Nach dieser Expedition sind wir ungefähr 8000 Erfahrungen reicher. Wir fassen zusammen, was außergewöhnlich gut lief und was besonders schlecht – vom Material, Müll, der Merinowolle bis zum Militär.

Die Flops

- Anzeige -

Satellitentelefon

Unser Thuraya-Gerät, ein mit dem Smartphone koppelbares SatSleeve, hätten wir nicht nur einmal fast bis nach Indien geschossen. Das Internet war schneckenlangsam, sauteuer und unzuverlässiger als der Wetterbericht für die überübernächste Woche.

E-Mails mit lediglich 500 KB kosteten nicht selten 30 US-Dollar – und gingen dann erst nicht raus ins wwweb. Neuer Versuch, neu lief der Zähler. Mehr als 500 Dollar Gesprächsguthaben flatterten somit in den Wind. Eine Nervenprobe.

- Anzeige -

Schwergepäck

| © Andreas Lattner

Verpflegung

Wieso wollten wir eigentlich mit 40 Kilogramm Freigepäck pro Nase auskommen…? Mindestens eine Tonne (und nicht nur ein Sackerl) hätten wir auffüllen sollen mit Gutem von Zuhause – Schokolade, Chips, Lachgummis, Brot, Speck, Säften, Tees, einer italienischen Espressomaschine und was unser Herz sonst noch begehrt. Vor allem Grün- und Schwarztees werden wir frühestens 2021 wieder anrühren.

Zeittotschlagen

Essen: Der beste Zeitvertreib.

| © Andreas Lattner

Nur nicht daran denken, welcher Berg voll Arbeit zuhause eigentlich wartet… Hier biegt man an Schlechtwettertagen (und davon hatten wir leider sehr viele) stundenweise herum, ohne einen Sinn darin zu finden – während zuhause die Zeit das Davonlaufen bestens beherrscht. Höhenbergsteigen ist ein nimmersatter Zeitfresser! Vor allem, wenn man nicht darauf vorbereitet ist.

Game-Boy

Hatte nicht jedes Telefon von Anbeginn irgendwelche dämliche Spiele programmiert? Snake, Tetris, Pacman und Co? Jetzt hatten wir zwar zwei Smartphones dabei, aber tatsächlich kein einziges Spiel drauf.

Lesestoff

Her mit den Büchern und Magazinen! Einzig einen Coelho und ein Bergmagazin aus Gewichtsgründen einzupacken, das war die nächste Schnapsidee. Warum ist das EBook-Zeitalter bisher spurlos an uns vorbei gezogen?

Solarpanel

Da brennt die Sonne stundenlang unbarmherzig auf den Gletscher, aber um die Powerbank nach zwei Drohnenflügen wieder zu füllen, bräuchte es wohl eines dreitägigen Aufenthalts in der Sahara. Das Goalzero Sherpa 50 mit dem Nomad 13 ist viel zu klein dimensioniert, um zu funktionieren. Ein teurer Fehlkauf.

Militär-Omnipräsenz

Army-Camp neben dem BC

| © Andreas Lattner

Army-Stützpunkte findet man selbst im letzten Winkel des Karakorums (bzw. sie finden dich). Dazu kommt ein Liaison-Officer, der uns begleiten muss – und dessen Aufgabe mehr als überschaubar ist: aufpassen, damit wir nicht auf einen falschen Berg klettern, für den wir kein Permit bezahlt hätten.

Die Präsenz der pakistanischen Armee war uns viel zu viel. Ebenso ihre “Liebe” zur Sauberkeit: Ihre Iglu-Bastionen sind stets umgeben von ungeheuerlichen Müllbergen und hunderten leeren Benzinkanistern(und ja, damit ist deren Entsorgung abgeschlossen).

So ein Mist

Einfach unfassbar, welcher Saustall auch von Expeditionen hinterlassen wird. Sind Bergsteiger nicht naturverbundene Menschen? Kanister, Dosen, Plastikverpackungen, Zelte – es gibt nichts, was das ewige Eis nicht freigibt. Da hilft es offenbar leider auch nichts, dass man mittlerweile eine Müllgebühr bezahlt, damit der Abfall wieder rauskommt aus den Bergen. Zu viel bleibt noch immer liegen – oder wird einfach verbrannt.

