Ende Mai werden Robert Jasper und Stefan Glowacz zum zweiten Mal gemeinsam Richtung Baffin Island aufbrechen. Mit dabei sind Profifotograf Klaus Fengler...und ein neu entwickelter High-Tech-Schlitten.

Baffin Island ist die fünftgrößte Insel der Welt und liegt oberhalb des kanadischen Festlands gegenüber von Grönland. Die zahlreichen, oft weit über 1000 Meter hohen Granitwände sind seit Jahren Ziel der besten Extremkletterer. Den Huberbuam, Ines Papert, Iker und Eneko Pou, Leo Houlding und Hansjörg Auer gelangen hier schon spektakuläre Erstbegehungen, ebenso dem bestens eingespielten Dreamteam Glowacz-Jasper.

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Wie bei (fast) all ihren Expeditionen wieder "by fair means" unterwegs: Klaus Fengler, Stefan Glowacz und Robert Jasper.

| © Klaus Fengler

Acht Jahre nach ihrer ersten gemeinsamen Baffin-Expedition kehren die beiden deutschen Profialpinisten auf die Insel zurück, um im östlich gelegenen Sam Ford Fjord nach Möglichkeit eine der vielen Big Walls zum ersten Mal frei zu klettern.

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Die über 150 Kilometer Wegstrecke von der letzten Siedlung Clyde River bis zum Fuß "ihrer" 1000-Meter-Wand wollen Jasper, Glowacz sowie der Profifotograf Klaus Fengler gänzlich aus eigener Kraft, also "by fair means", zurücklegen.

Beim Schlitten-Test in Chamonix.

| © Klaus Fengler

Helfen soll dem Trio dabei ein von Stefan Glowacz gemeinsam mit der Salzburger Firma CarboTech neu konzipierter High-Tech-Expeditionsschlitten.

Dieses unter 12 Kilogramm leichte "Multitool" gleitet nicht nur auf Schnee, sondern kann gleichzeitig mit Spezial-Leichtmetallrädern zu einem "Zugwagen" umfunktioniert werden, mit dem sich bis zu 200 Kilogramm Ausrüstung und Proviant ziehen lassen. Mit seitlich angebrachten Schwimmkörpern verwandelt sich der Schlitten zudem im Bedarfsfall zu einem Raft, einer Art Katamaran, mit einer viertel Tonne Auftriebsvolumen.

Damit aber längst noch nicht genug: Bei der geplanten Big Wall-Begehung wird der Schlitten den Profi-Alpinisten auch als Portaledge dienen.

"Meine langjährigen Partner, Marmot und Gore, entwickelten ein Wand-Zelt aus atmungsaktiven und extrem leichten Gore Tex-Material, das sich perfekt an die Konturen des Schlittens anpasst. Somit müssen wir nicht noch zusätzlich Portaledges mittransportieren, sondern verbringen die Nächte im 'SchlittenLedge' in der Felswand", erklärt Stefan Glowacz begeistert.

Ob sich das multifunktionale Gefährt in der rauen Wirklichkeit des kanadisch-arktischen Archipels auch tatsächlich bewährt hat, wird das Trio nach seiner Rückkehr im Juli berichten können.

Vorab sprachen wir mit Robert Jasper über das bevorstehende Baffin Island-Abenteuer.

Robert Jasper im Interview

Zählt seit Jahren zu den besten Extrembergsteigern weltweit: Robert Jasper.

| © Klaus Fengler

Robert, es ist Deine zweite Baffin Island-Expedition mit Stefan. Was zieht Euch auf die Insel zurück? Keine Lust, sich mal gemeinsam an einer großen Wand im Karakorum oder Himalaya auszuprobieren?

Baffin Island ist die fünftgrößte Insel der Welt und sie liegt in der Arktis. Dort gibt es unzählige Berge mit riesigen Bigwalls. Es gibt sehr viel Neuland. Das sind Juwele für uns Bergsteiger, die es zu entdecken gilt! Klar, der Himalaya wäre auch mal wieder toll! Der Abenteuer-Aspekt in den sehr wilden Regionen von Baffin Island ist für mich aber noch etwas größer, da es ab Clyde River, dem letzten Ort, keine Infrastruktur wie Dörfer oder nicht einmal Pfade etc. gibt. Das macht den besonderen Reiz, das ist echtes Abenteuer für mich!

