Das Zwiebelprinzip ist nichts Neues. Aber es ist genial. Es funktioniert - oder auch nicht. Denn ein kleiner Fehler, und das ganze System versagt. Wir sagen Ihnen, was Sie tun sollen, wenn Sie im Winter funktionell angezogen sein wollen.

Schale für Schale: Das Zwiebelpinzip.
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Das Zwiebelprinzip ist recht einfach und dank dem Vorbild aus der Natur auch ganz gut vorstellbar. Eine Schicht liegt über der anderen. Aber die Schichten müssen miteinander funktionieren. Man darf die Zwiebel nicht durchbrechen. Um das Zwiebelsystem nicht zu unterbrechen, muss man die Funktionsweise verstehen.

Funktionswäsche hat die Eigenschaft, Feuchtigkeit von innen (der Haut) nach außen (der Umgebung) abzuleiten und, je nach Bekleidung und Außentemperatur, körpernah zu verdunsten. Feuchtigkeit entsteht immer, wenn wir uns bewegen, auch wenn es kalt ist. Je intensiver die Bewegung, desto mehr Feuchtigkeit (Schweiß) fällt an.

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Das Zwiebelprinzip klick für klick. Am besten leiten Kunstfasermaterialien Feuchtigkeit weiter weil sie selber kaum Feuchtigkeit speichern können. Zieht man nun mehrere Schichten übereinander, müssen die aufeinander abgestimmt sein, damit das System weiterhin funktioniert.

1. Lage: Unterwäsche.

1. Lage: Unterwäsche

Die erste Lage der Zwiebel ist die Unterwäsche. Sie muss auf der Haut getragen werden. Denn schon hier kann man fatale Fehler machen. Damen tragen gerne Baumwollhemdchen mit Spaghettiträgern als unterste Lage. Ein NoGo, wenn man ein funktionierendes System haben möchte. Wer sehr wenig schwitzt, kann auch ein Merino-Shirt anziehen (Wolle).

Aber für ein gut funktionierendes Zwiebelprinzip ist das nicht sehr sinnvoll, weil Wolle zu viel Feuchtigkeit speichert. Ein Funktionshemd, am besten aus Polyester, erzielt die besten physiologischen Werte. Neben dem Material ist hier die Passform wichtig. Ein weites, schlabbriges Hemd bringt nichts. Das Funktionsshirt muss eng anliegen.

Und wo wir dabei sind: Auch die Unterhosen gehören zur ersten Lage. Und wie oft sind die noch aus Baumwolle. Im Winter auf Skitour eine feucht oder mindestens klamme Unterhose am Steiß ist alles andere als angenehm. Auch hier schafft Funktionswäsche Abhilfe.

2. Lage: Isolierschicht

2. Lage: Isolierschicht.

Diese Lage sorgt für den Wärmerückhalt. Sie heißt zwar zweite Lage, kann aber durchaus aus mehreren Schichten bestehen. Die zweite Lage können auch zwei dünne Fleecepullover übereinander sein. Bei falschen Materialien ist die zweite Lage ein wahrer Feuchtigkeitspuffer.

Wer einen Baumwoll- Sweater anzieht und ordentlich Dampf ablässt, wird nach ein paar Stunden eine doppelt so schwere zweite Lage ausziehen, wie er angezogen hat. Auch Merino-Lagen sind wieder nur begrenzt geeignet, auch diesmal wegen des hohen Feuchtigkeitspuffers.

Gut geeignet sind auch hier Bekleidungsstücke aus Kunstfaser. Luftige und leichte Fleecelagen sind universell einsetzbar und tragen sich angenehm. Unter einer anderen Lage getragen, bringen sie viel Wärme.

Das Zwiebelprinzip klick für klick. Im Normalfall ist die zweite Lage aber nicht winddicht und natürlich auch nicht wasserdicht oder wasserabweisend. Das würde den Durchgang von Wasserdampf massiv erschweren. Das ist auch der Grund, warum man die leichten Kunstfaserjacken aus Primaloft oder ähnlichen Materialien nicht als zweite Lage trägt, wenn man sich bewegt. Sowohl die Wattierung als auch die beiden Lagen winddichten Materials (Futter und Außenstoff) dieser Jacken blockieren jeden Durchgang von Dampf.

3. Lage: Wetterschutz.

3. Lage: Wetterschutz

Die dritte Lage schützt vor der Witterung. Hier gilt es, Wind und Wasser abzuhalten. Je nach Einsatzzweck muss die dritte Lage auch sehr robust und reißfest sein.

Was die Hersteller uns hier in den letzten 15 Jahren präsentiert haben, ist schon toll. Atmungsaktive Membranen gab es schon vorher, aber die waren oft sehr steif und vor allem schwer. Heute bekommt man eine komplett wasserdichte Jacke mit einem ordentlichen Maß an Wasserdampfdurchgang mit einem Gewicht von unter 300 Gramm.

Die dritte Lage kommt zum Einsatz, wenn es sehr windig ist und vor allem, um sich vor Feuchtigkeit schützen. Man sollte nur immer im Hinterkopf haben: Es handelt sich hier um eine Wetterschutzlage. Ist das Wetter so, dass man ohne diese Lage auskommt, darf man die auch ausziehen. Allzu häufig sieht man in den Bergen noch Leute, die fast einen Hitzestau bekommen, aber x Lagen übereinander tragen. Das ist nicht der Sinn des Zwiebelprinzips. Man muss nicht immer alle drei Lagen anhaben.

Das Zwiebelprinzip klick für klick. Text: Olaf Perwitzschky Fotos: Birgit Gelder