Gefahrenquellen

Eine Lawine staubte uns ein.

| © Andreas Lattner

Höhere Berge, höheres Risiko – nicht nur wegen der dünnen Luft und ihren gravierenden Folgen. Die 8000er stehen in abgelegenen Gegenden, die nicht dafür gemacht worden sind, um von Menschen betreten zu werden. Alleine das Risiko, den GII aus der Nähe zu sehen, ist ein großes: Spaltenstürze am extrem zerklüfteten Southern Gasherbrum Glacier waren kein Einzelfall.

Uns streifte im Zustieg eine Lawine. Ein junger Italiener starb in mitreißenden Eismassen nicht weit weg von uns – am G4. So traurig!

Gletscherbruch

Wie lange diese Brücke wohl hält?

| © Andreas Lattner

Dieses Monster namens Southern Gasherbrum Glacier verdient einen eigenen (Minus-)Punkt. Eineinhalb Wochen waren die ersten Bergsteiger damit beschäftigt, überhaupt einen Weg durch dieses Labyrinth zu finden. Einer, der beide kennt, vergleicht diesen Gletscher mit dem bekannten Khumbu-Eisbruch am Mt. Everest. Nur schleppen hier keine “Icefall-Doctors” Leitern hoch und bahnen einen sicheren Weg.

Essen "to go"

Goatfried im Garten

| © Andreas Lattner

Tiere, die man vorher streichelt und lieb gewinnt, will man dann nicht geschlachtet und auf dem Teller sehen. Unsere Ziege "Goatfried" ging selber die 100 Kilometer ins Basislager, um dort sogleich (nach streng islamischer Art) geschlachtet und im ewigen Eis zwischengelagert zu werden. Darauf hätten wir gerne verzichtet.

Sein Fleisch wurde zäh und wenig geschmackvoll zubereitet – nur die letzten Bissen vom Barbecue-Grill erwiesen ihm die letzte Ehre.

Wasserqualität

Es ist ein Höhepunkt zurück zuhause: Den Wasserhahn aufdrehen. Ein Glas unterhalten. Klares, partikelfreies Wasser genießen. In höchster Trinkqualität. Unser Körper hatte genug vom abgekochten Gletscherwasser. Der Stuhlgang zeigte über mehrere Wochen, dass ihm die Wasserqualität hier nicht so behagt.

Und wie herrlich war erst dieses Gefühl, Wasser aus einem Duschkopf über unsere Körper ergießen zu lassen!? Zuhause so selbstverständlich, im tiefen Karakorum eine Unmöglichkeit.

Benzinkochergeschmack

Kochen im Basislager

| © Andreas Lattner

Natürlich sind die Voraussetzungen schwierig, 5000 Meter über dem Meer groß aufzukochen. Nach acht Wochen mit vitaminarmem Gletscher-Gekochten, das immer wieder nach Benzinkocher schmeckte, war es eine Freude, aus einer normalen Küche zu essen. Magenprobleme begleiteten uns selbst aus Islamabad mit nach Hause. Frisches Obst und Gemüse (und ein Glaserl Wein und Bier :-)) sind wohl noch wochenlang die Highlights in unseren eigenen vier Wänden.

Wetterlotterie

"Das Wetter ist wie ein Kartenspiel – du musst mit den Karten spielen, die du bekommst", sagte Höhenbergsteiger-Profi Adam Bielecki. Dass wir die ersten drei Wochen nur Bummerl und Nieten kassierten, war also Pech. Von sechs Wochen im Basecamp vier Wochen Schneefall, das würde man aber nicht einmal seinen Gegnern austeilen. Akklimatisieren bis 7400m war noch drin, für den nächsten Zug in die Höhe reichten unsere Karten leider nicht.

Die Tops

Expeditions-Erlebnis

Hochlager. Hochstimmung

| © Andreas Lattner

Einmal einen Achttausender versuchen – es wird aus damaliger Sicht vom Basislager ganz sicher ein Once-In-A-Lifetime-Erlebnis bleiben. Heute denken wir schon ein kleines bisschen anders darüber ;).

