Marlies Czerny und Andreas Lattner wollten mit dem Gasherbrum II ihren ersten 8000er besteigen. Leider spielte das Wetter nicht mit. Es geht zurück in die Zivilisation.

Grüne Grasbüschel. Bunte Blumen. Auf einmal hüpfte das Herz 8000 Meter hoch. Nach acht Wochen zwischen Moränenschutt und Gletschereis sind wir zurück im Leben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Freude wir mit den ersten Farbtupfern in der grauen Landschaft hatten! Ein Moment, der dieser Expedition eine neue Farbe gibt. Blumen. Einfach Blumen. Die lassen unser Herz wieder aufblühen.

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© Andreas Lattner

Entscheidung war goldrichtig

Doch erst brachen wir im Basislager unsere Zelte ab. Bei Schneefall. Von den vorhergesagten Sonnenstunden war noch immer nichts zu sehen. Wie glücklich wir auf einmal mit unserer Entscheidung waren, umzudrehen und nicht doch noch unseren Heimflug zu verschieben und weiterhin zu warten!

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© Andreas Lattner

Wir hätten keine Chance gehabt. Auch die beiden Profis David Göttler und Herve Barmasse, die uns am Southern Gasherbrum Glacier in entgegengesetzte Richtung begegnet waren, kamen dann über das Lager 1 nicht hinaus. Saisonende somit auch am Gasherbrum IV. Überhaupt zählen die Gasherbrums zusammen heuer nur vier Gipfelerfolge. Mager, mager.

Die Championsleague der Berge

Der nächste Morgen am Konkordiaplatz offenbart unter blauem Himmel noch einmal die unfassbare Macht dieser Berge. K2. Broad Peak. Gasherbrum IV. Die Championsleague spielt hier auf, und wir stehen nur still in den Rängen.

© Andreas Lattner

Wir versuchen uns vorzustellen, dass der K2 vom Basislager bis zum Gipfel ohne Unterbrechung mit Fixseilen verlegt worden ist. Das will einfach nicht in unser Gehirn. Dieser Berg ist soooo gigantisch. Das müssen zig-Kilometer an Seile gewesen sein! Ist das noch Bergsteigen?

Ein Flug von 5600 Metern

Noch einmal gibt's Chapati um Mitternacht. Wir wollen über das Hushe-Tal zurück nach Skardu, das heißt, dass wir den etwa 5600 Meter hohen Gondogoro La überqueren müssen. Viel zu schnell sind wir am Pass angelangt - waren wir eigentlich schon irgendwann irgendwo zu schnell?! :-) Um 3:45 Uhr ist es noch stockfinster. Dabei wollen wir doch endlich unserer SuSi3 Pakistan zeigen!

© Andreas Lattner

Nachdem wir am GII keine Möglichkeit für einen Gleitschirm-Flug hatten, wollen wir diese Chance ergreifen und ins Hushe-Tal abgleiten. Da ist nur eine Sache: Die Zehen sind mittlerweile Eisklumpen und damit zumindest meine Motivation am Gefrierpunkt. Ich entscheide mich, zu Fuß abzusteigen und hoffe, dass Andi auf Betriebstemperatur bleibt. Ohhhhhh yeah!

Es fliegt, es fliegt...

© Andreas Lattner

Im steilen Schotter juble ich auf: Er fliegt! Die Sonne taucht die ersten Gipfel in warme Farben. Dazwischen ein kleines Pünktchen. Sechs Minuten nach dem Start findet Andi in Khuspang schon wieder Gras unter den Füßen. Das ging ihm fast zu schnell. Denn zum Schauen gibt's so viel - vor allem den Laila Peak. Den vielleicht schönsten Berg der Welt hätten wir auch gerne von oben gesehen, doch die Zeit ist nun zu knapp. Aber wie schön er selbst von unten ist!

Ankunft im Paradies

© Andreas Lattner

Bei Andi übertaucht die Spannung die Kälte in den Zehen. Mit ordentlich Airspeed geht’s ins Hushe-Tal. Glücklich, ein grünes Fleckerl Erde zu sichten, setzt er hart, aber herzlich auf. Ich beneide ihn :-)

Wieder vereint genießen wir eine Cola beim Camp in Khuspang. Die Sonne scheint, der Laila Peak sticht ins Auge, ein Bach schlängelt sich durch die Wiese - das kommt dem Paradies schon ziemlich nahe. Pure Entspannung, ehe es weiter talauswärts geht.

Eine Klodyssee

Zwei Stunden weiter, im ebenso schönen Basecamp vom Laila Peak, verbringen wir die Nacht. Leider schlägt sich bei Andi etwas auf den Magen und der nächste Tag wird zur Klodyssee… Sechs Stunden Fußmarsch und fünf Stunden rumpelige Autofahrt später fallen wir in Skardu erst in eine Dusche und dann ins Bett. Dusche! Bett! Einfach herrlich.

© Andreas Lattner

Ein Muss: das Kopftuch

Am nächsten Tag fliegen wir bereits nach Islamabad. Es gibt ein bisschen Kultur in der pakistanischen Hauptstadt und ein Kopftuch für die Faisal-Moschee, die unglaublichen 74.000 Muslimen Platz bietet. Viele Stunden verbringen wir in unserem neuen Lieblingscafe von Pakistan, der Loafology gleich ums Eck vom Hotel. Wir sind endlich zurück in der Zivilisation - und freuen uns auf den restlichen Sommer ohne dicke Daunenjacke und Grüntee. :-)

Klickt Euch durch weitere Fotos zum letzten Teil der Expedition in Pakistan.

Mehr zu Marlies und Andreas und den Verlauf ihrer Pakistan Expedition findet Ihr auf www.hochzwei.media. Dort lest Ihr auch alle bisher veröffentlichten Blog-Beiträge in vollständiger Länge.

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