Um Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben, ruft ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis zum weltweiten Klimastreik am 20. September auf. Warum unser Online-Chef dabei ist.

Grund, am menschengemachten Klimawandel zu zweifeln, gibt es keinen. Die AfD, die sich als parlamentarischer Arm der Klimawandel-Skeptiker generiert, hat unlängst eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, in der die Partei bezweifelt, dass 97 Prozent der Wissenschaftler von einem menschengemachten Klimawandel ausgehen. Diese Zahl wird seit Jahren immer wieder in der Politik und in den Medien zitiert.

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Und wahrhaftig: Die Zahl ist falsch! Es sind über 99 Prozent. In der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage Ende August wird auf eine Metastudie verwiesen, in der "54.195 durch Fachkollegen geprüfte wissenschaftliche Artikel aus dem Zeitraum von 1991 bis 2015 (untersucht wurden, d. Red.). Davon bejahen im Durchschnitt 99,94 Prozent den menschengemachten Klimawandel."

In den Alpen sind die Folgen des Klimawandels schon jetzt unübersehbar: Einst in Eis und Schnee verlaufende Hochtouren werden mehr und mehr zu steinschlaggefährdeten Unternehmungen, da der Geröll und Fels zusammenhaltende Permafrost auftaut. Bergstürze und Schlammlawinen häufen sich. Skifahren ist in mittleren Lagen viele Tage des Winters nur noch durch massiven Einsatz von Schneekanonen möglich. Die Tier- und Pflanzenwelt verändert sich gravierend. Und die Gletscher schmelzen in unfassbar großer und trauriger Geschwindigkeit. Aus weißen Majestäten werden graue Riesen.

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Auch wenn dies für uns Bergsteiger erstens gefährlich und zweitens ästhetisch alles andere als schön ist, sind die Auswirkungen des Klimawandels in anderen Teilen der Welt weit gravierender.

Wird bei der Erderwärmung das im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossene 1,5-Grad-Ziel verfehlt, werden je nach Größenordnung der tatsächlichen Erwärmung düstere und düsterste Zukunftsszenarien Realität. Wetterextreme, Hitzewellen und Überschwemmungen werden weltweit zunehmen, wichtige Ökosysteme zusammenbrechen, Gegenden der Welt unbewohnbar, Trinkwasser knapp werden. Hungerkatastrophen, Verteilungskriege und hunderte Millionen Klima-Vertriebene wären die Folgen.

Am 20. September beim Klimastreik dabei: Ronja, Holger und Rio.

Mein Sohn Rio ist sechs, meine Tochter Ronja acht Jahre alt. Ich möchte nicht, dass Rio und Ronja in so einer Welt leben müssen. Ich möchte selbst nicht in so einer Welt leben. Ich möchte nicht, dass irgendjemand in so einer Welt leben muss.

Derzeit gibt es wenig Hoffnung, dass das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann. Jede/r ist gefordert, das in seiner Macht stehende zu tun, um die Klimakatastrophe abzuwenden.

Wir sind alle keine Heiligen und es geht nicht darum, alles richtig zu machen. Aber wir alle können unseren Beitrag leisten und mehr tun, als wir es bislang getan haben. Wir können weniger oder gar nicht fliegen, weniger oder gar kein Fleisch essen, weniger oder gar nicht mehr Auto fahren, weniger Strom verbrauchen und weniger konsumieren und das Bio und regional.

Auch viele Unternehmen der Bergsport-Industrie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Bei Mammut kann man Produkte reparieren lassen, bei Schöffel Kleidung kaufen, die aus Kaffee hergestellt ist, bei Patagonia Artikel aus recyceltem Polyester, der DAV-Summit Club will alle Flugreisen CO2-kompensieren, bei Vaude lässt sich Ausrüstung leihen statt kaufen ... Die Liste mit positiven Beispielen ließe sich nahezu endlos fortführen (mehr alpin.de/nachhaltigkeit).

