Drei Bayern auf Sinnsuche im Iran: Der eine will Frieden schließen mit seiner Vergangenheit, der andere zu körperlicher Höchstleistung zurückfinden, der dritte landläufige Vorurteile überprüfen. Ob ihnen das gelungen ist?

Unser Hotel liegt gleich gegenüber des Mehrabad International Airports. Nach einer kurzen, ersten Nacht erblicken wir vom 4. Stock aus die Mondlandschaft im Norden Teherans. Unten, auf den Straßendes 10-Millionen-Molochs, erwacht der Verkehr zum Leben. Ein tückisches Gewusel! Die Iraner, scheint es, fechten fahrend kleine Kämpfe aus. Ob wohl Vorfahrt eine Form von Freiheit bedeutet, fragen wir uns? Die Luft verdichtet sich schnell zu einem stinkenden Sirup. Sogar hier oben ätzt der Smog in der Nase.

- Anzeige -
© Andreas Jacob

Raus also, bloß raus aus dieser Stadt, wir werden sie noch früh genug erkunden. Doch ehe wir tief, tief in den Brunnen von Puria Ravahis Vergangenheit steigen, soll es hoch hinausgehen mit uns Dreien: auf 5671 Meter, auf den Gipfel des Damavand, seines Zeichens der höchste Berg Persiens. Dort hinauf geleiten wird uns Mohammad, ein drahtiges Männlein mit azurnen Augen, der uns samt Jeep am Hotel abholt und sich mit lebensmüder Lässigkeit einfädelt in das Teheransche Rallyegeschehen. Unsereins krallt sich in die abgewetzten Sitze – abwechselnd für die Mitreisenden und für die Unmengen teuren Equipments betend.

Drei Ziele, eine Reise

- Anzeige -

Was zur Hölle suchen drei Oberbayern zu diesen unruhigen Zeiten in einem Land, das der ehemalige US-Präsident George W. Bush auf seine berühmt-berüchtigte „Achse des Bösen“ pinnte? Ein Land, dessen Nuklearprogramm den Westen in Panik versetzt; ein selbsternannter Gottesstaat, im Namen Allahs.

Nun, da Papier bekanntlich geduldig ist, will einer von uns erkunden: Was ist dran an den Schreckensberichten aus diesem Land, das in einer fernen, glorreichen Vergangenheit zum Reich Alexanders des Großen gehörte? Wie geht es den Menschen? Wie leben sie? Wie denkt und fühlt die Bevölkerung wirklich? Zu ihr will der Fotograf Andreas Jacob auf Tuchfühlung gehen. Mit offener Linse und offenem Geist.

© Andreas Jacob

Für Puria Ravahi bedeutet unsere Reise eine Rückkehr. Seit 1980 in Bayern lebend, wurde der "Exiliraner" in Teheran geboren. Seine Mutter, ursprünglich eine Rosenheimerin, hatte Purias iranischstämmigen Vater als Au-pair-Mädchen in Paris kennengelernt. Der Mann studierte Maschinenbau in der Stadt der Liebe und die Romanze mündete in einer Hochzeit und in den Umzug nach Teheran – in den "Roaring Sixties" für eine deutsche Katholikin keine große Nummer. "Der Iran war ein offenes, gastfreundliches Land", sind sich Purias Eltern einig.

Schon 1970 kommt Sepideh auf die Welt, Purias Schwester, fünf Jahre später er selbst, der kleine Stammhalter. Die vier, erinnert sich Puria, führen ein friedliches und harmonisches Leben. Bis die islamische Revolution anrollt. Der Ajatollah Chomeini kehrt zurück, ruft die Islamische Republik aus und die Familie muss fliehen. Sie lässt sich in Rosenheim nieder, aus Puria wird, wie er es ausdrückt, der "bayerischste Perser der Welt". Heute, als anerkannter Filmemacher, ist für ihn die Zeit gekommen, seine Wurzeln zu erforschen.

© Andreas Jacob

Als dritter im Bunde will Thomas "Butchy" Buttchereit einen sportlichen Neuanfang wagen. Mein Gott, was haben der Pilot und sein Körper nicht schon geleistet? Als Teil eines Quartetts aus Abenteuersportlern hat er sich durch die halbe Welt gequält: Mit dem Bike bretterte er die Seidenstraße entlang von Indien über China nach Pakistan; er durchquerte, ebenfalls im Sattel, Äthiopien und Kirgistan; oder stapfte mit Skiern und Pulka (ein bootsähnlicher Schlitten) die Ostküste Grönlands hinauf. Was da an Adrenalin und Kalorien umgeschlagen wurde!

© Andreas Jacob

Bis die Prioritäten begannen, sich schleichend zu verschieben. Der Beruf forderte mehr und mehr Zeit und Konzentration ein, eine Frau trat in sein Leben, kurzum: Butchys gesamte Lebensstil änderte sich. Der Überflieger entdeckte den Reiz von Ruhe und Gemütlichkeit. Der Abenteurer ward zum Genießer; der Sportler wurde träge; sein Körper legte fünfzehn Kilo zu – jedoch nicht an Muskelmasse. Den höchsten Vulkan Persiens mit Tourenskiern zu bezwingen, soll Butchys furioses Comeback werden!

Ob es die drei Freunde bis auf den Gipfel des Mount Damavand schaffen, lesen Sie im zweiten Teil von "Inside Iran: Skitour in Persien".

Die 18-minütige Reportage "Inside Iran" von Puria Ravahi ist am 11. November im Rahmen des Mountainfilm Filmfestivals Graz zu sehen.

Mehr Infos zum Film: www.inside-iran.de

Mehr Infos zum Fotografen: www.andreas-jacob.com

Text von Christian Topel

- Anzeige -

0 Kommentare

Kommentar schreiben