Stürze in Gletscherspalten kommen selten vor. Trotzdem begeht man verschneite Gletscher angeseilt. Wenn es zu einem Spaltensturz kommt, ist guter Rat teuer. Wohl dem, der die Selbstrettung beherrscht.

Voraussetzung für die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte ist, dass der Gestürzte bei Bewusstsein und handlungsfähig ist.

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Kein Hexenwerk: Selbstrettung aus einer Gletscherspalte.

| © Wölki

Besonders der Führende einer Seilschaft sollte Selbstrettungstechniken anwenden können. Dafür empfiehlt sich ein "Trockentraining" an Bäumen oder in der Kletterhalle um im Notfall fit zu sein.

Standardausrüstung

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  • 2 Reepschnüre mit ca. 3,5 m Länge, Ø ca. 5 mm (ca. ½ Durchmessers des Seils, an dem man aufgesteigt) aus Polyamid, Kevlar oder Dyneema (steifere Reepschnüre erfordern mehrere Umwicklungen ums Seil, um gut zu klemmen)

  • oder 2 vernähte Bandschlingen aus Dyneema mit 120 mm oder 120 mm und 180 mm Länge für die Steigschlinge, Breite ca. 8 mm

  • 1 Karabiner mit Verschlusssicherung für die Fixierung der Selbstsicherungsschlinge am Klettergurt

Klemmknoten-Methode

Die bekannteste Selbstrettungstechnik beim freien Hängen im Seil ist der Aufstieg mit Klemmknoten (Prusikknoten oder Bandklemmknoten).

Der Aufstieg am Seil erfolgt mittels Reepschnüren oder Bandschlingen. Das Set-up ist auf den Umbau auf einen Selbstflaschenzug ausgelegt.

| © Sojer

Eine Reepschnur- oder vernähte Bandschlinge (Selbstsicherungsschlinge) wird mittels dieser Klemmknoten ins Seil geknüpft, auf Armlänge mittels Sackstich oder Achter abgeknotet und mittels Karabiner mit Sicherung in die Anseilschlaufe des Klettergurtes eingehängt.

Eine zweite Reepschnur- oder Bandschlinge (Steigschlinge) wird mittels Klemmknoten unter der ersten ins Seil geknüpft und falls nötig auf eine effektive Länge abgeknotet, die einen möglichst großen Hub ermöglicht (mit gebeugtem Bein sollte man gerade noch hineinsteigen können).

Die Effektivität bzw. der Höhengewinn pro Hub hängt dabei sehr stark von den optimierten Längen der beiden Schlingen ab. Durch das Durchstrecken eines Beines in der Steigschlinge wird der Hub ausgeführt, wobei man sich mit den Händen am Seil festhält.

Dadurch wird die Selbstsicherungsschlinge entlastet. Nach dem Hub wird die Selbstsicherungsschlinge mit einer Hand maximal nach oben geschoben und wieder belastet. Nun erfolgen das Höherschieben der Steigschlinge und der nächste Hub.

Selbstflaschenzug

Eine Selbstrettungstechnik, die auf dem Prinzip des Flaschenzugs mit Rücklaufsperre basiert. Ausgangssituation ist das Prusiken mit Selbstsicherungsschlinge und Steigschlinge.

Der Selbstflaschenzug ist mit etwas Übung in wenigen Minuten installiert.

| © Sojer

Zusätzlich wird die armlange Selbstsicherungsschlinge möglichst kurz hinter dem ins Seil geknüpften Klemmknoten abgeknotet und in die dabei entstehende Seilschlinge ein Karabiner geklinkt. Nun wird so lange am Seil aufgestiegen, bis das Seil, an dem der Gestürzte im Anseilgurt hängt, entlastet ist.

Nun wird das entlastete Seil im Idealfall mit einer Seilklemme und einem Karabiner mit Verschlusssicherung in die Anseilschlaufe des Gurtes eingeklinkt. Das lose Seilende (Zugseil) wird in den Karabiner der Selbstsicherungsschlinge eingeklinkt und fertig ist ein einfacher Flaschenzug.

