Gut war Alexander Megos schon lange. Doch in diesem Frühjahr schaffte der 20-Jährige etwas, was noch niemand zuvor geschafft hatte: Als erstem Kletterer überhaupt gelang es dem Franken, eine Route im Schwierigkeitsgrad 9a (XI) onsight zu meistern. Online-Redakteur Holger Rupprecht hat sich im Rahmen der GORE-TEX Test Academy in der Fränkischen Schweiz mit Alexander Megos über den Hype danach, seine Meinung über Adam Ondra und den zunehmenden Leistungsdruck unterhalten.

Im Gespräch: Alexander Megos (re.) mit Online-Redakteur Holger Rupprecht.
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alpin.de: Du hast am 24. März Klettergeschichte geschrieben, als es Dir an der Route "Estado Critico" im spanischen Top-Klettergebiet Siurana als erstem Kletterer weltweit gelang, eine Route im Schwierigkeitsgrad 9a (UIAA XI) onsight zu begehen. Was hat sich in Deinem Leben seitdem verändert?

Alexander Megos: Ursprünglich hatte ich geplant, in diesem Oktober mit dem Studium anzufangen. Das werde ich vermutlich jetzt um ein Jahr verschieben. Abgesehen davon bin ich um einiges bekannter geworden, habe viele Sponsorenanfragen bekommen und kann meine Kletterreisen durch Sponsorengelder besser finanzieren. Auch Anfragen für Kletterevents haben deutlich zugenommen.

alpin.de: Rein von Deinen Erfolgen (zahlreiche weitere Routen im Schwierigkeitsgrad 9a+), könnte man sagen, dass Du mit den ganz Großen der Szene wie zum Beispiel Adam Ondra auf Augenhöhe klettern kannst. Wie siehst Du es selbst?

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Alexander Megos: Nachdem ich mit Adam erst letzte Woche in der Fränkischen klettern war, muss ich sagen, dass ich noch nie einen Kletterer gesehen habe, den ich mit ihm vergleichen könnte. Mit den meisten anderen kann ich sicherlich mithalten. Adam ist aber nochmal was anderes. Er hat ungaublich viel Erfahrung im Umgang mit schweren Routen. Was mich am meisten bei ihm beeindruckt hat, war, dass er auch für ihn unbekannte Routen so schnell lesen kann.

alpin.de: Wie war das Aufeinandertreffen für Dich? Wie ist es plötzlich mit den Stars zu klettern?

Alexander Megos: Es war schon ein komisches Gefühl: Ich kenne die ganzen Leute seit Jahren, habe ihnen nachgeeifert und jetzt klettere ich auf einmal mit ihnen zusammen. Ist schon eigenartig.

Kleine Turnübung für Alexander Megos: Der Höhenglückssteig im fränkischen Hirschbachtal.

alpin.de: Was ist Dein Ziel, wohin möchtest Du noch kommen? Wo siehst Du dich?

Alexander Megos: Das ist eine gute Frage. Stärker werden ist immer das Ziel.Das kommende Jahr möchte ich auf jeden Fall noch viel reisen. Das kann ich mir nun auch gut finanzieren. Ansonsten habe ich mir noch keine konkreten Ziele gesetzt. Jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, werde ich viel trainieren und im Winter den nächsten Trip planen.

alpin.de: Hast Du vor, im Wettbewerbsbereich Gas zu geben?

Alexander Megos: Wettbewerbe sind nicht mein großes Ziel. Vorstellen könnte ich mir, mal in Arco teilzunehmen. Reizen würde es mich schon, speziell darauf trainieren würde ich allerdings nicht.

Sieht man Dich in ein paar Jahren auch an den großen Bergen dieser Welt? So wie etwa David Lama?

