Aussagen von Reinhold M.. Was haben wir nun von dieser Schlagzeile, zumindest ich bin auch darauf reingefallen und habe den Artikel angeklickt. Soll das das Ziel von Journalismus sein? Wäre schade. Im übrigen teile ich die Befürchtung von Reinhold M.. Klettern wird nicht die von manchen Bergsportverbänden erhoffte Resonanz bringen. Turmspringen vom 10m Brett ist einfach spektakulärer. Dass dann aus deutscher Sicht die Sportler fehlen, ist eine andere Baustelle, aber beim Deutschen Turnerbund wäre das Plastikklettern sicherlich besser organisiert.

sebs

Natürlich hat er Recht, dass diese Art klettern unnatürlich ist, und nur wenig mit Alpinismus zu tun hat. Aber ist nicht fast jede größere Sportart eine Abstraktion ihres Vorbilds? Schwimmer brauchen nicht gegen Strömung ankämpfen, Tontauben fliegen plötzlich völlig vorhersehbar, die Hindernisse beim Hürdenlauf sind immer exakt gleich, beim Fechten ist die Waffenfunktion nur noch angedeutet, und "Gehen" ist eine Perversion menschlicher Fortbewegung. Und so weiter.

Bei den olympischen Spielen kommt es auf Vergleichbarkeit an, nicht auf Natürlichkeit. Und da passt es wieder.

Man könnte natürlich auch am Fels klettern lassen. Aber dann müssten wir ein Stadion an diesen Fels bauen, und ratet mal, wer sich dann als erster beschweren würde.

yeti

Ein Gepard rennt die 100m auch schneller als ein Mensch - der Vergleich von Reinhold ist ziemlich sinnlos. Man kann speed climbing einfach als eine "neue" Sportart akzeptieren, die sicherlich bei Olympia einige Zuschauer finden wird, da das Hallenklettern boomt. Und wer keine Lust auf bunte Plastikgriffe hat, kann ja im Fels bleiben - so einfach ist das. Warum man aus so etwas Trivialem eine Grundsatzdiskussion lostreten muss ist nicht verständlich. Aber vielleicht bringt dies wieder etwas publicity und man bleibt im Gespräch.

Nose

Für mich, Jahrgang 1969, war klettern, zunächst egal in welcher Form, immer auch ein Statement gegen den Mainstream und gesellschaftliche Normen. Vielmehr hatte klettern für mich viel mit Freiheit, Ursprünglichkeit, Verzicht zu tun und war irgendwie auch anarchisch, eine Absage an den Materialismus.

Heute ist die ganze "Outdoorbranche" kommerzialisiert, ein Produkt das uns verkauft wird. Überall Outdoor Events, Outdoor Filmfestivals, Boulderbundesliga, Rockmaster, Alpentvereinshütten die mehr den Flair von Wellnes Hotels haben, jedes Alpental hat sein Trailrunning Event ... und nun eben auch Olympia. Im Prinzip nur eine logische Fortsetzung, die jedoch so weit weg vom eigentlichen Kern des klettern ist bzw. vom "Leben draußen". Zumindest in meinem Verständnis. Und deshalb finde ich, hat der Herr Messner letztlich nicht ganz unrecht. Oder ich bin eben auch schon zu alt um das alles noch zu verstehen.

etna

Recht hat er, der Reinhold. Klettern war doch tatsächlich mal eine Randsportart, die sich vom am Hakenhochziehen bis zum Freiklettern stetig entwickelt hat. Hallenklettern boomt und das ist auch ok.
Wahres Klettern im Einklang mit der Natur und in einer großartigen Kulisse mit richtig viel Luft unterm Hintern findet aber draussen statt. Den Kopf frei kriegen, immer nur fixiert auf den nächsten Griff und Tritt und ja, genau, auch dem Risiko ausgesetzt zu sein, hinunterzufallen, das schärft die Sinne und bringt Körper und Geist in Einklang wie kaum ein anderes Erlebnis. Den Fels lesen und fühlen lernen, darum geht es. Ausserdem sind Bergsteigen und Klettern so ziemlich die letzten Individuallsportarten, die es noch gibt.
Aber nicht, wenn mir durch eine Farbe die Griffe und Tritte vorgeschrieben werden.
Olympisches Klettern im TV - da geh ich doch lieber raus mit Tourenski oder...genau zum Klettern.