Ein Schlitten als Portaledge: Stefan Glowacz zeigt, wie's geht.

| © Klaus Fengler

Ihr seid diesmal mit einem neu entwickelten Multifunktionsschlitten unterwegs, der Euch in der Wand sogar als Portaledge dienen soll. Was ist, wenn das High-Tech-Gerät unter den arktischen Bedingungen nicht so performt, wie von Euch erwartet?

Wir haben das Material zusammen mit unseren Partnerfirmen selber entwickelt und getestet, wir vertrauen voll darauf! Trotzdem muss man sich natürlich auf solchen Expeditionen zu helfen wissen. Es wird sicher ungeplante Situationen geben. Mit kühlem Kopf und unserer Erfahrung aus über 20 Jahren Expeditionsbergsteigen musst du dann das Beste daraus machen, wird sicher eine sehr spannende Expedition!

Gemeinsam im High-Tech-"Boot": Stefan Glowacz und Robert Jasper.

| © Klaus Fengler

Du gehst stramm auf die 50 zu. Was fällt Dir jetzt auf Expedition deutlich schwerer als beispielsweise mit Mitte 30? Und: Gibt es Dinge, die Dir nun leichter von Hand gehen?

Leichter ist für mich, da ich sehr viel mehr Erfahrung als früher habe, das Abwarten auf das entscheidende Schönwetterfenster oder das Kalkulieren der Risiken überhaupt. Bei solchen Expeditionen ist Taktik sehr wichtig. So ähnlich wie bei einem Fußballendspiel, wenn Du als Trainer die Mannschaftsauftellung machen musst. Erfahrung ist aus meiner Sicht der wichtigste 'Muskel' bei solchen Unternehmungen, und bis jetzt stimmt unsere körperlichen Fitness auch noch!

Komplettiert das Trio: Der Profifotograf und Bergsteiger Klaus Fengler.

| © Klaus Fengler

Gibt es eigentlich einen Ausrüstungsgegenstand, den Du bis jetzt bei jeder Expedition dabei hattest, aber noch nie gebraucht hast?

Nein, alles was ich mitschleppe, brauche ich normalerweise auch, jedes Teil ist genau abgewägt. Die 'Erste Hilfe' habe ich zum Glück bis heute noch nie wirklich gebraucht (bis auf die Blasenpflaster), hoffe das bleibt auch so!

Baffin Island: Klettern in der eisigen Traumlandschaft.

| © Klaus Fengler

Welches Buch befindet sich diesmal in Deinem Expeditionsgepäck? Oder sparst Du dir das Zusatzgewicht, weil Du eh nicht zum Lesen kommst? Dein Rezept gegen aufkommenden "Lagerkoller"?

Ich genieße auf Expeditionen auch sehr, wenn das Wetter einen im Zelt gefangen hält, das 'zu viel Zeit' haben! Man kann sich Gedanken über verschiedene Lebenslagen machen, das finde ich von Zeit zu Zeit sehr wichtig. Ein Kindle ist aber auch neuerdings mit im Gepäck, das spart Gewicht und es wird nicht mehr langweilig!

Wie verabschiedet sich der zweifache Vater Robert Jasper von seiner Familie? Gibt es da ein bestimmtes "Ritual", bevor Du zu einer Expedition aufbrichst?

Der Abschied von meiner Familie ist immer von neuem hart! Wenn ich ehrlich bin, weiß ich den Ausgang des Tages nie: nicht wenn ich mit dem Auto nach München fahre, nicht wenn ich in den Flieger steige oder zum klettern gehe. Das Leben ist lebensgefährlich und ich bin überzeugt, dass man das tun soll, was man liebt! Wichtig ist, dass man versucht, so vorsichtig und gewissenhaft wie möglich unterwegs zu sein und dass man das Leben genießt, dann ist es ok!

Text von WoDe

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