Klare Wintertage sind für Alpinisten eine Wonne: klirrend kalte Luft, blauer Himmel und glitzernde Schneekristalle, die auseinander stieben, sobald man nur hineinpustet.

Vielen Sportlern verschlägt es allerdings den Atem bei so viel kalter Luft. Anderen läuft ständig die Nase oder sie kämpfen mit permanent trockener Haut. Richtig unangenehme Erinnerungen an kalte Wintertage sind Frostbeulen und Erfrierungen.

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Gut eingepackt: Tamara Lunger und Simone Moro während ihrer gemeinsamen Sibirien-Expedition 2018.

| © The North Face

Aber kein Grund, Stubenhocker zu werden. Denn Wintersport ist für den gesamten Organismus und vor allem für die Seele ein wahrer Frischekick. Vorausgesetzt, man schützt seinen Körper richtig.

Wärmeverlust stoppen

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Das oberste Ziel muss es sein, den Wärmeverlust zu stoppen. Bei Kälte verliert der Körper über die Haut und die Atemluft Wärme. Wind bläst die warme Lufthülle weg, die unseren Körper normalerweise umgibt. Enge, feuchte Kleidung tut ein Übriges: Sie verhindert eine gute Durchblutung und durch Verdunstung verliert der Körper zusätzlich Wärme. 

Solange man sich bewegt, stört dies alles wenig, denn solange ist die Temperatur gut regelt. Bei einer Pause, der Rast auf windigem Gipfel oder der anschließenden Abfahrt kriecht die Kälte aber schnell in die Glieder.

Daher ist es wichtig, atmungsaktive, winddichte und trockene Kleidung im Zwiebelschalenprinzip übereinander zu ziehen. Feuchte Kleidung sofort wechseln. Fäustlinge statt Fingerhandschuhe, Sturmhaube statt Mütze können zusätzlich Auskühlen und Erfrierungen verhindern.

Energie schnell nachladen

Vollwertige, gesunde Ernährung und heiße Getränke produzieren Wärme. Lädt man unterwegs zu wenig Energie nach, kann ein Erschöpfungszustand auftreten. Der kann zu Unterkühlung führen – ein lebensbedrohlicher Zustand.

Das Wissen um all diese Faktoren und beste Ausrüstung nützen allerdings nur, wenn der Sportler auch vernünftig und vorausschauend handelt und die alpinen Gefahren richtig einschätzt.

Was ist eine Erfrierung?

Nachlässigkeit kann in der winterlichen Bergwelt schnell zu Erfrierungen führen. Schon auf einer Skitour bei geringen Minusgraden oder beim Anstehen am Lift kann Kälte die Durchblutung massiv stören. Extrazelluläres Wasser gefriert und Gewebe wird zerstört. 

Besonders häufig trifft es Finger, Zehen, Nase, Ohren und Wangen. Sie verfärben sich, schwellen an, bilden Blasen und bluten. Örtliche Erfrierungen führen zu so genannten Frostbeulen oder sogar zum Absterben ganzer Körperteile.

Ohne Folgen sind die nur vorübergehenden Kältereaktionen der Haut. Wenn sich ihre Gefäße zusammen ziehen, sie blass und kühl wird, gelangt weniger Sauerstoff in das Gewebe. Wärme kurbelt die Durchblutung wieder an. Das ist schmerzhaft, aber harmlos. 

Übrigens: Der Grog an der Schneebar vertreibt nur scheinbar die Kälte aus den Gliedern. Denn Alkohol erweitert die Gefäße, sie strahlen dann mehr Wärme ab. Außerdem ignoriert man leicht betüddelt sehr schnell die Warnhinweise einer auftretenden Erfrierung: Kribbeln in den Fingern, Zehen oder der Nase.

Man unterscheidet bei Erfrierungen drei Grade

  • Grad I: Hautpartie oder Gliedmaß sind kalt und blass mit stechenden Schmerzen, die weißen, gefühllosen Partien verfärben sich in den nächsten Tagen bräunlich, es können auch Blasen auftreten. Keine Spätfolgen.

