Wie sollte man mit dem Trend E-Mountainbiken in den Bergen umgehen? Die Resonanz auf unsere Umfrage war überwältigend.

Über allen Gipfel ist Ruh? Das war einmal! Im Winter geraten Tourengeher und Pistenbetreiber immer öfter aneinander, ab dem Frühjahr sind es die E-Biker, die von Jahr zu Jahr in wachsender Zahl ins Gebirge strömen, Bergpfade und Ziehwege bevölkern, auf denen sich aber auch schon die Wanderer und "normalen" Mountainbiker tummeln. Konflikte sind hier vorprogrammiert. Oder doch nicht?

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"Die Entwicklung des E-Bike-Markts ist rasant. Wir halten es für realistisch, dass in zehn Jahren jedes zweite neu verkaufte Fahrrad in europäischen Kernmärkten ein E-Bike ist", so Claus Fleischer, der Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems. Auch wenn nur ein Bruchteil dieser E-Bikes auch E-Mountainbikes (E-MTBs) sind, sieht mancher diese Entwicklung mit Sorge.

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Vor allem beim DAV. Schließlich unterhalten die Sektionen des Deutschen Alpenevereins rund 40.000 Kilometer Bergwege, die sich Wanderer und Mountainbiker derzeit - nicht immer friedlich - teilen. Kommt nun auch noch eine "Lawine" an E-Mountainbikern dazu, könnte dies, so fürchtet man beim DAV, negative Folgen für Wege, Flora, Fauna und die übrigen Bergsportler haben.

Manch eine Sektion hofft mit dem Verzicht auf Ladestationen auf ihren Schutzhütten, den (befürchteten) Ansturm der E-Biker in Grenzen halten zu können. Dies trifft vor allem bei vielen Touristikern auf Unverständnis, denn das Thema boomt allerorten, und sei längst, so die Einschätzung von Maria Wilhelm, der Geschäftsführerin der Millstätter See Tourismus GmbH, zum "touristischen Must-Have" geworden.

Was haltet Ihr vom E-Bike-Trend in den Bergen? Das Ergebnis unserer Umfrage.

Wir wollten Euch wissen, wie man am besten mit dem derzeitigen E-MTB-Boom in den Bergen umgehen soll. Vertragen Hütten, Wege und Natur einen größeren Ansturm von Bikern? Und ist es möglich, die Wünsche möglichst aller Bergsportler zufriedenzustellen?

© www.alpin.de

Das Ergebnis unserer Abstimmung ist ziemlich eindeutig ausgefallen. Gut 70% der Teilnehmer unserer Umfrage sind der Ansicht, das E-Mountainbiker nur im Tal und am Berg nur auf genehmigten Ausnahmewegen fahren dürfen sollten.

Knapp 30 Prozent meinen, dass durch die neue Art der Fortbewegung mehr ältere oder auch weniger sportliche Menschen den Weg in die Berge finden würden, was absolut zu begrüßen wäre. 

Dass das Thema unsere ALPIN-Community bewegt, zeigt sich auch an der Viezahl der abgegeben und überwiegend äußerst differenzierten Kommentare, die Ihr ungekürzt unter dem Artikel findet. Hier eine redigierte Auswahl:

Anonymer User: "E-MTBs sollen doch bitte im Tal bleiben! Wer ein "Bergerlebnis" möchte, soll es sich entweder selbst erarbeiten, oder sich mit einer der eh schon zu vielen Bergbahnen in Sandalen, weißen Socken und Fotoapparat auf den Gipfel chauffieren lassen. Der Gesundheitsaspekt zählt hier für mich nicht. Entweder macht man das ganze Jahr über was für seinen Körper und ist somit in der Lage, sich selbstständig und mit eigenen Kräften zu bewegen, oder man lässt es dann auch im Urlaub sein..."

Bertram: "Jeder/Jedem nach seinem Geschmack, wenn Toleranz und Akzeptanz für die Natur, den anderen Natur- und Sportliebenden gegenüber gewahrt wird. Rücksicht auch in Bezug darauf, dass nicht überall und alles befahren werden soll und muss. Gewünschte Zusammenarbeit zwischen Grundbesitzer, Gemeinden, Behörden, Forst, Jagd, Landwirtschaft Tourismusverbänden. Nur gemeinsames Verständnis führt zu Lösungen."

