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Viele Klettersteigsets weisen erhebliche Mängel auf

Rückrufaktion: Ist ihr Klettersteigset sicher?

26.02.2013 16:31:42
Tests der DAV Sicherheitsforschung haben ergeben, dass viele am Markt befindliche Klettersteigsets erhebliche Mängel aufweisen und bei einem Sturz im Extremfall reißen können. Eine Liste der betroffenen Sets hat der DAV in Zusammenarbeit mit den Herstellern jetzt erstellt. Alle Klettersteiggeher sind dazu aufgerufen, ihre Sets anhand dieser Liste zu überprüfen und, falls von einem Rückruf betroffen, an den Hersteller zurückzuschicken.
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Außerdem sollte bei allen Klettersteigsets dringend überprüft werden, ob sie noch in der Lebensdauerangabe des Herstellers liegen. Probleme an Klettersteigsets gibt es damit zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres - allerdings sind völlig unterschiedliche Systeme betroffen.

Welche Sets sind betroffen?

Die aktuellen Rückrufaktionen betreffen Klettersteigsets mit Reibungsbremsen (in der nebenstehenden Skizze das linke Set). Erkennbar sind solche Systeme an der Metallplatte, durch deren Löcher ein Seil führt. Die Rückrufaktion vom vergangenen August (siehe Themenarchiv auf alpin.de) betrifft einige Sets mit elastischen Lastarmen und Bandfalldämpfer (in der Skizze das rechte Set). Die jetzt bereitgestellte Rückrufliste umfasst beide Rückrufaktionen sowie die Lebensdauerangaben der Hersteller.

Was ist die Ursache für das aktuelle Problem?

Ein Klettersteigset besteht aus zwei wesentlichen Elementen - einerseits den beiden Lastarmen, die mittels Karabinern in das Stahlseil des Klettersteigs eingehängt werden, und andererseits dem Fangstoßdämpfer. Dieser Fangstoßdämpfer ist mit den Lastarmen verbunden und nimmt bei einem Sturz Energie auf. Dadurch reduziert er die Kräfte, die über die Einbindeschlaufe (in der Skizze die blaue bzw. gelbe Schlaufe) auf den Klettergurt und damit auf den Kletterer wirken. Ohne Fangstoßdämpfer wären diese Kräfte im Extremfall tödlich oder würden zum Riss tragender Teile führen.
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Bei den Fangstoßdämpfern gibt es zwei unterschiedliche Typen - Bandfalldämpfer und Reibungsbremsen. Von der aktuellen Problematik betroffen sind nur die Reibungsbremsen. Sie bestehen aus einer Metallplatte mit Löchern, durch die das Bremsseil hindurch geführt ist. Fallenergie nimmt die Reibungsbremse auf, indem Seil durch die Metallplatte läuft. Alterungsprozesse führen jedoch dazu, dass das Bremsseil an Flexibilität verliert. Die Konsequenz ist eine höhere Reibung in der Bremse, so dass die maximal auftretenden Kräfte am Fangstoßdämpfer größer werden. Gleichzeitig verlieren die Lastarme im Gebrauch und durch Alterungseinflüsse an Festigkeit.

Letztendlich kann die Kombination dieser beiden Effekte bei einigen Klettersteigsets im Sturzfall zum Riss führen. Wegen der großen Bedeutung von Produktalter und Produktgebrauch ist es schließlich auch sehr wichtig, die Lebensdauerangaben der Hersteller genau zu berücksichtigen.
Die vollständige Liste aller betroffenen Klettersteigsets bietet der Deutsche Alpenverein als pdf zum Download an.
Ist ihr Klettersteigset sicher? Überprüfen Sie Ihr Set!
Hintergrund

Am 5. August vergangenen Jahres ereignete sich in Tirol ein tödlicher Klettersteigunfall. Das Klettersteigset des Verunglückten war durch Dauerbelastung so sehr geschwächt worden, dass die Lastarme dem Sturz nicht mehr stand hielten und rissen. Eine Überprüfung der betroffenen Sets zeigte, dass bei einigen Konstruktionen von elastischen Lastarmen häufiges Dehnen, was bei einer normalen Klettersteig- Begehung üblich ist, zu einer Schwächung der tragenden Fasern führt.

Als Konsequenz folgten umfangreiche Rückrufaktionen von zahlreichen Herstellern. Im Zuge der Untersuchungen zu den elastischen Lastarmen wurde eine Vielzahl von weiteren Versuchen mit gebrauchten Klettersteigsets durchgeführt. Hierbei hat der Hersteller Mammut auch an seinen Klettersteigsets mit Reibungsbremsen erhebliche alterungsbedingte Mängel festgestellt. Daraufhin führte die DAV Sicherheitsforschung Tests an gebrauchten Klettersteigsets von Verleihstationen und privaten Klettersteiggehern durch, um die Tragweite des Problems zu erfassen. Hierbei zeigte sich, dass Klettersteigsets verschiedener Hersteller mit Reibungsbremsen zum Teil erhebliche Mängel aufweisen und möglicherweise einem Sturz nicht mehr standhalten.

Umgehend informierte die DAV Sicherheitsforschung die Hersteller und forderte sie auf, ihre Klettersteigsets zu überprüfen. Auf einem Anfang Februar einberufenen Treffen der UIAA Safetycommission wurden die Ergebnisse gemeinsam diskutiert, ein gemeinsames Vorgehen abgesprochen und eine einheitliche Stellungnahme dazu verfasst.


Klicken Sie sich durch unsere Slideshow "Tipps und Tricks am Klettersteig".

Diese lautet: Im Rahmen umfangreicher Tests an gebrauchten Klettersteigsets mit Seilbremsen hat die Bergsportindustrie festgestellt, dass diese Systeme im Falle eines Sturzes versagen können. Die Versuche haben gezeigt, dass die Fangstoßwerte im Falle eines Sturzes erhöht sein können. In Kombination mit einer gebrauchsbedingten Festigkeitsabnahme der Karabineräste kann dies zu einem Komplettversagen des Systems führen. Schwere Verletzungen oder Tod können die Folge sein.

Es handelt sich hierbei um einen produktspezifischen Effekt. Jeder Besitzer eines Klettersteigsets mit Seilbremse sollte sich bei dem Hersteller seines Klettersteigsets informieren, ob sein Set betroffen ist. Zusätzlich zu dieser Stellungnahme wurden Schnelländerungen in der UIAA Norm 128 mit zusätzlichen Anforderungen für Klettersteigsets beschlossen. Die Mindestanforderung an die Endfestigkeit wurde erhöht und an Sets mit elastischen Lastarmen wird zusätzliche ein Dauertest durchgeführt. Bei Sets mit nicht-elastischen Lastarmen muss ein Nachweis über die Dauerfestigkeit der Lastarme durch Test oder Praxisevaluierung erbracht werden.

Quelle: Pressemeldung Deutscher Alpenverein

Das große Klettersteig-Special auf alpin.de finden Sie hier.

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