Nicht überall hat man Handy-Empfang. Wie aber lässt sich ohne Handy Hilfe verständigen? Per Satellitentelefon oder -tracker sowie über spezielle Notrufsender. ALPIN zeigt Stärken und Schwächen auf.

Passieren kann es jederzeit und überall, dazu muss das Gelände nicht einmal schwierig sein. Schon beim Stolpern kann man sich so unglücklich verletzen, dass an Weitergehen nicht zu denken ist. Wer dann am Abend alleine in einem einsamen Gebiet unterwegs ist, hat möglicherweise schon ein Problem.

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Am einfachsten lässt sich Hilfe mit dem normalen Mobiltelefon holen. Voraussetzung dafür ist, dass das Mobilfunknetz funktioniert. Und genau das ist weder in den Alpen noch anderswo in wenig besiedelten Gebieten überall der Fall. 

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Gut wenn das Handy Empfang hat! Aber was wenn nicht?

| © picture alliance / dpa Themendienst

Doch selbst wenn das Handy-Display "kein Empfang" zeigt, lassen Sie sich nicht gleich abschrecken: Wählen Sie die internationale Notrufnummer 112, wenn Sie Hilfe benötigen. Viele Praxisfälle zeigen, dass man die örtlichen Rettungsdienste trotz schwachem Funksignal erreicht.

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Möglich ist der Notruf selbst dann, wenn das Telefon erst eingeschaltet werden muss und die PIN zum Aktivieren der SIM-Karte oder für die Gerätesperre nicht bekannt sind. Nur eine SIM-Karte muss in Deutschland seit 2009 im Gerät stecken, weil die 110 und 112 zuvor zu oft missbräuchlich gewählt wurden.

Exakt orten lässt sich der Notruf per Mobiltelefon aber nicht. Dazu wäre eine Positionierung per GPS nötig, wie sie normale Handys nicht unterstützen. Fast alle Smartphones besitzen dagegen einen GPS-Chip, aus dem die vorher (!) installierte und eingerichtete App Echo112 (Android und iOS) die aktuellen Koordinaten ausliest. Der örtliche Rettungsdienst kann dann über das Webportal echo112.com sehen, wo Sie sind. Das funktioniert auch im Ausland.

Alternativen zum Handy

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Der Adapter Thuraya SatSleeve+ versieht ein iPhone oder Android-Smartphone mit der Möglichkeit, über Satellit zu telefonieren.

| © alpin.de

Doch es gibt Alternativen zum klassischen Mobilfunknetz: nämlich per Satellitentelefonie, per Tracking- bzw. Notrufmelder ebenfalls über Satellitenverbindung sowie alternativ über Systeme auf 406-MHz-Funkbasis aus der Luft- und Seefahrt. Was kompliziert klingt, gibt es als handliche und einfach zu bedienende Geräte zu kaufen.

Ein Fall aus der Praxis zeigt, dass es funktioniert: In diesem Sommer wurde in Österreich ein verletzter Bergsteiger gerettet, dessen Notruf zunächst in den USA auflief.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Systeme vor, doch zuvor räumen wir noch ein Missverständnis aus: Manches Notrufsystem mit dem Zusatz "Satellit" nutzt die Satelliten nur zur Positionsbestimmung, der Notruf aber läuft über das Mobilfunknetz (GSM). Ist kein Handy-Empfang vorhanden, funktionieren solche Geräte ebenso wenig wie ein Mobiltelefon. Beispiele sind die GPS-Notrufuhren von Limmex und diverse GPS-GSM-Tracker. 

Nicht weiter gehen wir zudem auf Handsprechfunkgeräte ein, also die Walkie-Talkies. Sie sind zwar praktisch und günstig, arbeiten aber nicht autark. Denn zur Kommunikation benötigt man immer ein eingeschaltetes zweites Gerät in der Umgebung von wenigen Kilometern.

Satellitentelefonie

Nun also zur echten Satellitentelefonie, die oft immer noch mit hohen Kosten und Expeditionen in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich halten sich die Gebühren mit rund einem Euro bzw. US-Dollar pro Gesprächsminute in vertretbaren Grenzen, Anrufer von außen zahlen etwas mehr. Die genauen Konditionen hängen von den Vertragsbedingungen ab, wie im Mobilfunknetz gibt es auch hier Prepaid- und Postpaid-SIM-Karten.

