Einen der einfacheren Viertausender der Alpen erreicht man in einer herrlichen Zweitagestour: Zunächst geht es fast gemütlich aufs Rifugio Vittorio Emanuele, dann über Gletscher und einen Felsgrat zur Gipfelmadonna – Genuss überm Aostatal.

Auch ohne die magische Zahl Vier am Beginn der Gipfelhöhe wäre der Gran Paradiso ein fantastischer und für viele Bergsteiger begehrenswerter Berg im Herzen des gleichnamigen Nationalparks. Er ist es umso mehr, da es sich eben wirklich um einen Viertausender handelt. 

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Bei guter Sicht lassen sich die Spaltenzonen erkennen und umgehen. Am letzten Gletscheraufschwung bleibt man nah am Felsgrat.

| © Andrea und Andreas Strauß

Schon am Rifugio Vittorio Emanuele II., das man für Westalpenverhältnisse auf einem bequemen und kurzen Hüttenweg erreicht, fühlt man sich mitten im Hochtourenszenario. Da hängen die Seile zum Trocknen über der Veranda, Pickel und Steigeisen klimpern an so manchem Rucksack und die Luft ist auf 2700 Metern ebenfalls wunderbar frisch und ohne entsprechende Höhenanpassung auch bereits etwas dünn.

Anderntags geht es rasch auf den Gran-Paradiso-Gletscher. Auch hier gilt: Für Westalpengletscher mag er zahm sein, doch Spalten und steilere Stufen gibt es trotzdem. Ohne gute Steigeisentechnik und Erfahrung im Umgang mit dem Seil hat man hier nichts verloren.

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Wirklich wunderschön ist die kurze Kletterei über fotogene Felsblöcke am Gipfelgrat. Über die Schwierigkeit II kommt man nicht hinaus, doch die Ausgesetztheit, die Höhe, die bereits zurückgelegten Höhenmeter und auch die Rücksichtnahme auf andere Gipfelaspiranten fordern hier meist Geduld und Sicherheitsreserven. 

Cappuccino und Kuchen zur Belohnung.

| © Andrea und Andreas Strauß

Auf 4061 Metern ist die Madonnenstatue an jenem Gipfelblock erreicht, der üblicherweise bestiegen wird. Der Rundblick auf das Montblanc-Massiv und auf alles, was in den Westalpen Rang und Namen hat, sowie hinab auf die zerrissenen Gletscher tief unten sind die eine oder andere Schweißperle im Anstieg wert

ALPIN INFO & TOUR

Leicht, aber nicht harmlos

Der Gran Paradiso wird in der Literatur oft als leichtester Viertausender bezeichnet und konkurriert dabei mit Breithorn und Allalinhorn. Aber ganz so harmlos ist er nicht. Der Gletscher ist nicht spaltenfrei, die Blockkletterei (II) und die Querung am Gipfelgrat sind ausgesetzt. Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit sind also notwendig.

Gran Paradiso, 4061 m, Hochtour

Der Gran Paradiso im gleichnamigen Nationalpark gilt als einer der einfachsten Viertausender. Für den Einstieg in die Welt der hohen Westalpengipfel eignet er sich besonders.

  • Schwierigkeit: leicht

  • Dauer: 2 Tage

  • Höhenmeter: je 2100 Hm im Aufstieg und Abstieg

  • Beste Zeit: Juli bis September

  • Talort/Ausgangspunkt: Parkplatz in Pont am Ende der Straße ins Valsavarenche, 1960 m.

  • Info: Touristeninformation Aosta, I-11100 Aosta AO, Tel. 39 0165 236627, lovevda.it

  • Anreise: Über Mailand oder über das Wallis oder Zürich/Bern und den Großen St. Bernhard nach Aosta, von hier ins Valsavarenche bis zum Talschluss nach Pont.

  • Gehzeiten: Parkplatz Pont – Rifugio Vittorio Emanuele II. 2½ Std., Rifugio Vittorio Emanuele II. – Gletscherbeginn 1½ Std., Gletscherbeginn – Gran Paradiso 2¼ Std., Gran Paradiso – Rifugio Vittorio Emanuele II. 3¾ Std., Rifugio – Parkplatz Pont 2 Std.

  • Hütte: Rifugio Vittorio Emanuele II., 2735 m, CAI, bew. von Juni bis Mitte September, Tel. +39 0165 95920, rifugiovittorioemanuele.com

  • Bergführer: Società delle Guide Alpine del Gran Paradiso, Tel. +39 345 2106893, guidegranparadiso.com

  • Literatur: Gerd Klotz: Gran Paradiso, Gebietsführer für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer, Bergverlag Rother, 2013.

  • Karte: IGC-Karte, 1:25.000, Nr. 101, Gran Paradiso, La Grivola, Cogne.

  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung

Route: Vom Parkplatz in Pont (1960 m) auf markiertem Weg auf der Ostseite des Savara-Baches talein. Nach gut einem Kilometer zweigt man in die linke Flanke ab und kommt in Serpentinen hinauf zum Rifugio Vittorio Emanuele II. Von der Hütte steigt man auf einem Weg nach Nordosten auf ins Becken des Gran-Paradiso-Gletschers. Zu Beginn über Endmoränen in östlicher Richtung hinauf, dabei bleibt man bei Restschnee rechts des Bachs. (Später in der Saison links auf die Seitenmoräne und auf den Rücken Schiena d±Asino). Schließlich betritt man den Gletscher (bis zum Gletscherbeginn markiert und Steinmänner). 

Über einige Stufen steigt man den spaltigen Gletscher auf in das Becken, das von der Becca di Moncorve zur Rechten und dem Gran Paradiso zur Linken gebildet wird. Hier wendet man sich nach Nordosten und steuert auf den felsigen Gipfelaufbau des Gran Paradiso zu. Eine kurze Kletterei über Blöcke (II) führt hinauf zur Madonna am Gipfel. Der Abstieg erfolgt auf dem Aufstiegsweg.

Text von Andrea und Andreas Strauß

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