Zwei Wintersportler aus Deutschland möchten juristisch gegen Kosten für Rettungseinsatz vorgehen.

Nach einer Tour auf den Grasberg Schönkahler (1688 m) im Tannheimer Tal waren zwei deutsche Schneeschuhwanderer am 03. Februar - bei dichtem Schneetreiben - in Bergnot geraten. Gegen Abend verständigten die beiden Wintersportler die Tiroler Bergrettung und baten um Hilfe. 

- Anzeige -

Findet deutliche Worte: Hermann Spiegel, der Landesleiter der Bergrettung Tirol.

| © Imago / Eibner Europa

"Wir erfuhren von den beiden telefonisch, dass sie völlig erschöpft seien, stark durchnässt und stark frieren, sie wussten nicht mehr vor noch zurück", so der Ortsstellenleiter der Bergrettung Tannheim, Reinhold Bilgeri, gegenüber krone.at. 

Da zu diesem Zeitpunkt Lawinenwarnstufe 3 herrschte und sich die beiden Deutschen in lawinenanfälligem Gelände aufhielten, wurden sie eindringlich aufgefordert am zuletzt georteten Standort auf das Eintreffen der Einsatzkräfte zu warten.

- Anzeige -

Daran hielten sich die Schneeschuhwanderer laut Bilgeri aber nicht. "Das war überhaupt nicht nachvollziehbar, denn sie waren ja völlig orientierungslos, durchnässt, entkräftet und hatten nur die Taschenlampe des Handys als Lichtquelle dabei", erinnert sich der Einsatzleiter, der mit insgesamt drei Trupps zu je fünf Bergrettern nach den Deutschen suchen lies. 

Gegen 21:00 Uhr stießen die Bergretter schließlich auf die beiden in Not geratenen Schneeschuhgeher. Nachdem diese mit warmen Getränken und trockener Kleidung versorgt worden waren, wurden sie über den Zugspitzblick sicher retour nach Schattwald gebracht. 

Der Einsatz sollte jedoch ein unerwartetes Nachspiel haben, denn die beiden Deutschen weigern sich, die Kosten für den Einsatz zu begleichen. Diese würden nach ihrer Ansicht mit 2261 Euro viel zu hoch ausfallen. Zwei Bergretter mit Taschenlampe hätten völlig ausgereicht, argumentiert einer der beiden Geretteten, seines Zeichens Rechtsanwalt, und droht der Bergrettung mit einer Klage. 

"Dass jetzt die Retter sogar mit einer Klage bedroht werden, geht gar nicht, dazu fehlt mir jegliches Verständnis", erklärt Anton Mattl, ÖVP-Landtagsvizepräsident und stellvertretender Leiter der Bergrettung Tirol. "Alle Bergretter in Tirol erfüllen ihre Aufgaben und Einsätze ehrenamtlich, also verdienen dabei keinen einzigen Cent an Gehalt." Die in Rechnung gestellten Kosten würden ausschließlich für Ausrüstung und Ausbildung verwendet. 

Und Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol, stellt unmissverständlich klar: "Jemand, der sich in einer alpinen Notlage befindet, hat nicht zu entscheiden, wie die Rettungsorganisation ihren Einsatz anlegt. Ich habe kein Problem mit leichtsinnigen Personen, die ihren Fehler einsehen und für den Einsatz geradestehen. Aber sich erst retten lassen und die Kosten dann auf eine dermaßen unsympathische Weise abzulehnen, dafür habe ich genau null Verständnis." 

Update vom 10.05.2019

Wie die Kronen Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 09.05. berichtet, soll der Anwalt die Rechnung inzwischen in voller Höhe beglichen haben. Die Bergrettung Tirol habe dies bestätigt.

- Anzeige -

20 Kommentare

Kommentar schreiben
Wolf

Anwalt und trotzdem blöd und geizig dazu. In der DAV - Mitgliedschaft ist eine Bergeversicherung incl. - oder ?
Zwei Dinge sind unendlich sagte schon Einstein: Das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ich mir bei ersterem nicht so sicher bin.

charlie

Und da wundert man sich noch, wenn "Piefkes" in Oesterreich nicht besonders beliebt sind?

Super Mario

Das ist für mich als Deutscher leider echt beschämend und traurig, wenn jemand Hilfe in Anspruch nimmt und anstatt sich zu bedanken beklagt, die Rechnung für die Nothilfe wäre zu groß. Vielleicht ist es das Beste, wenn der Fall öffentlich gemacht wird und die Kosten für die Rettung durch ein Gerichtsurteil bestätigt werden.

Dorissima99

Typische Schnäppchenmentalität - alles wollen und am besten alles zum Preis von 1.99. Sehr billig

t-kress

BUUUUUH!
Mehr sage ich dazu nicht.

kurt

Ich war fast 30 Jahre aktiver Bergretter, zwar nur im Mittelgebirge, aber mit viel Erfahrung im alpinen Bereich.
Es ist unglaublich was sich mancher Zeitgenosse erlaubt. Es gibt zwar auch immer wieder "schöne Erlebnisse", aber die Mehrzahl der Einsätze verläuft ohne Dank. Das erwartet Mann/Frau auch nicht, die Motivation ist eine andere. Ich kann nur alle aktiven Bergretter und Anwärter dazu ermutigen, den Job weiter zu machen und solche Dreistigkeiten zu ignorieren.
Für mich vollkommen unverständlich. Ich hoffe, die "Geretteten" sind sich mittlerweile bewusst, welche Lawine der Empörung sie losgetreten haben. Vielleicht ist noch ein Funke Anstand übrig geblieben ist, sich für ihre Unverschämtheit zu entschuldigen.

Matthias

Eine Frechheit von den Geretteten. Sollen die doch den Job übernehmen. Vor allem als Rechtsanwalt die doch jedes bisschen abrechnen. Kein Anstand und Ehre.

Thoni

Wenn es tatsächlich, nach Höhrensagen stimmt, dass einer der geretteten Schneeschuhgeher sogar Anwalt ist dann frage ich mich, wo dessen Rechts-empfinden angesiedelt ist.
Hoffentlich wird ihm seine Zulassung unverzüglich entzogen.

Ich schähme mich als Deutscher und bin erschüttert.

Eigentlich sollte sich sogar der Ministerpäsident des heimatlichen Bundeslandes dieser beiden Deppen sich hierfür offiziell entschuldigen.

IchSelbst

Was noch viel unverschämter ist: Jeder Bergretter arbeitet Ehrenamtlich, die Kosten decken Material und Schulung, dieser Herr sollte sich wirklich was schämen.
Meine erste Wahl wäre dieser Herr sicherlich nicht, wenn ich mal einen Anwalt bräuchte!

Mathias

So wie es geschildert wird ist das Verhalten natürlich eine Frechheit und die Geretteten sollen froh sein, dass der Heli nicht fliegen konnte - dann kämen noch ganz andere Kosten auf sie zu, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Man muss aber immer vorsichtig sein, manchmal ist die Sachlage hinter dem Bericht eben doch etwas anders. Jede Forderung, auch eine solche, ist natürlich jurisisch überprüfbar. Dazu müssen die Geretteten auch gar nicht selbst klagen - sie müssen nur nicht oder eben weniger zahlen, dann muss der Gläubiger tätig werden. Ganz sicher nicht bei der Tiroler Bergrettung, aber Abzocke mit Hilfsleistungen ist nicht ausgeschlossen - man denke nur an Schlüsselnotdienste.

Seite 1 / 2 Next