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Roland Ampenberger ist Geschäftsführender Vorstand der Bergwacht.

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"So funkt die Bergwacht Bayern" - Interview mit Roland Ampenberger, dem Geschäftsführenden Vorstand der Bergwacht Bayern.

Die Telefone selbst kosten zwischen etwa 500 und 1200 Euro. Zu beachten ist, dass man sich schon beim Gerätekauf für eines der vier Satellitennetze entscheidet: Globalstar, Inmarsat, Iridium oder Thuraya. Nicht jeder Netzbetreiber deckt die gesamte Erdoberfläche ab, Iridium bietet hier einige Vorteile.

Für diesen Praxistest verwenden wir das Satellitentelefon Inmarsat IsatPhone 2 für rund 800 Euro, das abgesehen von den Polargebieten überall auf der Welt funktioniert. Das Telefon ist mit knapp 320 Gramm und Maßen von 16,9 x 5,2 x 2,9 Zentimeter (ohne Antenne) zwar deutlich größer als ein Smartphone, aber durchaus noch handlich.

Neben der klassischen Telefonie bietet das IsatPhone 2 einen Trackingmodus, der die GPS-Position in einstellbaren Intervallen verschickt. Das Gleiche gilt für den integrierten SOS-Knopf. Dieser kann so programmiert werden, dass auf Knopfdruck an vorab eingegebene Empfänger die aktuellen Koordinaten übermittelt und automatisch ein Anruf aufgebaut wird. Zudem ist das Telefon trotz der vielen Funktionen sehr einfach zu bedienen und arbeitete bei unseren Tests stets zuverlässig.

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Mit den GPS-Notfalluhren des Schweizer Herstellers Limmex lässt sich im Ernstfall sogar telefonieren, allerdings nur über das normale Handynetz (GSM).

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Neben der klassischen Telefonie bietet das IsatPhone 2 einen Trackingmodus, der die GPS-Position in einstellbaren Intervallen verschickt. Das Gleiche gilt für den integrierten SOS-Knopf. Dieser kann so programmiert werden, dass auf Knopfdruck an vorab eingegebene Empfänger die aktuellen Koordinaten übermittelt und automatisch ein Anruf aufgebaut wird. Zudem ist das Telefon trotz der vielen Funktionen sehr einfach zu bedienen und arbeitete bei unseren Tests stets zuverlässig.

So praktisch dieses Telefon oder ein Satelliten-Adapter fürs Smartphone wie das Thuraya SatSleeve+ (ca. 550 Euro) ist, so haben sie im Notfall unter Umständen einen entscheidenden Nachteil. Denn wie GPS benötigt auch die Satellitentelefonie direkten Sichtkontakt zu den Erdtrabanten. Weil nun die geostationären bzw. geosynchronen Satelliten dieser Netze über dem Äquator stehen, verdecken Berge in der Nähe die "Sicht" umso stärker, je weiter man sich vom Äquator entfernt.

Diesen prinzipiellen Nachteil vermeiden die beiden im Folgenden beschriebenen Tracking- und Notrufsysteme von DeLorme/Garmin und Spot. Beide Geräte arbeiten mit LEO-Satelliten (Low-Earth-Orbit-Technik), bei denen in eingeschnittenen Alpentälern zwar ebenfalls die Sichtverbindung zu den Satelliten abbrechen kann, allerdings immer nur zeitweise.

Alpine Notsignale

  • In den Bergen hat sich international das "alpine Notsignal" etabliert. Hilfesuchende machen innerhalb einer Minute sechs Mal in gleichmäßigen Abständen auf sich aufmerksam. Dann folgt eine Minute Pause, anschließend wieder sechs Mal pro Minute und so weiter. Je nach Situation kann man durch Lautzeichen wie lautes Rufen, Pfeifen oder Hämmern, durch Lichtsignale wie Blinkzeichen, Sonnenspiegel, den Notsignalmodus mancher Stirnlampen oder durch Winken mit auffälligen Gegenständen auf sich aufmerksam machen. Nimmt jemand das Notsignal zur Kenntnis, antwortet er mit nur drei Zeichen pro Minute: Das bestätigt dem Hilfesuchenden, dass sein Notsignal angekommen ist.

