Nach knapp zwei Monaten kehren der Extremkletterer Stefan Glowacz und Alpinist Robert Jasper aus den arktischen Regionen von Baffin Island zurück in die Zivilisation. Wie fühlt es sich an, ausgesetzt zu sein? Ausgesetzt in der Eiswüste des arktischen Nordostkanada. Ausgesetzt in einer für uns unwirklich erscheinenden Welt, um die letzten weißen Flecken unserer Landkarte zu entdecken, die noch nicht kartiert oder erforscht sind.

Foto: www.baffinexpedition.com
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Bei ihrer Expedition im Frühjahr 2008 wussten der Extremkletterer Stefan Glowacz, Alpinist Robert Jasper, Kameramann Holger Heuber, Photograf Klaus Fengler und Kamera-Assistent Mariusz Hofmann nicht, was sie auf Baffin Island, der fünftgrößten Insel der Welt, erwartet. Sie wussten nicht, wie die Wand aussehen wird, die sie durchklettern wollen und ob es überhaupt möglich sein wird, bei eisigen Temperaturen bis zu minus 35 Grad eine schwierige Route zu klettern. In einer Umgebung, in der man schon beim kurzen Ausziehen der Handschuhe Gefahr läuft, Erfrierungen zu bekommen.

Trotz der Gefahren und allen Widrigkeiten, mit denen Menschen in dieser Gegend zu kämpfen haben, wollen sie die grandiosen und einzigartigen Wände, die nirgendwo anders auf der Welt direkt ins Meer brechen durchklettern. Und nur zur Winterzeit haben die Kletterer überhaupt eine Chance, diese über das zugefrorene Meer zu erreichen, da das Meer im Sommer komplett auftaut und sich in eine wilde und turbulente See verwandelt. Bisher hat es noch kein Kletterer versucht, die Big Walls im Nordosten der Insel zu finden. Zu rau und gefährlich erscheint die Gegend, von der es bisher nur Luftaufnahmen gibt. Doch Glowacz und Jasper wollen die Ersten sein. Sie suchen das Abenteuer- und auf Baffin Island finden sie es.

Jede Etappe der Expedition ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Anreise zur Wand erfolgt mit Hilfe der einheimischen Jäger. In diesen ersten Tagen bekommen die Kletterer die Einsamkeit, Unberührtheit und vor allem Kälte von Baffin Island am eigenen Leib zu spüren. Immer wieder werden sie von Zweifeln und der Ungewissheit eingeholt, ob sie ihre selbst gesteckten Ziele überhaupt erreichen können. Eisige Temperaturen, übereinander geschobene, unüberwindbare Eisschollen, die sich über riesige Flächen erstrecken und immer wieder "White Out", in dem Boden und Himmel ineinander verschwimmen und man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, erschweren die Suche nach der Felswand. Hinzu kommt die ständige Angst vor Eisbärenangriffen.

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Nachdem das Team jeden Winkel des Quernbitter Fjordes und seinen Seitenarmen erkundet, entschließen sie sich für eine Erstbegehung an der Bastion. Diese gigantische Big Wall ragt über 700 Meter senkrecht und überhängend direkt aus dem Meer am Eingang zum Buchan Golf.

Die Expedition steht unter großem Zeitdruck. Maximal 15 Tage haben sie für eine Erstbegehung zur Verfügung. Spätestens Mitte Mai müssen sie sich auf den 350 Kilometer langen Rückmarsch in die Zivilisation nach Clyde River machen, bevor das Eis aufbrechen wird.

Aufgrund der extremen Kälte, Schneefall und vor allem den hohen klettertechnischen Schwierigkeiten kommen sie nur langsam voran. An wenigen Tagen war es möglich, frei zu klettern. Die übrigen Tage musste technisch geklettert werden. Trotzdem werden dabei Schwierigkeiten bis zum unteren 10. Grad erreicht. Keiner anderen Expedition gelang es bisher, ähnlich hohe Schwierigkeiten zu bewältigen. Nach 14 Tagen, 21 Seillängen und Schwierigkeiten von 10-/A4 erreichen Robert Jasper, Klaus Fengler, Holger Heuber und Mariusz Hofmann den Gipfel. Vier Tage verbringt das Team in Wandzelten permanent in der Wand, während der restlichen Zeit kehren sie an Fixseilen immer wieder ins Basislager zurück.

Der Rückweg ist Kräfte raubend, es geht nur sehr langsam voran und die Entbehrungen, Kälte und Schmerzen, denen die Extremkletterer seit Wochen ausgeliefert sind, zehren an den Nerven. Ihre schweren Schlitten im Schlepptau ist ein Tag wie der andere. Immer wieder heißt es, sich von Neuem in die Monotonie aufzumachen - zu laufen, über die Schmerzen an den Füßen hinwegzusehen und geduldig zu sein, wenn nur ein Bruchteil der gesamten Strecke zurückgelegt werden konnte. Es ist wie die Entdeckung der Langsamkeit in ihrer ursprünglichsten Form. An ein paar windigen Tagen helfen die Snow-Kites den Rückweg um einige Tagesetappen zu verkürzen und die Stimmung etwas anzuheben. Nach 16 Tagen Rückmarsch in der Eiswüste erreicht das Team ausgezehrt und erschöpft, die Inuit Siedlung Clyde River.

"Worte können das Gefühl, das wir in diesem Moment empfinden, nicht beschreiben. Dieser Augenblick der Rückkehr ist ein wesentlicher Grund dafür, warum wir immer wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen. Jeder erlebt ihn anders, ganz für sich allein, ganz tief in sich drin."

Tagebucheintrag von Stefan Glowacz am 2. Juni 2008

Quelle: Pressemitteilung haeberlein & mauerer ag

Weiter Informationen zur Expedition finden Sie unter www.baffinexpedition.com

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