Norwegen, das Land aus Wasser und Wald, aus Eis, Schnee und Fels. Das Land der bunten Holzhütten und Wohnmobile. Schöne Ziele gibt es dort zuhauf. ALPIN-Autorin Ute Watzl war mit ihren Kindern beim Gletscherwandern rund um den Sognefjord. - auf den Spuren von Wikingerjunge Wickie.

Norwegen, das Land aus Wasser und Wald, aus Eis, Schnee und Fels. Das Land der bunten Holzhütten und Wohnmobile. Norwegen stand schon lange auf dem Plan. Aber Norwegen ist auch groß und die Auswahl schöner Ziele riesig. Also folgte ich wieder meinem liebsten Motto: Klasse statt Masse. 

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Auf Wickies Spuren in Norwegen.

| © Ute Watzl

Die in den sozialen Medien allgegenwärtigen Preikestølen, Trolltunga oder Geirangerfjord reizten mich nicht. Die Wahl fiel auf die Gegend rund um den Sognefjord. Er hat all das, was Fjord-Norwegen ausmacht: schmale Fjorde, Fjelle, Gletscher und charmante Orte (gern mit ein bisschen Historie).

Ohne in Norwegen einmal einen der Gletscher aus der Nähe zu sehen, ist wie vorm Eiffelturm stehen zu bleiben und nicht hinaufzusteigen. Einmal über einen Gletscher zu wandern, war für meine Kinder das Mindeste in diesem Urlaub. Nördlich vom Sognefjord beginnen die Ausläufer des Jostedalbreen. Er ist der größte europäische Festlandgletscher und wie der Fjord diverse Seitenarme, so hat der Gletscher mehrere Auslassgletscher. Der Nigardsbreen ist einer von ihnen und zudem einer, der wirklich leicht erreichbar ist. Sogar für Kinder ist er – mit Bergführer – begehbar. Mehr als einen Spaziergang über den Gletscher erwartete ich aber nicht.

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Einmal über einen Gletscher: Das Mindeste für die Kinder unserer Bloggerin.

| © Ute Watzl

Der Tag startete allerdings im Kreis. Dem kleinen Motorboot, das uns vom Parkplatz über den Gletschersee bis zum Gletscherzustieg bringen sollte, war das Ruder verklemmt. Wir trieben einsam immer weiter auf den See, auf dem die Eisstücke um uns herum schwammen. Ich kämpfte vor den Kids um gute Laune, um sie nicht zu verunsichern. Wir konnten dann endlich auf ein anderes Boot wechseln und stiegen eine knappe Stunde zur Gletscherzunge hinauf.

Allein der Zustieg über die vom Eis glattgelutschten Felsen, war für die Kinder ein neues Erlebnis. Immer wieder mussten wir von Stein zu Stein, über Rinnsale hüpfen und eine Hängebrücke passieren. Oben angelangt, warteten Sherpas auf uns, die uns die Steigeisen anpassten. Juniors Füße waren zu klein dafür. Er bekam eine Art Mini-Grödel.

Rauf auf den Gletscher! Ein neues Erlebnis für die Kinder.

| © Ute Watzl

Der Nigardsbreen ist allerdings kein Ort der Einsamkeit. Hier sammeln sich etliche Touristen ohne Eiserfahrung, die einmal einen Gletscher aus der Nähe sehen möchten, und dazu Familien mit Kindern. Sie alle bekommen Steigeisen angeschnürt und werden miteinander angeseilt. Nein, nicht mit Gurt und Karabinern. Eine Schlaufe um jeden Bauch hat's auch getan. Am Ende formten wir eine Seilschaft von 20 mit kurzem Seil aneinandergeknoteten großen und kleinen Touristen. Abenteuerlich.

Weitere Impressionen von der Gletschertour in Norwegen in unserer Slideshow:

Über eingeschlagene Stufen und crashed Ice stiegen wir in Kolonne den Gletscher hinauf. Wir passierten tiefe Spalten, die in Fräuleins Lieblingsfarbe schimmerten. Das musste das Reich von Elsa, der Eiskönigin, sein. Schmale Brücken führten über tiefblaues Nichts, Junior klammerte sich fest an die Hand. Das Ganze muss man sich so vorstellen: Während der Vordermann vorwärtszieht, bleibt hinten gelegentlich jemand stehen und zieht von hinten. Das bringt die Kids schon mal aus der Ruhe. Rücksicht auf Vorder-und Hintermann ist dringend geboten.

Abenteuer auf dem Gletscher.

| © Ute Watzl

Am Ende bleibt das Erlebnis der besonderen Art, eine Stunde durch eine ziemlich kalte Welt spaziert zu sein, an Eiswänden vorbei, die die Kinder weit überragen. Zugegeben, in Patagonien habe ich spannendere Gletschertouren unternommen (die es hier in Norwegen natürlich auch gibt). Aber für die Kleinen bleibt der Nigardsbreen unvergesslich. Zurück über die schmirgelglatten Felsen hinunter am See, verlustierten sich die Kinder beim Sammeln von Eisstücken, die im See schwammen. Wann hat man so etwas schon einmal.

Informationen zur Tour

  • Dauer: Insgesamt ca. 3 Std. (1 Std. Zustieg, 1,5 Std. über den Gletscher, 0,5 Std. Abstieg) + Wartezeiten

  • Länge: Ca. 5 Kilometer

  • Höhenmeter: Ca. 200 Höhenmeter

Das Reich der Eiskönigin.

| © Ute Watzl

Gut zu wissen!

Geführte Familientouren auf dem Nigardsbreen findet Ihr zum Beispiel hier: Jostedalen Breførarlag AS, Tel.: +47/576/83 111, Mail: post@bfl.no

Der Campingplatz unserer Wahl lag im nahe gelegenen Örtchen Gjerde: Jostedal Camping, www.jostedalcamping.no (etwas feucht und matschig bei Regen, am Fluss). Nahe des Breheimcenter gibt es einen weiteren Campingplatz mit Hütten, bestimmt etwas trockener: Nigardsbreen Camping, +47 57 68 31 35, Mail: a_fossen@yahoo.com

Tipp der Autorin

Am Breheimcenter, dem Besucherzentrum des Jostedalen Nationalsparks, halten und von der Terrasse einen Blick zurück auf den Nigardsbreen werfen: www.jostedal.com/breheimsenteret.

© Ute Watzl

Als Thüringer "Zug’roaste" in München war Ute Watzl in ihrer neuen Heimat schnell der Faszination der Alpen erlegen. Auf ihrem Blog www.zwerg-am-berg.de schreibt die Journalistin und zweifache Mutter über alles, was mit Kindern in den Bergen Spaß macht: Wandern, Skitouren, Schneeschuhwandern, Klettern und Mountainbike – und bietet Motivationshilfen für bergbegeisterte Eltern.

Text von Ute Watzl

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