Kletterschuhe, wie wir sie heute kennen, gibt es seit knapp 40 Jahren. In dieser Zeit hat sich bei den Schuhen viel getan. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Typen vor.

Kletterschuhe sind heutzutage ausgeklügelte High-Tech-Ausrüstungsgegenstände. Das Niveau der Top-Kletterer ist nicht zuletzt deshalb so hoch, weil die Schuhe inzwischen so ausgefeilt und spezialisiert sind. Mit den fast schon klobig anmutenden, knöchelhohen Kletterschuhen der späten Siebziger- oder frühen Achtzigerjahre haben die heutigen Kletterpatschen nichts mehr zu tun.

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Dass es nicht so einfach ist, einen guten Kletterschuh zu bauen, der funktioniert, mussten schon einige große Hersteller feststellen. So versuchte Mammut bis vor einigen Jahren auf dem Kletterschuhmarkt Fuß zu fassen. Mehrere Jahre dauerte das Engagement, schlussendlich gaben sie auf. Die Schuhe hatten nie die Performance wie die Modelle der eingesessenen Mitbewerber.

Kletterschuhe, Arten, Marktübersicht, Überblick

Einfach: große Leisten.

| © Birgit Gelder

Komplexe Technik

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In einem Kletterschuh stecken eine gehörige Portion Handarbeit und Erfahrung. Ein Beispiel dafür ist der Randgummi. Der wird von Hand aufgebracht. Dazu muss er vorgespannt und dann aufgeklebt werden. Etwas mehr oder weniger Zug auf diesen Gummi und schon hat man einen Schuh, der mit dem ursprünglichen Modell nicht mehr viel gemein hat.

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Diese Route am Kraxentrager in Oberammergau heißt "Sohlenfresser": zu Recht!

| © Birgit Gelder

Auch Experimente gab es schon viele im Bereich der Kletterschuhe. Mad Rock verpasste seinen Schuhen einige Jahre lang einen hufeisenförmigen, dickeren Gummiring auf der Unterseite der Sohle. Mammut versuchte sich an einer Klettersandale und auch an einem Schuh mit eckigen Sohlenübergängen.

Alles "Innovationen", die es heute nicht mehr gibt. Was sich durchgesetzt hat, sind hingegen ein mehr oder weniger starker, asymmetrischer Leisten und ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Downturn. Downturn heißt, dass der Schuh nach unten vorgebogen ist, die Sohle also quasi konkav ist (von unten betrachtet).

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Schwieriger: kleine Leisten.

| © Birgit Gelder

ALPIN-Tipp: Runderneuern oder nicht?

Früher war das mit dem Wiederbesohlen von Kletterschuhen so eine Sache. Meist hatten die Schuhe nach der Besohlung einen anderen Charakter als vorher und die Sohle hat nicht lange gehalten. Heute gibt es dazu gute Alternativen. Wenn der Schuh früh genug eingeschickt wird (bevor das Randgummi "durch" ist), kostet eine Neubesohlung zwischen 20 und 30 Euro. 

Bei kletterschuhe.de kann man sich sogar die Sohle aussuchen, die man auf seinem Kletterschuh haben möchte. Und da die Schuhe oftmals sogar auf ganz ähnlichen Leisten aufgezogen werden, sind sie nach dem Besohlen auch fast wie vorher. Für gut erhaltene Kletterschuhe kann man daher sagen: einmal besohlen lohnt sich.

Möglichst eng

Beide Maßnahmen zielen auf denselben Effekt ab: möglichst einen hohen Druck und eine gute Kontrolle auf der Fußspitze (Zehenspitze). Denn im High-End-Bereich sind die Tritte so klein, dass man sie kaum noch sehen kann.

Allerdings müssen nicht alle Schuhe so sein. Auch wenn wir in der vorliegenden Übersicht das Angebot in acht verschiedene Kategorien unterteilen, gibt es noch immer die Modelle, mit denen ein ambitionierter Kletter-Normalo alles machen kann. Und wenn man etwas länger klettert, sammelt sich doch auch das eine oder andere ältere Modell an.

Ein typisches Einsatzprofil sieht in etwa so aus: den alten, runtergekletterten oder wiederbesohlten Schuh (vgl. dazu Kasten) nimmt man für die Halle. Für längere Routen wählt man den gut eingetragenen und daher vielleicht etwas weiteren Schuh. Und für die schwere, kurze Sportkletterroute kommt die "Waffe", also der relativ neue Schuh, der noch sehr eng ist, zum Einsatz.

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Selektiv: abschüssige Tritte.

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Immer weiter

Ein Feature, das noch immer recht neu ist, ist das "No-Edge-Konzept" von La Sportiva. Dabei haben die Schuhe nicht wie üblich im Neuzustand eine Sohlenkante, sondern dieser Sohlenrand ist abgerundet. Sicherlich auch ein Feature, das eher den fortgeschrittenen Kletterer oder Boulderer anspricht, das aber sehr gut funktioniert.

Interessant zu beobachten ist, dass es auf dem Kletterschuh-Markt einige Klassiker gibt, die es in nahezu unveränderter Form noch immer gibt – seit Jahren oder Jahrzehnten. So ist der Five Ten Anasazi VCS so ein Klassiker, aber sicherlich auch der La Sportiva Mythos, Katana oder Miura. Auf dem besten Weg ein Klassiker zu werden ist auch der Scarpa Vapor V, ein Allroundschuh, mit dem man (je nach Wahl der Größe) immer gut aufgestellt ist.

Vorausgesetzt, Scarpa lässt den Schuh auch die nächsten Jahre im Programm. Eine besondere Position nehmen gewisse "Spezialschuhe" ein. So gibt es inzwischen extra Schuhe für Kletterhallen oder auch für den Verleih.

Es gibt sogar schon vegane Schuhe (aus rein sythetischen Stoffen), aber auch Kinderschuhe sind kein Massenartikel. Ganz speziell sind sicherlich die Risskletterschuhe. Kann sein, dass die im Mutterland der Granitrisse gut laufen, in Mitteleuropa sieht man sie dagegen selten. Sie sind eher steif und wirken fast klobig. Aber sie sollen ja auch den Fuß vor allzu großen Schmerzen bewahren.

Text von Olaf Perwitzschky

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