Alexander Megos: Das ist definitiv etwas, dem ich nicht abgeneigt bin. Im Moment interessiert mich das alpine Klettern aber noch nicht so stark, da ich noch schauen möchte, wo ich beim Sportklettern ankommen kann. Um ein kompletter Kletterer zu werden, ist das alpine Klettern wichtig und daher werde ich in den kommenden Jahren immer wieder auch etwas in dieser Richtung machen.

alpin.de: Du hast schon mit fünf das Klettern begonnen. Die meisten Jungs spielen in diesem Alter Fußball. Wie bist Du zum Klettern gekommen?

Alexander Megos: Meine beiden Eltern sind Kletterer. Durch sie bin ich in die Vertikale gekommen. Ich habe zwar mit Kumpels auch immer ein wenig Fußball gespielt. Das hat mir allerdings nie so gefallen, dass ich deswegen in einen Fußballverein gegangen wäre. Ich war früher noch in einem Leichtathletik- und in einem Schwimmverein, aber das hat dann nach und nach auch aufgehört, weil mir das Klettern einfach am meisten Spaß gemacht hat.

In der Weltspitze angekommen: Alexander Megos.

alpin.de: Ab wann hast Du gemerkt, dass Du richtig gut bist in Deinem Sport?

Alexander Megos: Das war ungefähr 2006. Da habe ich an meinen ersten Bayerischen Meisterschaften teilgenommen. Da hat es angefangen, dass ich öfter als einmal die Woche Klettern gegangen bin und trainiert habe. Und dann ist das immer so weiter gegangen: Ein Jahr später war ich bei den Deutschen, wieder ein Jahr später bei den Europäischen Meisterschaften und schließlich bei den Weltmeisterschaften. Durch das Wettkampfklettern habe schon gemerkt, dass da was draus werden könnte.

alpin.de: Wie sieht Dein Training momentan aus? Wieviel und was trainierst Du?

Alexander Megos: Ich bin hauptsächlich in der Boulderhalle unterwegs. Spezielles Krafttraining wie im Fitnessstudio mache ich nicht, Ausgleichstraining an Geräten wie Barren oder Ringe hingegen schon. Das ist ein wesentlicher Baustein der Trainingsphilosophie meiner beiden Trainer Patrick Matros und Dicki Korb. Das hat mich auch enorm weitergebracht. Ansonsten trainiere ich drei bis fünf Mal in der Woche. Wenn man alles zusammenzählt, komme ich so auf 15 bis 20 Stunden reines Training.

alpin.de: Andere junge Männer in Deinem Alter machen viel Party, sind auf Festivals, betrinken sich am Wochenende. Interessiert Dich das alles gar nicht? Hast Du nicht das Gefühl etwas zu verpassen?

Alexander Megos: Die Kletterer könenn ja auch ziemlich gut Party machen, da gehe ich ab und zu auch mal mit. Aber mein Ding war es eigentlich nie. Ich habe auch nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Da ich beim Klettern schon immer mit deutlich Älteren unterwegs gewesen bin, habe ich die Leute in meinem Alter oft als ziemlich unreif empfunden. Es hat sich inzwischen etwas geändert. Aber in der Regel bin ich auch heute noch mit Leuten unterwegs, die fünf bis zehn Jahre älter sind als ich.

Alex Huber hat ein Buch geschrieben, in dem es viel um Angst geht. Kennst Du die Angst, zu versagen? Kennst Du Leistungsdruck?

Alexander Megos: Definitiv. Das ist eine der Geschichten, die sich nach der Onsight-Begehung geändert hat. Nicht unbedingt, dass einem die anderen Druck machen, das schon auch, aber ich spüre, dass man sich hauptsächlich selber den Druck macht. Das ist eine Sache, die relativ schwer unter Kontrolle zu bekommen ist. Bis jetzt geht es aber noch ganz gut, damit umzugehen. Allerdings glaube ich schon, dass das Klettern zum Großteil Kopfsache ist. Von daher ist es ein wichtiger Aspekt, da 'klar' zu sein.

Interview: Holger Rupprecht / alpin.de Fotos: GORE-TEX®/Joachim Stark

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