Bergung, Rettung oder Blockierung - Die Berge können es in sich haben, gut wenn Hilfe kommt.

Jedes Jahr zieht es mehr Menschen raus in die Natur und in die Berge: Doch kennen sie ihr Risiko? Ein plötzlicher Wetterumschwung, ein falscher Tritt, fehlende Kondition – wenn der Hubschrauber fliegen muss, kann ein Rettungseinsatz schnell in die Tausende gehen.

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Damit nach der glücklichen Rettung nicht das böse Erwachen in Form einer Rechnung ins Haus flattert, ist es ratsam, sich abzusichern. Notfälle sind vielfältig: die Suche nach einem Vermissten, eventuell mit einer Hundestaffel. Die Rettung eines Verletzten, unter Umständen per Hubschrauber. 

Bergrettung, Versicherung, Kosten

Retter im Einsatz - doch wer zahlt am Ende?

| © picture alliance

Oder die Bergung eines Wanderers, der gestürzt ist. Für Versicherungen stellt sich dann die Frage nach der Art des Einsatzes und dem Ort des Unfalls.

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Bergung oder Rettung?

Die Begriffe sind nicht immer trennscharf und lassen sich teilweise schwer unterscheiden. Erleidet ein Wanderer bei einer Tour einen Herzinfarkt oder wird er von einem Steinschlag getroffen, benötigt er umgehend medizinische Hilfe. Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) übernehmen die Kosten für Rettungseinsätze, die medizinisch notwendig sind.

Eine Rettung, vor allem per Hubschrauber, wird dann übernommen, wenn ein andersartiger Transport den Zustand des Patienten gefährden würde", so Birgit Brümmel von der Stiftung Warentest.

Bergrettung, Versicherung, Kosten

Wenn der Heli abhebt wird es schnell teuer.

| © picture alliance/APA/picturedesk.com

Stürzt ein Wanderer einen Abhang hinab und bleibt liegen, muss er gerettet werden. Rettungseinsätze übernimmt in Deutschland die Krankenversicherung. Welche Leistungen (Hubschrauber, Notarzt und Rettungswagen) im Einzelnen von der Kasse übernommen werden, hängt jedoch von der medizinischen Notwendigkeit ab.

"Ist der Wanderer nicht so schwer verletzt und könnte mit dem Krankenwagen transportiert werden, wird es schwierig. Denn wenn der Heli nur zum Einsatz kommt, weil das alpine Gelände keine andere Möglichkeit zulässt, wäre das eigentlich eine Bergung", meint Brümmel. Und für Bergungsaktionen kommt die gesetzliche oder private Krankenversicherung in der Regel nicht auf.

Hier würde eine private Unfallversicherung greifen. Ohne die kann es schnell teuer werden: Die Flugminute kostet 40 bis 60 Euro! Je nach Tarif und Unternehmen übernehmen Unfallversicherungen die Kosten für kostspielige Bergungseinsätze. Auch bei vermuteten Unfällen, also wenn Wanderer vermisst gemeldet werden.

Und im Ausland?

Für die Versicherungen spielt auch der Unfallort eine wichtige Rolle. Innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz haben Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse Ansprüche auf Kostenübernahme bei einem Unfall. Jedoch richtet sich der Leistungsumfang nach dem jeweiligen Landesrecht.

Bergrettung, Versicherung, Kosten

Sicher am Berg: Welche Versicherung deckt welchen Notfall?

| © Simon Helle

Ein teilweise deutlicher Eigenanteil ist daher quasi vorprogrammiert. Außerhalb von Europa übernimmt nur eine private Auslandsreisekrankenversicherung die Kosten.

"Grundsätzlich empfiehlt sich für jeden, der regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, eine Absicherung durch eine private Auslandskrankenversicherung sowie durch eine Unfallversicherung mit Einschluss von Bergungskosten", so Harald Paschken, Versicherungsberater bei den NaturFreunden Deutschlands.

Eine private Auslandsreisekrankenversicherung deckt auch die medizinische Behandlung nach dem Unfall sowie einen Rücktransport ins Heimatland ab.

Schutz über den Verein?

Eine umfassende Absicherung bietet auch die Mitgliedschaft in einem der alpinen Vereine. Mitglieder des deutschen Alpenvereins (DAV) sind weltweit für Such-, Bergungs- und Rettungsaktionen während alpinistischer Aktivitäten bis 25 000 Euro abgesichert.

Während Bergekosten im Ausland auch mit einer Auslandsreisekrankenversicherung abgedeckt werden können, erstattet der Versicherungsträger des DAV auch die Bergekosten in Deutschland – und das sogar bei Fahrlässigkeit.

Ähnliche Konditionen bietet auch der österreichische Alpenverein (ÖAV) seinen Mitgliedern. Wer weniger an den Angeboten und Ermäßigungen der Vereine interessiert ist, sondern nur eine kostengünstige Bergekostenversicherung sucht, könnte auch eine Förder-Mitgliedschaft bei der Bergrettung Österreich eingehen, etwa über die Bergrettung Salzburg.

Sie kostet 24 Euro, schließt weltweit Boden- und Flugrettung bei Berg- und Wassersport bis 15 000 Euro ein und kann auch von Ausländern abgeschlossen werden.

Der Schweizer Alpenclub (SAC) bietet keine Unfallversicherung im Rahmen seiner Mitgliedschaft, gewährt jedoch Vergünstigungen für eine Gönnerschaft bei der schweizerischen Rettungsflugwacht (REGA). Eine Gönnerschaft bei der REGA ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer vollwertigen Versicherung und garantiert keine Rettungsflüge.

Sonderfall Blockierung

Allein in Bayern rückte die Bergwacht im vergangen Jahr 12 000 Mal aus. Tendenz steigend, meldet auch der deutsche Alpenverein, der seit 1952 jährlich die Zahl der gemeldeten Bergunfälle erhebt.

Die Gründe sind vielfältig: Es sind immer mehr aktive Bergsportler unterwegs, veränderte klimatische Bedingungen wie etwa vermehrter Steinschlag, eine erleichterte Alarmierung durch Mobiltelefone, aber auch immer mehr alpin Unerfahrene, die sich überschätzen, tragen zum Anstieg der Rettungseinsätze bei.

Ein rapider Anstieg von Notfällen ist vor allem bei sogenannten Blockierungen zu verzeichnen, also bei Rettungseinsätzen aus ausweglosen Situationen ohne Verletzung.

"Gerade in Zeiten von Notrufhandys und Hubschraubern trauen sich die Menschen oft mehr zu, als sie wirklich können", so Balthasar Laireiter von der Bergrettung Salzburg. "Wenn sie dann am Klettersteig weder vor noch zurück können, zücken sie ihr Handy und holen die Bergrettung."

Die Kosten für derartige Notfälle, die weder Unfall noch medizinischer Notfall sind, schließen aber nur die DAV-Versicherung und die Bergekostenversicherung der Bergrettung Österreich ein.

Wie man es auch dreht und wendet, wer regelmäßig in die Berge geht, tut gut daran sich abzusichern: mit guter Vorbereitung, adäquater Selbsteinschätzung, der Auswahl von Touren, die zum Leitungsniveau passen, und last but not least der nötigen Versicherung für den Fall der Fälle.

Text von Andrea Rudolf

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