Fette Reifen, fetter Akku: Immer mehr Menschen entdecken ein E-Mountainbike für sich.

| © Picture Alliance

Jan: "Soll doch jeder das machen, was ihm möglich ist und Spaß macht, solange andere dadurch nicht tatsächlich belästigt werden. Und damit meine ich nicht irgendwelche Wanderer, die aus lauter Frust so tun als werden sie durch Mountainbiker belästigt und auch nicht Mountainbiker, die bloß aus Prinzip sich von e-Bikes gestört fühlen. Ich bin gerne sportlich unterwegs, deshalb ist ein motorisiertes Bike nichts für mich, aber wenn ich mal alt bin und meine eigenen Beine mich nicht mehr den Berg hoch bringen, bin ich wahrscheinlich froh über einen kleinen Motor der mich unterstützt."

Elke: "Ich bike sehr gerne. Eine bis vor kurzem völlig unsportliche Kollegin von mir hat sich zusammen mit ihrem Freund, der 120 kg wiegt, vor einem Jahr ein E-Mtb gekauft. Seitdem fahren sie die gleichen Strecken, die auch ich fahre. Sie hat selbst zugegeben, dass es teilweise schon gefährlich ist mit dem E-Mtb, da sie die Technik des Mtbfahrens nicht beherrscht. Und das ist genau die Gefahr meiner Meinung nach. Die elektrische Unterstützung gaukelt vor, biken zu können, was gerade in den Bergen zu gefährlichen Situationen führen kann. Wenn es zu steil wird, mache sie einfach den Turbo rein. Das Rad sei ihr deswegen schon ein paar Mal vorne mal aufgestiegen und sie gestürzt. Was ist, wenn durch falsche Tourenplanung darüber hinaus plötzlich der Akku schlapp macht?"

Über Stock und Stein: Für das E-MTB kein Problem, für manchen Fahrer dagegen schon.

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Alois: "Durch höheres Gewicht und höheres Moment am Hinterrad ist durch E-Bikes auch eine stärkere Belastung an der empfindlichen Alpenflora und an den empfindlichen Alpenpfaden zu erwarten. Die weitere Zerstörung der Gebirgslandschaft darf sich nicht vom Wintersport auch noch hin zum Sommersport ausdehnen."

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84 Kommentare

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eine mit Radl anfahrende Berggeherin

Wenn ich ein 11 kg Carbonbike mir kaufen kann, hinten ein Rettungsring-Ritzel von der Größe eines Kinderrades und dann noch mit einer Karre die mindestens 180 PS unter der Motorhaube hat zum biken in die Berge fahren dann ist das was so viele angebliche Naturfreunde für die Wahren Schützer der Alpen sind. Auf der Otto-Mayr Hütte im Reintal gibt es eine eBike Ladestation die vom DAV abgesprochen wurde. Nach dem Hüttenwirt aber den Verantwortlichen klar machen konnte das die Ladestation doch nie von eBiker in Anspruch genommen wird die von der Bärenfalle aus starten, da bis zur Hütte hoch jeder Akku ausreichend Energie hat. Die eBiker die aber ihre Umwelt tatsächlich schonen und von zu Hause mit dem Radl kommen die sind froh wenn sie am nächsten Tag oder noch am selben Tag wieder zurück zu ihrem Wohnort oder einer Station des ÖPNV mit Unterstützung fahren können. Stellt euch vor dieses Argument hat sogar die DAV-Kommission überzeugt und die Ladestation besteht immer noch. Also liebe Biker wer da unten bei der Bärenfalle aus seinem Auto ein Bike ablädt ist sicherlich kein Umweltfreund und gehört nicht in die Berge, wahrscheinlich würde er wenn erlaubt, noch bis zur Musauer Alm hochfahren ;-((

Günter Heinrich

Ich bin seit vielen Jahren begeisterter Mountainbiker und kombiniere gerne den Gipfel mit dem Radl. Mir ist es wichtig, das auch mit 61 noch aus eigener Kraft heraus zu machen. Dafür muss man natürlich das ganze Jahr über trainieren.
Wichtig ist, dass sich E-Biker und "richtige" Biker respektvoll behandeln. Jeder E-Biker sollte sich bewusst sein, dass sie von ihrem Bike quasi die Berge hinauf getragen werden und das bei weitem nicht mit der Leistung eines normalen Mountainbikers zu vergleichen ist.
Ich finde es auch bedenklich, wenn sich Bike-unerfahrene und eigentlich unsportliche Leute unten im Tal ein E.Bike ausleihen und dann größte fahrtechnische Probleme beim Abwärtsfahren haben. Hier passieren immer wieder schwere Unfälle, weil sie das Gerät nicht beherrschen.
Für mich persönlich kommt ein E-Bike erst dann in Frage, wenn ich merke, dass ich mich mit dem normalen Bike zu sehr quäle. Wie sagte ein 78-jähriger immer noch fitter Bekannter zu mir letzte Woche: Vielleich gönne ich mir ein E-Bike, wenn ich 80 werde!

