Die drei Profialpinisten können erstmals Nordwestwand des Sechstausenders durchsteigen.

Nach insgesamt zehn Tagen in der Wand und zwei Anläufen war es geschafft: Thomas Huber, Stephan Siegrist und Julian Zanker konnten sich am 14. Oktober die erste erfolgreiche Begehung der zentralen Nordwestwand des Cerro Kishtwar sichern. Es war die erst vierte Besteigung des 6150 Meter hohen Berges im indischen Kishtwar-Himalaya.

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Ihrer 24 Seillängen langen Linie verpasste das Trio den Hindu-Routennamen "Har Har Mahadev", was mit "Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern!" übersetzt werden kann; oder frei nach Thomas Huber: "Reiss di zam!".

Nach den ersten Tagen in der Wand hatte es nicht danach ausgesehen, dass der Durchstieg gelingen könnte - trotz bester Bedingungen.

"Rückblickend kann man sagen, wir hatten den Berg, die Wand und unser Vorhaben unterschätzt. Wir glaubten, dass wir nach fünf Tagen den Gipfel erreichen werden und hatten für maximal sechs Tage Proviant dabei. Nachdem wir nach drei Tagen nicht einmal ein Drittel Wandhöhe erreicht hatten, musste die Taktik und unser weiteres Vorgehen neu überdacht werden. Entweder wir reduzieren radikal unsere Essensrationen oder wir setzen alles auf einen neuen Versuch. Wir haben uns für den Rückzug entschieden", so Thomas Huber rückblickend. 

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Nachdem das Team im Basislager neue Energie und Motivation getankt hatte, stiegen Huber, Zanker und Siegrist erneut in die Route ein. Die Bedingungen hatten sich inzwischen verschlechtert, so dass die drei auf ihrem Weg nach oben permanent mit Schnee, vereisten Rissen und Spindrift zu kämpfen hatten. 

Als größtes Problem sollte sich jedoch die extreme Kälte herausstellen: "Während der Besteigung froren wir uns alle die Zehen an. Julian und Thomas erwischte es dabei ziemlich stark. Das wird die beiden bestimmt noch länger beschäftigen", ist sich Stephan Siegrist sicher.

Für ihren Durchhaltewillen sollte die deutsch-schweizerische Seilschaft am Ende mit einem fast perfekten Gipfeltag belohnt werden. Thomas Huber erinnert sich: 

"An dem Tag hatten wir, wie durch ein Wunder, bestes Wetter. Wir hatten fast das Gefühl, dass wir nicht alleine wären und wurden für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt. 500 Meter über uns zogen die Schleierwolken im Jetstream und wir standen hier in der Sonne, bei Windstille. Wir wussten alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben!"

Für Julian Zanker, mit 27 Jahren der Youngster der Gruppe, stellt der Erfolg am Cerro Kishtwar den bisherigen Höhenpunkt in seiner noch recht kurzen Karriere als Profibergsteiger dar.

"Durch diese vielen harten Tage, an denen wir uns durchgekämpft haben, war es umso intensiver als wir alle auf dem Gipfel standen. Mich hat es sofort emotional überworfen mit Glücksgefühlen und so etwas Intensives und Schönes wie mit Stephan und Thomas dort auf dem Cerro Kishtwar stehen zu dürfen, durfte ich in meiner Bergsteigerkarriere noch nie erleben. Einfach unvergesslich", so der Schweizer.

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