Wir sind froh und dankbar für all die Einblicke in die extrem hohe Bergwelt – und freuen uns jetzt umso mehr, wenn wir zurück in den Alpen einfach auf unseren Hausberg steigen oder klettern und wieder herunterfliegen dürfen.

Offline-Sein

Zwei Monate lang kein Internet – bis auf die stockende Einbahnstraße über unser Satellitentelefon zu unserem Blog, um ihn wöchentlich mit einer Geschichte zu füttern. Ein gutes Gefühl, nicht immer “up to date” sein zu müssen und permanent vor einem viereckigen virtuellen Kastl zu hängen.

Zelt Orion Extreme II

Endlich im Grünen.

| © Andreas Lattner

Trotz unseres Fauxpas, die Zeltstangen in eine Gletscherspalte zu schmeißen, hielt das Zelt von Exped allen Witterungen (und Erwartungen) stand mit unseren Reserve-Stangen. Vor allem die seitlichen Öffnungen waren bei den extrem hohen (!) Temperaturen goldwert, um nicht zu verglühen. Leicht zu tragen, leicht aufzubauen – wir freuen uns schon auf weitere Ausflüge in den Alpen.

Postkarten & Partner

Wir können einfach nur staunen und dankbar sein! Ohne den Support so vieler Menschen, die unsere Postkartenaktion unterstützten, und Firmen, die zu Partnern wurden, hätten wir diese Expedition nicht finanzieren können. Danke jedem einzelnen fürs Mittragen dieses Rucksackes! Wir hoffen, wir konnten euch auch ein Stück mitnehmen in unseren Geschichten.

Wild und weit weg

Einer von vielen Zackengraten.

| © Andreas Lattner

Noch nie haben wir so viele spannende Berge in Form von Zacken, Türmen und gigantischen Linien aus Fels und Eis auf so engem Raum gesehen. Dazwischen Gletscher, die zerrissener nicht sein könnten. Das Karakorum ist das bisher wildeste Gebirge, das wir mit eigenen Augen gesehen haben. Die absolute Abgeschiedenheit verleiht ihm die besondere Würze.

 Heinzelmännchen

Was tun, wenn der Provider plötzlich die Homepage stilllegt? Und was, wenn die übersandten Bilder ein schwarzer Fleck bleiben? Ein Heinzelmännchen (-frauchen) zuhause war unser Troubleshooter – danke, liebe Dani, für deine Hilfe und Ferndiagnosen!

Basecamp-Community

Abschieds-Feuer mit den Slowaken

| © Andreas Lattner

Viel Zeit war im Basislager abzusitzen. Die Besuche bei unseren Nachbarn waren immer eine Inspiration. Vor allem die Coolness mancher Höhenbergsteiger-Profis hat uns positiv angesteckt: immer schön ruhig bleiben und den richtigen Moment abwarten, um den nächsten Zug zu machen… Stundenlange Gespräche und viele Tipps nahmen wir mit in unser Zelt. Danke, vor allem Adam Bielecki, Felix Berg und David Göttler!

Zweier-Team

Als “isolierte Zelle” seinen Standort im Basislager zu haben, das haben wir genossen. Nicht nur, weil sich der Koch und sein Helfer alleine um uns kümmerten (und wir jedes am Berg verlorene Kilo gleich wieder hinauffutterten ;-)). Die Nervosität, Unruhe und Hektik mancher Großgruppen konnte sich mit etwas Abstandnicht so sehr auf uns übertragen.

Wir machten “unser Ding”. Wir hatten in unserem Essenszelt sogar Teppich und Heizstrahler für die besonders kühlen Abende. Unsere Agentur “Mashabrum Expeditions” bekommt: den Daumen hoch!

Manpower und PS

Unsere Mannschaft.

| © Andreas Lattner

Die Porter verlieren nur selten ihr Lächeln von den Lippen, obwohl sie zwischen 20 und 25 Kilogramm auf ihrem Rücken tragen – über täglich 20 und mehr Kilometer in einfachstem Schuhwerk. Ein Knochenjob für nur 1500 Rupies pro Tag (umgerechnet etwa 11,50 Dollar), ohne den Expeditionen nicht möglich wären. Besonders clevere Geschäftsleute sind die Führer von Mulis: Ihr Esel-Pferd-Geschöpf darf viermal so viel aufladen – dafür gibt’s auch vierfache Kohle.