Gregor

E-MTBs haben eine klare Daseinsberechtigung, da es mehr Personen zum Sport treibt welche ansonsten gar keinen trieben. Eine Fahrtauglichkeitsprüfung o.ä. wäre eine Idee. Trails bergauf zu bestreiten oder Motocross-like mit dicken Reifen durch nicht freigegebenes Gelände fahren zu können ist eine Gefahr für die ich jedoch leider keine Lösung weiß.

User über Umfrage-Tool

Ich finde es gut, dass E-Bikes vielen Menschen den Sport ermöglichen, die aufgrund eines Handicaps dazu sonst nicht in der Lage wären. In höheren alpinen Regionen sind Ladestationen oder ähnliches aber nicht angebracht. Die Masse der E-Biker sind nun mal keine Menschen mit Handicap, sondern Leute, die nicht fit genug sind.

User über Umfrage-Tool

Wir verbringen die meiste Freizeit in den Bergen, egal ob Sommer oder Winter, um die Ruhe zu genießen, körperlich was zu tun (Wander, Klettern, Klettersteige) und das man einfach mal den Alltagsstress entfliehen kann. In den letzten Jahren ist die Anzahl der "Wanderer" extrem gestiegen. Die sich weder über das Wetter, die Schwere der Tour.... informieren. Somit ist die Anzahl der Rettungseinsätze für die Bergrettung schon extrem gestiegen, weil sich Leute in Turnschuhen und leichter Kleidung in Schneefeldern versteigen oder verletzen. Jetzt kommen noch die Ebike Radler dazu die davor meistens noch nicht mal in den Bergen unterwegs waren da es zu anstrengend war. Jetzt mit Ebike kommt man gemütlich ohne große Anstrengung überall hin. Dadurch werden die Wege kaputt gefahren oder die Wege werden als Autobahn ausgebaut damit auch wirklich jeder rauf kann. Es ist mittlerweile alles nur noch auf Masse ausgelegt. Je mehr desto besser. Ruhe findet man nur noch selten in den Bergen. Ich finde es gut das es Ebikes gibt da eben ältere oder Leute mit körperlichen Beschwerden wieder mehr für ihre Gesundheit tun. Wenn es extra ausgeschriebene Wege oder Staßen sind ist das auch in Ordnung. Aber es muss jetzt nicht jeder Wanderweg und jeder Berg sein. Dann sind die Probleme mit Wanderern und Radlern vorprogrammiert. Wir radeln selbst auch gerne aber mit dem Rad muss man nicht überall hin.

Guntram Büchel

Hallo, der befahrene Weg sollte eine bestimmte Breite haben. Ich bin selber mit dem E-bike in den (nur)Bergen unterwegs. Bei mir haben sich die Wanderer schon entschuldigt wenn ich ihnen ausweichen mußte oder stehengeblieben bin wenn der Weg zu schmal war. Sich in den Bergen mit Respekt begegnen, dann funktioniert es!!!

User über Umfrage-Tool

E bike am besten nur auf Rezept

Niki Huwyler

E-MTB ist eine Erweiterung vom bestehendem Sportgerät. Bietet viele Möglichkeiten, aber auch Problematiken. Ist wie mit Magnesium und Kletterschuhen, ohne das geht auch kein 8c.

User über Umfrage-Tool

Vielleicht wären geführte E-/MTB-Touren von z.B. DAV-lizensierten Guides eine Möglichkeit, allen und allem gerecht zu werden? Es schont somit dann sowohl die Natur als auch die Nerven der anderen Bergsportfreunde. Private Touren sollten m. E. aber nur in Tälern und auf entsprechend ausgewiesenen Wegen möglich sein. Es wird allerdings auch immer welche geben, die gegen diese Ge- bzw. Verbote verstoßen werden, aber vielleicht hält sich das "wilde" E-/MTB-Biken dann mehr in Grenzen.

Kay Wünsche

Man wird es leider nicht aufhalten können. Der Mensch mit technischem Fortschritt wird am Ende die Berge genauso kaputt manchen, wie es mit den Meeren bereits passiert ist. Natürlich ist Tourismus ein Geschäft, welches vielen Einheimischen Lohn und Brot bringt, aber wie immer wird die Gier am Ende des Tages den Verstand besiegen - die Bequemlichkeit wird über den Willen triumphieren. Also halten wir so lange dagegen, wie es geht.

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