  • Grad II: Erst nach Wiedererwärmung erkennbar: Rötung, Schwellung, Blasenbildung – klare Flüssigkeit bedeutet schnelle Heilung, blutige Flüssigkeit bedeutet langwieriger Heilungsprozess. Platzen die Blasen auf, besteht die Gefahr einer Infektion. Unbedingt zum Arzt!

  • Grad III: Betroffene Areale sind auch nach dem Auftauen völlig gefühllos. Das Ausmaß lässt sich aber erst nach Wochen feststellen. Gewebe stirbt ab, was sich durch schwarze, eingetrocknete Haut bemerkbar macht. Dringend zum Arzt.

Kalte Luft: Stress für die Haut

Auch unsere Haut leidet unter der Kälte. Im Winter sind Gesicht und Hände ständigen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Drinnen geheizt, draußen kalt und trocken. Schon ab acht Grad Celsius fährt unsere Haut die Fettproduktion herunter. 

Damit ist sie nicht nur der Witterung schutzlos ausgeliefert, sie gibt auch ihre Immunabwehr auf. Fatal. Denn gerade im Winter prasseln ständig Krankheitserreger auf uns ein, von denen ein großer Teil normalerweise an der Schutzbarriere "Haut" scheitert.

Dazu kommt noch die Sonneneinstrahlung. Zwar steht die Sonne im Winter tief und ihre Kraft ist deutlich geringer als im Sommer, doch Schnee- und Höhenlage verstärken ihre Wirkung: Pro 1000 Höhenmeter verstärkt sich die Sonneneinstrahlung um 20 Prozent! Daher gilt: Immer nur gut geschmiert in den Schnee.

Hoher Lichtschutzfaktor ist ebenso wichtig wie der Fettgehalt. Nur er schützt die Haut vor Kälte.

| © Picture Alliance

Sonnenschutzprodukte sollten einen hohen Fettgehalt haben und möglichst wasserfrei sein. Dann schützen sie vor Sonne und vor Kälte. Das Fett wirkt wie eine Barriere und verhindert, dass die trockene, kalte Winterluft der Haut Feuchtigkeit entzieht. Außerdem kann die Feuchtigkeit in Cremes zu örtlichen Erfrierungen führen.

Ganz wichtig: Lippen nicht vergessen. Sie produzieren selbst gar kein Fett und haben keine Pigmente. Werden sie nicht gepflegt, reagieren sie empfindlich. Ein Lippenbalsam muss einen hohen Sonnenschutzfaktor haben. Immer noch bewährt ist Zinksalbe.

Weitere Kälteschäden

Erfrierung zweiten Grades an den Händen.

Raynaud Syndrom

Komplett weißgefärbte Finger mit Taubheitsgefühl, die beim Aufwärmen heftig pochen und schmerzen. Tritt aber nicht nur bei extremer Kälte auf, sondern auch bei emotionaler Belastung, kann auch hormonell bedingt sein. Im Winter immer Handschuhe tragen. Auch Kalzium kann helfen.

Nasenbluten

Tritt beim Training bei niedrigen Temperaturen auf, verursacht durch trockene, kalte Luft, Nasenschleimhäute trocknen aus. Eine spezielle Nasensalbe schafft Abhilfe.

Belastungsasthma

Einatmen kalter, trockener Luft kann zu einer allergischen Reaktion führen, dem Belastungsasthma (Anstrengungsasthma). Ein intensives Aufwärmtraining kann die Symptome lindern, ansonsten sollte man Sport bei entsprechenden Außentemperaturen vermeiden. Ausdauertraining kann die Belastungsschwelle allerdings auch erhöhen.

Frostbeulen

Entstehen auch schon bei geringer Kälte an allen exponierten Körperteilen oder auch den Wangen. Rundliche, teigige, blaugefärbte Schwellung, die beim Erwärmen juckt und brennt. Können noch jahrelang empfindlich und schmerzhaft auf Temperaturschwankungen reagieren. Zu enge Schuhe verhindern eine ausreichende Durchblutung und sind oft Mitursache für Frostbeulen.

Text von Silke Meusel

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