Kuschelige Kombi

Diese leichte Kombination hat in der Höhe bestens funktioniert: Die aufblasbare Downmat Winter von Expedmit dem dünnen Carinthia-Schlafsack ManLight Down bzw. dem Exped-Winterlite-Schlafsack. Die Daunenbekleidung trugen wir ohnehin am Körper, da konnten wir rundherum Gewicht und Federn sparen. Ganz ohne zu frieren.

Trinksystem

Der MSR-Kocher, ein Leihgerät von Freunden aus dem Allgäu, war ein Burner: Auf der Ama Dablam hatte dieses Teil in der Höhe Schwierigkeiten gehabt, diesmal kochte das Wasser dann, wann wir es brauchten. Unser Wasserhaushalt war meistens gut gefüllt: Durch eine 1-Liter-Nalgene-Flasche in der Thermohülle im Rucksack verstaut und einem 0,5- bzw. 1-l-Platypus-Beutel in der Jackentasche immer griffbereit.

Merinowolle

Waschtag im Basislager.

| © Andreas Lattner

Das hat uns überrascht: Unsere Ortovox-Bekleidung (Unterwäsche, Swisswool-Jacke und Hardshell-Schicht) trugen wir bis auf 6000 Meter und höher, ohne zu frieren, ehe wir auf unsere Daunen-Zweiteiler wechselten. Die Merinowolle fühlte sich auf der Haut supergut an – und hielt die Gerüche in Grenzen. Nur ein Waschgang in zwei Monaten war nötig, um uns (und andere) nicht anzustinken.

Chapati

Was den Franzosen ihre Crepes und uns Österreichern die Palatschinken sind den Pakistani die Chapati: Und die gibt’s sogar öfter zu einer Mahlzeit serviert als Besteck. Der liebste Sattmacher der Pakistani darf bei keinem Gericht fehlen – und dient obendrein als Ersatz für Messer, Löffel und Gabel. Mehl, Wasser, Salz, ein geschicktes Händchen und eine Feuerstelle – mehr brauchen die hauchdünnen Fladen nicht.

© Andreas Lattner

Mehr zu Marlies und Andreas und den Verlauf ihrer Pakistan Expedition findet Ihr auf www.hochzwei.media. Dort lest Ihr auch alle bisher veröffentlichten Blog-Beiträge in vollständiger Länge.

Text von Marlies Czerny

- Anzeige -

1 Kommentar

Kommentar schreiben
Christian Sander

Also ganz ehrlich:
wenn ich die Aufzöhlung eurer "Flops" lese, dann weiss ich wirklich nicht, warum es euch unbedingt ins Karakorum verschlagen hat.
Da wäre Teneriffa doch auch sehr schön als Urlaubsort. Dort gibt es mit eueren Flops null Probleme
Gerade der Umgang mit den Besonderheiten auf Expeditionen, ausserhalb unserer Wellness- Vollpensionskultur ist doch das Besondere und Schöne und Herausvordernde.
Warum suche ich das Besondere in einer abgelegenen Hochgebirgslandschaft, wenn ich hinterher nur über fehlende Zivilisationsvorzüge einer Pauschalreise ans Mittelmeer "heule"?
Wer sich an etwas Benzingeruch im Wasser, "lebenden" Essen und fehlenden Spielen auf dem Handy (wozu breuche ich das um Himmels Willen im Karakorum ???) auf einer 8000er Expedition stört, hat wohl ganz andere Probleme.
Ich erlaube mir mit 10 großen Expeditionen zwischen 1999 und 2013 zu den 7000er und 8000ern (davon 5 x im Karakorum) ein klein wenig Einblick in das Expeditionswesen zu haben. Aber eventuell bin ich mit meinem Geburtsjahr 1961 und meinen Vorstellungen von "Expeditionsfeeling" nicht mehr "up to date".