Durch Zug des Seils nach unten und gleichzeitiges Vor- bzw. Hochschieben der Hüfte erfolgt der Höhengewinn, der durch die Rücklaufsperre fixiert wird. Die Steigschlinge unter der Selbstsicherungsschlinge kann nun entfernt werden.

Zur Erleichterung des Höhersteigens, bei dem man bei jedem Hub nur einen halben Höhengewinn macht, kann man eine Steigschlinge mit Klemmknoten oder Tibloc in das Zugseil knüpfen und nach jedem Hub nach oben schieben.

Bei scharfwinkligem Spaltenrand oder wenn sich das Seil in den Schnee des Spaltenrands einschneidet, ist das Höherschieben der Klemmknoten schwierig oder unmöglich.

Hier bietet der Selbstflaschenzug Vorteile, da man sich durch die fast horizontale Körperposition besser gegen den Spaltenrand stemmen kann und so das eingeschnittene Seil besser frei bekommt.

Wichtig bei der Rettung

  • Die Techniken funktionieren mit Reepschnüren und mit vernähten Bandschlingen mit Prusik bzw. mit Kreuzklemmknoten.

  • Bei der Verwendung von Reepschnurschlingen kann auf einen Karabiner mit Verschlusssicherung verzichtet werden, wenn die Selbstsicherungsschlinge direkt in die Anseilschlaufe geknotet wird.

  • Als Steigschlinge bei großen Personen kann eine vernähte Schlinge mit 180 mm Länge evtl. vorteilhaft sein (wahlweise 1 x 60 mm und 1 x 120 mm mit Sackstich verbinden).

  • Hochfeste vernähte Bandschlingen können auf Hochtouren vielseitiger eingesetzt werden (T-Anker, Köpflschlinge).

  • Beim Selbstflaschenzug kann eine in den Umlenkkarabiner eingehängte Seilrolle, durch die das Zugseil geführt wird, die Effizienz zusätzlich erhöhen.

  • Die verschiedenen Vor- und Nachteile der Seilklemmen, Klemmknoten, Schlingen, Klemmen und Karabiner sollte man an verschiedenen Seildurchmessern ausprobieren und üben.

  • Die Überwindung von Bremsknoten (Zweierseilschaft) ist komplizierter und muss möglichst gesondert geübt werden.

Text von Andreas Wölki

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8 Kommentare

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Ralf

Bandschlingen lieber 10x so lang nehmen, z.B. 120 cm statt 120 mm.

dreamingof8a

Sehr empfehlenswerter Artikel: bergundsteigen.at/file.php/archiv/2013/4/58-65%20%28spaltenrettung%29.pdf

Nicht immer ist die Lehrmeinung auch die einzige richtige/praktikabel.

Andreas Gutting auf Facebook

Die Prusiktechnik hat man früher in jedem Kletterkurs gelernt. Sehr zu empfehlen! Ich hab übrigens ( so mit 15 ??) an der elterlichen Hauswand geübt - Kletterhallen gab's noch nicht... Das ging auch
Ist auf alle Fälle lohnend und mit wenig Aufwand durchzuführen....

Felix2312

Mammut RescYou ist für diesen Fall top! Ist zwar bissal schwerer als die Reepschnur, aber im Ernstfall bin ich mit dem Hilfsmittel sehr schnell und ohne großen Kraftaufwand wieder allein herausen oder kann jmd der bewusstlos und deutlich schwerer ist wieder hochziehen. Und den größten Vorteil: das Ding kann ich mit Handschuhen aufbauen, selbst unter größtem Stress.

Folkert Lenz auf Facebook

Nichts spricht dagegen. Und viele Guides haben schlicht eine Petzl Basic plus eine MicroTraxion und/oder Ropeman am Gurt hängen, um sich das Gefummel mit den Prusiks zu ersparen.

Markus Gleichmann auf Facebook

Was spricht eigentlich gegen das Mitführen von SRT Technik (außer das Gewicht? ;))

Steffen Rother auf Facebook

Grundlagen sollten beherrscht werden, dass ist unter Umständen lebensnotwendig.

Torsten Selle auf Facebook

Ich weiß nicht, in den Spalten in denen ich gehangen bin... Keine Chance allein. Überwölbung, Einschneiden... Und genau das sollte man im Auge haben