6462 Meter ragt der Hauptgipfel des Illimani-Massivs unweit von La Paz in den Himmel. Die Südwand des Gebirgstocks ist die höchste Eis- und Felsflanke Boliviens. Von Lionel Terray noch ehrfürchtig bewundert, konnte sie 1972 von zwei Franzosen erstmals durchstiegen werden. Jetzt konnten Robert Rauch und Florian Hill nicht nur auf einer neuen Route die Südwand meistern, sondern auch das gesamte Illimani-Massiv überschreiten.

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Der 25-jährige Tiroler Florian Hill und der Südamerika-Spezialist Robert Rauch (Mittenwald) hatten sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Nicht nur die Südwand des zweithöchsten Berges Boliviens auf einer neuen Route zu meistern, sondern auch das Illimani-Massiv zu überschreiten. Beide Vorhaben sind der deutsch-österreichischen Seilschaft nach einer intensiven dreimonatigen Vorbereitungsphase vor Ort binnen sechs Tagen geglückt.

Mythos Südwand

Trotz ihrer gewaltigen Ausmaße blieb die Südwand des Illimani lange Zeit bergsteigerisches Sperrgebiet. Die französische Bergsteigerlegende Lionel Terray gab 1952 nach einer Erkundung des Gebietes zu Protokoll, dass "derjenige, der die furchterregende und gewaltige Südwand des Illimani durchsteigt, erst noch geboren werden" müsse.

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1972, exakt 20 Jahre nach Terrays respektvoller Bemerkung, schafften zwei seiner Landsmänner, Alain Mesili und Xavier Jaquier, die Erstbegehung der Südwand. 2006 gelang es einem japanischen Spitzenbergsteigerteam, den Giri-Giri Boys, der Südwand drei äußerst schwierige Routen abzutrotzen. Keine dieser Erstbegehungen wurde bis dato wiederholt.

Die neue Route

Geschafft: Florian Hill auf dem Hauptgipfel des Illimani (Foto: F.Hill).

Nachdem ein erster Anlauf in der Südwand aufgrund extrem brüchigen, nicht kletterbaren Gesteins aufgegeben werden musste, entschieden sich Hill und Rauch für eine neue Anstiegsvariante weiter östlich. Über ein extrem steiles Eiscouloir gelangten die beiden Alpinisten unter einen gewaltigen Sérac. Von hier traversierten sie zu einer Eiswand, stets von Séracs in allen erdenklichen Größen bedroht. Nach einer weitern Eiswand und Querung biwakierten die beiden in einer Gletschermulde auf über 6000m Höhe.

Dünnes Eis, brüchiger Fels und spärliche Sicherungsmöglichkeiten hatten Hill und Rausch bis dahin nicht nur physisch gefordert. Nach einer kurzen Nacht bei Minus 27 Grad Celsius gelingt der Seilschaft schließlich der Durchstieg bis zum Hauptgipfel des Illimani. Neben dieser neue Route gelang den Alpinisten auch noch die Überschreitung des beinahe kompletten Massivs.

Glücklich, aber am Ende ihrer Kräfte kehrten Hill und Rauch nach sechs Tagen wieder ins Basislager zurück; der kompletten Neutour gaben sie den wohl passenden Namen: "Deliver me".

Quelle: Pressemitteilung Florian Hill / Marmot.de

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