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Kommunikation zum Hubschrauber mit den Armen: Das "Yes"-Zeichen (links) bedeutet: Ich brauche Hilfe! "No" (rechts) heißt: keine Hilfe erforderlich.

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Tracking- und Notrufsysteme

Wer primär für den Notfall gerüstet sein, ansonsten aber lieber "seine Ruhe" haben möchte, profitiert trotzdem von der Satellitenkommunikation. In Frage kommen zwei Systeme: der Spot 3 Messenger des US-Unternehmens Spot LLC, oft mit "Spot Gen 3" abgekürzt, zum anderen der inReach Explorer von DeLorme/Garmin, ebenfalls aus den USA.

Beide Systeme ermitteln im Notfall per GPS den aktuellen Standort und setzen die Information über Satellit ab. Kontakt finden sie dabei zu den Low-Earth-Orbit-Funkstationen, vermeiden also die prinzipielle Satellitenabschirmung durch Berge.

Das handflächengroße Spot Gen 3 ist kleiner, leichter und mit einem Anschaffungspreis von ca. 170 Euro – plus ca. 150 Euro jährlich für den "Basis Service" – deutlich günstiger als das DeLorme-Gerät, dafür ist es auch nicht so leistungsfähig. Erstens ist das zugrundeliegende Globalstar-Satellitennetz anders als das von DeLorme/Garmin benutzte Iridium nicht weltweit verfügbar, zweitens bietet das Spot 3 keinen aktiven Rückkanal und somit keine bidirektionale Kommunikation oder Sendebestätigung.

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Per Satellit hat man vermeindlich immer Empfang.

| © Fotolia

Notrufe sowie Textnachrichten mit den jeweiligen Positionsdaten oder vordefinierten Inhalten gehen zwar raus, was nach einer SOS-Meldung im internationalen GEOS-/IERCC-Rettungszentrum geschieht, weiß der Verunglückte bis zum Eintreffen der Retter jedoch nicht. Diese Einschränkung existiert bei DeLorme nicht, hier kann man mit der Rettungsleitstelle per Kurznachrichten in beiden Richtungen kommunizieren, beispielsweise über Art oder Schwere einer Verletzung.

Möglich ist darüber hinaus private Kommunikation, also mit den Liebsten daheim. Weil Garmin den Hersteller DeLorme erst in diesem Jahr übernommen hat, laufen die Infos zum Gerät und der Onlineshop noch über die englischsprachige US-Webseite. Im neuen Jahr will Garmin auch hierzulande den Vertrieb starten, außerdem ist für das zweite Quartal ein GPS-Gerät mit Notrufoption auf Iridium-Basis geplant.

In der Praxis hinterließ der inReach Explorer für rund 450 Euro einen ausgesprochen guten Eindruck. Das Gerät funktioniert praktisch überall auf der Welt, eine grüne bzw. rote LED informiert über den Verbindungsstatus zum Satelliten. Hinzu kommen einfache Navigationsmöglichkeiten, ein Kompass, das Senden und Empfangen von SMS und E-Mails sowie die Bluetooth-Kopplung mit dem Smartphone.

Ein kurzes Herstellervideo auf YouTube erläutert die Aktivierung und die grundlegenden Funktionen (tinyurl.com/gqxlhqh). Der inReach Explorer wiegt gut 190 Gramm und misst ohne Antenne 11,3 x 6,2 x 2,6 Zentimeter. Die interne Batterie hält knapp vier Tage. Damit die SOS-Funktion im Notfall zur Verfügung steht, sollte das Gerät auf einer mehrtägigen Tour also nicht ständig eingeschaltet sein.

Schließlich gilt bei DeLorme wie bei Spot, dass der Kommunikationsservice via Satellit Gebühren kostet – ähnlich wie beim normalen Handy-Vertrag. Die ersten zwölf Monate sind häufig im Kaufpreis enthalten, danach kostet der günstigste Vertrag ("Safety Plan") mit jährlich umgerechnet rund 152 Euro ähnlich viel wie bei Spot (Infos unter tinyurl.com/law8vax).

