Erfolg für die Shisha Pangma - Expedition von Amical: Am 30. April standen mit Thomas Lämmle, Rupert Hauer, Luis Stitzinger und Alix von Melle gleich vier Mitglieder auf dem mit 8027 Meter Höhe kleinsten Achttausender. Für das Höhenbergsteigerpaar von Melle - Stitzinger ist es der sechste Gipfel über der magischen 8.000er - Grenze. Lesen Sie Auszüge aus dem Gipfelbericht von Luis Stitzinger!

Das Basislager (Foto: goclimbamountain.com)
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"Um Mitternacht klingelt der Wecker unbarmherzig, Zeit aufzustehen. Wir nehmen ein leichtes Frühstück mit Knäckebrot und Kaffee oder Tee ein, bevor wir uns vollständig ankleiden. Wir haben bereits mit unseren Daunenanzügen bekleidet in unseren leichten Schlafsäcken übernachtet, doch das Anziehen von Schuhen, Klettergurten, Steigeisen, usw. nimmt nochmals viel Zeit in Anspruch."

"Nachdem wir sehen, dass sich auch die anderen verspäten, bereiten wir uns in aller Ruhe vor und stehen 2.15 Uhr abmarschbereit vor unserem Zelt. Hinter den anderen her marschieren wir die wenigen Schritte bis zum Fuß des großen Eiscouloirs, das zum Hochlager 3 hinaufführt. Über Schnee und Blankeis steilt das Couloir immer mehr auf und erreicht 40-45 Grad Neigung. Ohne Fixseil steigen wir mit dem Pickel bis ca. 7250 m auf, von wo eine lange Querung nach links bis zu einem markanten Felskopf ansetzt, auf dem sich C3 befindet."

"Als wir den exponierten Lagerplatz erreichen, auf dem einige vom Sturm zerfetzte Zeltleichen stehen, wird es dämmrig und der Horizont im Osten hüllt sich malerisch in orange- und rotfarbene Töne. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Becher aus der Thermoskanne machen wir uns an die lange Querung durch die Gipfelflanke. Wir haben alle entschieden, anstelle der Normalroute auf den Zentralgipfel, die Inaki-Variante durch die NO-Wand des Gipfels zum Hauptgipfel (8027m), zu versuchen."

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"Die lange Querung führt über durchschnittlich 35 Grad steile Schneehänge von C3 Richtung Osten oberhalb einiger Gletscherbrüche durch die parabolspiegelartig gewölbte Gipfelwand zum Ostgrat hinüber. Kurz bevor dieser erreicht ist, steigen wir über eine Schnee-/Eisrinne durch die Flanke weiter auf. Die Steilheit erreicht zu Zeiten 50 Grad und das Höherkommen durch den mal knietiefen Schnee, das mal pickelharte blaue Wassereis, gestaltet sich zunehmend mühsamer. Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel, das Wetter ist traumhaft und wie von Charly Gabl vorhergesagt, ein idealer Gipfeltag."

Unterwegs zum ABC (Foto: goclimbamountain.com)

"Nach der Rinne steigen wir nach links auf geneigte, vom Wind hart geblasene Schneeflanken aus, die stetig zum Hauptgipfel hinaufleiten. 11.30 Uhr erreichen wir eine weite Einsattelung vor dem exponierten Gipfelgrat. Kurz davor nimmt der Wind aus NO jäh zu und die Böen erreichen Geschwindigkeiten, die uns ein paar Mal regelrecht von den Füßen heben.

Ein Sherpa der anderen Truppe befindet sich auch im Sattel und teilt uns mit, dass ihr Leiter und ein Teilnehmer momentan den Aufstieg über den exponierten Gipfelgrat versuchen, doch der Fortschritt durch die seit einer Stunde anhaltenden Windspitzen äußerst gering sei und damit gerechnet werden müsse, dass ein Aufstieg auf den Gipfel zu gefährlich sei."

"Wir warten eine halbe Stunde ab, bis sich der Wind abrupt zu legen scheint, seilen uns am kurzen Seil an und versuchen unser Glück. Über einen messerscharfen Schneegrat erreichen wir eine Art Vorgipfel. Zuvor haben wir unsere Ski an einer sicheren Stelle tief in den Schnee eingerammt, so dass sie der Sturm nicht hinfort reißen kann.

Gerade an der schmalsten Stelle des Grates kommen uns die absteigenden Bergsteiger entgegen, so dass wir in die steile SO-Flanke ausweichen müssen, wollen wir nicht lange stehen und warten. Beim Passieren gratulieren wir uns gegenseitig zum Gipfelerfolg nach dem wider Erwarten fordernden Aufstieg und extremen Wetterbedingungen zu guter Letzt."

Zum sechsten Mal auf einem Achttausender-Gipfel: Luis Stitzinger und Alix von Melle (Foto: goclimbamountain.com).

"Der kurze aber immer noch sehr exponierte Verbindungsgrat zum Hauptgipfel ist schnell überwunden, dann sitzen wir alleine auf dem spitzen Horn des Shishapangma-Hauptgipfels. 13.30 Uhr und 8027 m Höhe (off. Vermessung 8027 m) zeigt unsere Garmin Fenix Uhr exakt an, höher geht es nicht mehr. Wir sind glücklich und freuen uns über die tolle Aussicht über die tibetische Hochebene und das Himalaya-Gebirge."

Nach einer halbstündigen Rast machte sich das Amical-Team wieder an den Abstieg. Sogar die Abfahrt mit Ski gelingt dann ohne größere Probleme. Kein Wunder, dass Luis Stitzinger eine äußerst positive Bilanz zieht: "Die ganze Expedition hat wirklich wie am Schnürchen geklappt, kein Tag des Wartens wegen schlechtem Wetters oder anderer Verzögerungen."

Quelle: goclimbamountain.de

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