© Picture Alliance

ABER: An den wichtigsten Stellschrauben müssen die politisch Verantwortlichen drehen! Die Entscheiderinnen und Entscheider in Berlin und den anderen Regierungssitzen dieser Welt sind aufgefordert, aus dem Denken in Legislaturperioden auszubrechen und Maßnahmen zu ergreifen, die weiter gehen als die bisher in der Diskussion stehenden. Maßnahmen, die Wählerstimmen kosten könnten, weil sie denjenigen weh tun, die immer noch glauben, es sei ein Ausdruck von Freiheit und sie hätten ein Recht darauf, alles machen zu dürfen, was sie wollen, egal wie sehr es der Umwelt und den Lebenschancen dieser und zukünftiger Generationen schadet.

Am 20. September tagt in Berlin das Klimakabinett der Bundesregierung, um ein Klimaschutzgesetz zu verabschieden. Und von 21. bis 23. September findet in New York City der UN-Klimagipfel statt. Wichtige Tage für den Klimaschutz.

Um Druck auf die Akteure auszuüben, ruft ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Wohlfahrts-, Umwelt-, und Entwicklungsverbänden, Kirchen, Klimaschutzaktivisten, Vereinen, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen zum weltweiten Klimastreik am 20. September auf. 

Auch Unternehmen der Bergsport-Industrie beteiligen sich. Der Snowboardhersteller Burton schließt Büros und Geschäfte 20. September, damit Mitarbeiter an Demonstrationen teilnehmen können. Zusätzlich werden an diesem Tag keine Bestellungen auf der Webseite entgegengenommen. Stattdessen leitet man Internet-Besucher auf die Global Climate Strike Homepage weiter. 

Auch Haglöfs Mitarbeiter werden von Seiten ihres Arbeitgebers dazu aufgerufen, am Streik teilzunehmen. Deshalb wird das Unternehmen seine Retail Stores am 20. September während des Streiks schließen.

Ähnlich bei Patagonia: In allen europäischen Büros und Filialen des Herstellers können sich Mitarbeiter in ihrer regulären Arbeitszeit an den Kundgebungen beteiligen.

Ryan Gellert, Patagonias General Manager, EMEA, sagt: "Als globales Unternehmen werden wir unsere Geschäfte schließen, um mit den Jugendaktivisten zu streiken und Regierungen zum Handeln aufzufordern. Wir laden alle, die sich um das Schicksal unseres Planeten und der Menschheit kümmern, ein, aktiv zu werden und sich uns anzuschließen."

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Vaude nehmen am globalen Klimastreik teil und sind am 20. September bei der Demonstration in Friedrichshafen dabei.

Wo überall in Deutschland Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden, erfahrt Ihr unter: www.klima-streik.org.

Rio und Ronja und ihren Papa trefft Ihr am 20. September ab 12:05 Uhr bei der Kundgebung an der Lorenzkirche in Nürnberg.

Text von Holger Rupprecht

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4 Kommentare

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Holger

@Julian: Öko-Diktatur ist in meinen Augen ein inhaltsleerer Kampfbegriff derjenigen, die sich nicht im geringsten einschränken wollen und glauben es stünde ihnen zu, auf Kosten der Umwelt und der Lebenschancen anderer Menschen so weitermachen zu können, als gäbe es die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht. Und die sind eindeutig: Ein "weiter so" darf es nicht geben!

Julian

Es tut mir leid aber ihr werdet euch alle noch wünschen dass diese Demonstrationen nur stattgefunden hätten und die eigene Beteiligung daran verfluchen. Was jetzt noch als kleine Einschränkung verkauft wird (etwas weniger Auto fahren) wird sich bald als Öko Diktatur herausstellen. Insbesondere als Bergsteiger sollte man ein Interesse daran haben dass die individuelle Mobilität nicht zum regulierten Luxus wird sonst ist Ende mit dem Hobby. Außer man zieht mitten in die Berge aber dann hat man das Problem nicht, kommt aber nicht mehr zu seinem Job da, wie vorhin schon gesagt, individuelle Mobilität ein Luxus ist. Klar, den Hipster aus der Großstadt stört das nicht, der spielt in der U-Bahn weiter mit seinem iPhone...
Viel Spaß in der schönen neuen Welt

kettcar

Guter Artikel.

Reinhold

Schön geschrieben! Schön, das ihr Stellung bezieht. Ich bin am Königsplatz in München dabei.