Nicht enthalten sind die Kosten für eine eventuelle Rettung, hier empfiehlt sich der Abschluss einer mit dem GEOS-Dienst kombinierten Versicherung für nur 18 US-Dollar pro Jahr. Damit sind Kosten bis zu 50 000 Dollar pro Einsatz abgedeckt (tinyurl.com/gugot53).

PLB: Personal Locator Beacons

In Deutschland jenseits von Luftfahrt und Wassersport bzw. Seefahrt noch kaum bekannt sind die Personal Locator Beacons (PLB) genannten Notrufmelder. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihr Einsatz hierzulande (noch) nicht erlaubt ist. In vielen anderen Ländern wie Österreich oder der Schweiz (hier eingeschränkt) sind sie dagegen gestattet.

Bei den PLBs handelt es sich um handliche Notrufsender, die zwischen 110 und 150 Gramm wiegen und in Größe und Form früheren Handys ähneln. Bis auf einen – gut gesicherten – SOS-Button, einen gelegentlich zu drückenden Batterietest und die sich beim Aktivieren automatisch öffnende Antenne gibt es keine Knöpfe oder Anzeigen. Im Innern sitzt ein GPS-Empfänger für die Bestimmung der Position, die über die internationale 406-MHz-Notfrequenz an zwei voneinander unabhängige Satellitensysteme gesendet wird.

Von dort geht es weiter an das nächste Mission Control Center (in Europa das MCC Toulouse) und weiter an die lokalen Rettungszentren. Selbst wenn die GPS-Lokalisierung fehlschlägt, lässt sich der Notrufsender über den ebenfalls automatisch aktivierten Peilsender auf 121,5 MHz per Doppler-Effekt beim Passieren der erdnahen Satelliten vergleichsweise genau orten – also geballte Technik auf kleinstem Raum!

Damit die Rettungskette aktiviert wird, muss das PLB nach dem Kauf registriert werden. Zuständig ist dafür in Deutschland die Bundesnetzagentur, die Registrierung auf Personen ist hier allerdings nicht möglich. In Österreich ist die Registrierung mit einmalig ca. 117 Euro und der zusätzlichen Frequenznutzungsgebühr von knapp 15 Euro pro Monat nicht ganz billig. Kostenlos ist die Registrierung bei der Transportbehörde in England (tinyurl.com/jtucaad), eine Übersicht über die PLB-Bestimmungen in anderen Ländern finden Sie hier: tinyurl.com/hdswolk

Fazit: Rettung zu moderaten Kosten

Entscheidet man sich für ein klassisches Satellitentelefon, bietet eines auf Low-Earth-Orbit-Technik (LEO) im Gebirge grundsätzliche Vorteile: also Globalstar oder Iridium. Auf dieser Basis arbeiten auch die kombinierten Tracker- bzw. Notfallsysteme von Garmin/DeLorme und Spot. Beide Systeme ziehen jährliche Servicegebühren von mindestens 150 Euro nach sich.

Für den absoluten Ernstfall kann man schließlich einen Personal Locator Beacon mitnehmen, der – kostenlos in England registriert – hoffentlich nie benötigt wird. Schließlich muss man das Satellitenequipment nicht unbedingt kaufen: Wer nur ab und zu in unbesiedelten Regionen unterwegs ist, kann sich ein Satellitentelefon auch mieten, zum Beispiel unter wespot.de oder expeditionstechnik.de 

Text von Peter Stelzel-Morawietz

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2 Kommentare

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TobiMuc

Wenn ich den PLB auf meine Person kostenlos in England registriere, keine weiteren Gebühren irgendwo zahle, bekomme ich dann auch Hilfe in den Alpen?

Beste Grüße Tobi (Paraglider)

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Sehr guter Artikel, wirklich. Wobei wir sagen würden, dass der Kostenfaktor bei einem Rettungssystem keine Rolle spielen sollte. Hoffentlich tritt so eine Situation auch nie auf, aber die PLP-Systeme oder das Spot Gen 3 sehen recht vertrauenswürdig aus