Nach mehr als einem Jahrzehnt mit vielen nationalen und internationalen Erfolgen hat Marietta Uhden nach ihrem dritten Platz bei den World Games in Duisburg angekündigt, sich vom Wettkampfklettern zurück ziehen zu wollen. Nun ließ sich die Altmeisterin noch einmal überreden, am legendären Rock Master an diesem Wochenende am Gardasee teilzunehmen.

Der Blick geht nach oben: Marietta Uhden
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Auch die Kletterfreunde in Deutschland können sie wahrscheinlich noch ein Mal, anlässlich der deutschen Meisterschaft am 05. und 06.11. im fränkischen Forchheim, erleben. Alpin.de erwischte die 37-jährige gerade noch vor ihrem Aufbruch an den Gardasee und befragte die gebürtige Münchenerin über ihre Gründe für den Rückzug und ihre Pläne für die Zukunft.

alpin.de: Mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den World Games haben Sie noch einmal unter Beweis gestellt, dass Sie mit den besten Kletterinnen der Welt mithalten können. Dennoch haben Sie sich entschlossen, dem Wettkampfklettern ade zu sagen. Warum?

Marietta Uhden: Ich bin der Ansicht, man sollte aufhören, solange man noch "on the top" ist. Ich hatte mir vorgenommen, international noch ein Mal ein sehr gutes Ergebnis zu erzielen. Das habe ich mit der Bronzemedaille bei den World Games in Duisburg erreicht. Nun ist für mich der Zeitpunkt gekommen, klettertechnisch wieder zu meinen Wurzeln zurück zu kehren. Und die liegen am Fels. Die Halle, das "Plastikklettern" ist hervorragend um zu trainieren. Das eigentliche Klettern findet für mich aber draußen in der freien Natur statt. Darauf werde ich mich in nächster Zeit konzentrieren.

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Das Warten hat mir oft Energie gezogen

alpin.de: Ist Klettern demnach für Sie nicht nur (Wettkampf-)Sport sondern auch Naturerlebnis?

Marietta Uhden: Wettkämpfe sind und waren für mich, so gut es mir meist gefallen hat, von der Atmosphäre her auch immer ein wenig schwierig. Das lange Warten hat mir oft Energie gezogen, mich müde gemacht. Draußen passiert mir das nicht. Ich liebe es, in der freien Natur klettern zu gehen, mit ganz wenigen Dingen auszukommen und unter freiem Himmel zu übernachten.

alpin.de: Eigentlich hatten Sie ja schon nach den World Games in Duisburg Ihren endgültigen Abschied verkündet. Nun sind Sie doch dieses Wochenende beim legendären Rock Master am Gardasee am Start. Wie kam es dazu und können wir Sie doch noch einige Male beim Wettkampfklettern erleben?

Vertrautes Bild: Marietta Uhden auf dem "Stockerl"

Marietta Uhden: Das war eine spontane Entscheidung. Die Veranstalter haben mich angerufen, ob ich nicht noch mal teilnehmen würde. Da das Rock Master eine wirklich tolle Veranstaltung ist, bei der die Besten der Welt in schöner Atmosphäre zusammen kommen, habe ich zugesagt. Außerdem will ich mich auf nationaler Ebene mit großer Wahrscheinlichkeit bei der Deutschen Meisterschaft in Forchheim verabschieden. Eventuell nehme ich auch noch den Deutschen Boulder-Cup am kommenden Wochenende in Leipzig mit.

alpin.de: Vorausgesetzt wir sehen Sie tatsächlich in Forchheim, was haben Sie dich dort vorgenommen?

Marietta Uhden: Grundsätzlich gehe ich nicht auf Wettkämpfe um meine Gegnerinnen zu besiegen, sondern um die Routen top zu klettern. Wenn ich dann noch Mal ganz oben auf dem Treppchen stehe, freue ich mich natürlich zusätzlich.

alpin.de: Was werden Sie vermissen, wenn Sie sich endgültig aus dem Wettkampfsport zurückgezogen haben?

Marietta Uhden: Auch wenn es sich über die Jahre ein wenig abgenutzt hat, habe ich die Erfolgserlebnisse, die Siege und die öffentliche Anerkennung natürlich auch genossen. Außerdem war es immer toll, im Rahmen der Wettkämpfe mit meinen Freunden und Freundinnen aus der internationalen Kletterszene zusammen zu kommen. Nun ist es an uns, diese Freundschaften zu pflegen

Bouldern und Buddhismus in Indien

Ästethisch anzusehen: Marietta Uhden in Aktion.

alpin.de: Gibt es auch Dinge, die mit dem Wettkampfklettern zu tun haben, die sie nicht vermissen werden?

Marietta Uhden: Für mich ist Gesundheit sehr wichtig. Ich verlange meinem Körper viel ab, versuche aber, keinen Raubbau zu betreiben. Meiner Ansicht nach sind die Routen zu sehr auf die Relativkraft ausgelegt (Verhältnis von Kraft zu Gewicht). Ich habe in meiner Laufbahn einige Mädchen und Frauen erlebt, die versucht haben, sich zum Erfolg zu hungern. Die waren dann zwei Jahre an der Weltspitze, aber dann war Feierabend und es kamen die Verletzungen. Außerdem ist die Gefahr, magersüchtig zu werden gegeben. Und das kriegt man, wenn man Pech hat, sein Leben lang nie wieder los. Das war es mir nie wert, dieses Spiel habe ich nie mitgemacht.

Das mit anzusehen hat mich phasenweise schon gestört. Ich finde auch, es sollte eine Art Gewichtsuntergrenze geben, dann würde die Hungerei aufhören. Außerdem müssten sich die Routenbauer noch mehr an der Gesamtkörperkraft orientieren. Um diese Kraft zu generieren braucht man Muskeln und dazu muss man essen.

alpin.de: Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Marietta Uhden: Ich freue mich sehr darauf, meine Projekte im Gebirge voran bringen und hoffentlich realisieren zu können, wie etwa unlängst im Zillertal, als es mir gelang, eine 10+ zu klettern und eine 10- zu flashen.

Außerdem will ich reisen, mir verschiedenen Flecken der Erde ansehen. Jetzt im Winter geht es gemeinsam mit Freunden erst Mal nach Indien zum Bouldern. Außerdem interessiert mich der Buddhismus sehr und ich möchte mich dort vor Ort inspirieren lassen.

Mittelfristig erhoffe ich mir einen Traum erfüllen zu können: Die Route "Punks in the Gym", den Klassiker von Wolfgang Güllich am Mount Arapilis in Australien. Langweilig wird mir bestimmt nicht werden!

Die Bilder dieses Artikels wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestelt von Florian Schwarz www.mountains2b.com .

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