Über ihr Äußeres lässt sich trefflich streiten, ein wahrer Hinkucker ist sie aber allemal: die neue Monte Rosa - Hütte. Nachdem das außergewöhnliche Bauwerk in 2883 Meter Höhe erstmals im September 2009 Medienvertretern und geladenen Gästen vorgestellt worden war, begab sich die „Hütte der Zukunft“ postwendend in die Winterpause. Ab 10. März öffnet sie nun endlich für den normalen Publikums-Verkehr ihre Pforten.

Logenplatz: Freier Matterhorn-Blick von der Hütte aus.
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Mit ihrer silbernen Außenhülle aus Aluminium und der Südfront aus Solarpaneelen sieht die Neue Monte Rosa-Hütte über Zermatt in den Schweizer Alpen tatsächlich aus wie ein gelandetes Raumschiff.

Mit ihrem achteckigen Grundriss und den schräg nach oben laufenden Außenwänden erinnert sie aber auch an einen geschliffenen Kristall.

In jedem Fall sorgt sie für Aufsehen: Für Peter Kapelari vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) in Innsbruck ist die Hütte in 2883 Metern Höhe „ein Kunstwerk“ und „eine architektonische Verrücktheit“, für Matthias Sorg von der Schweizer Umweltschutz-Organisation Pro Natura „ein ökologisches Wunderwerk“.

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Energie-autarkes Kunstwerk

Schluss mit dunkel: Das Innere der Hütte wird von hellem Holz dominiert.

90 Prozent ihres Energiebedarfs soll die Hütte selbst decken, erklärt die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, die das Projekt plante. Möglich macht das die abgeschrägte Südwand, auf der 84 Quadratmeter Photovoltaikzellen die Höhensonne einfangen. Zusätzlich wurden nahe der Hütte Solarkollektoren aufgestellt.

Überschüssige Sonnenenergie wird in Batterien gespeichert, für die Nächte und wolkenverhangene Tage. Erst wenn das nicht ausreicht, springt ein Blockheizkraftwerk ein, das Rapsöl verbrennt.

Den Befehl dazu funken Computer der ETH Zürich, die die übermittelten Daten der Wetterstation und des Energiesystems der Hütte erfassen.

Moderne trifft auf Romantik

Vom 10. März an können die ersten Skitourengeher erkunden, was ihnen die moderne Technik bringt. „Es ist nicht mehr so stickig und im Winter nicht mehr kalt, alles ist gut klimatisiert“, verspricht Peter Planche vom Schweizer Alpen-Club (SAC).

Schluß mit dunkel II: Große Panoramafenster sorgen für viel Licht.

Möbel, Decken und Balken im Hütteninneren sind aus hellem Holz, durch Panoramafenster entlang der Kaskadentreppe können die Gäste auf allen fünf Etagen die Kulisse mit dem Matterhorn und dem Monte-Rosa-Massiv überblicken. Mancher Wanderer schätzte wohl gerade die urige Atmosphäre der alten Monte Rosa-Hütte, die nun abgerissen wird, das Raue, Improvisierte, Romantische.

„Wenn urig heißt, dass die Decken kratzen und man in riesigen Lagern zusammen mit vielen Schnarchern schläft - das ist vorbei“, entgegnet Planche. Zwar gebe es weiterhin keine Einzelzimmer, „nur Massenlager“.

Der Begriff führt hier aber in die Irre. Denn in der neuen Hütte schlafen nur 4 bis 8 Wanderer gemeinsam in einem der 19 Zimmer. „Jeder bekommt sein eigenes Bett mit Daunendecken und genügend Platz, um seinen Rucksack abzustellen“, so Planche.

Wasserprobleme? Vergangenheit!

Kristall-Leuchten: Ein Bild, dass der Besucher so schnell nicht wieder vergessen wird.

Was Wanderern aber viel wichtiger sein dürfte: Sie müssen nun nicht mehr die Hütte verlassen, um auf die Toilette zu gehen. Das Wasser für die Spülung kommt aus der Aufbereitungsanlage in der Hütte.

Damit die Gäste die ganze Saison duschen können, wird Schmelzwasser gesammelt. Nicht zuletzt wegen des aufwendigen Abwassersystems kostete der Neubau rund 6,5 Millionen Schweizer Franken (etwa 4,5 Millionen Euro).

Text: Florian Sanktjohanser / DPA

Fotos: Section Monte Rosa

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