Wissenschaftler der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) konnten zeigen, dass der mütterliche Familienzweig des "Mannes vom Similaun" aller Wahrscheinlichkeit nach ausstarb.

Für die Studie, die Mitte Januar veröffentlicht wurde, verglichen die Forscher das Erbgut von Ötzis Mitochondrien mit 1077 modernen Proben.

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Die mitochondriale Erbsubstanz wird ausschließlich von denMüttern an die Nachkommen weitergegeben und verändert sich nur sehr langsam; Analysen dermitochondrialen DNA geben deshalb Aufschluss über die Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungenvon Menschen.

"Die mitochondriale DNA erzählt uns, gemeinsam mit dem Y-Chromosom, diegenetische Geschichte des Menschen“, erklärt Valentina Coia, EURAC-Biologin und Hauptautorin derStudie. "Ötzis mitochondriale DNA wurde zum ersten Mal 1994 untersucht."

Bislang konnte allerdings nicht überzeugend geklärt werden, ob die genetische Linie der Mutter, K1fgenannt, auch heute noch existiert.

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Ötzi-Rekonstruktion im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen.

| © Picture Alliance

Zuletzt hatte sich 2008 ein britisch-italienisches Forscherteam mitdieser Frage befasst und war nach vollständiger Analyse von Ötzis mitochondrialer DNA und ihrem Vergleich mit modernen Proben zum Schluss gekommen, die genetische Linie mütterlicherseits sei bei heutigen Populationen nicht nachzuweisen.

Ob die Abstammungslinie aber tatsächlich ausgestorben war oder nur extrem selten geworden ist, konnte die Studie nicht endgültig klären – dafür war die Zahlder Vergleichsproben zu gering.

"Um die Hypothese des Aussterbens zu überprüfen, mussten wir also viel mehr Proben in die Studie mit einbeziehen", erläutert Valentina Coia. 

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität La Sapienza in Rom und der Universität von Santiagodi Compostela verglich das Forschungsteam der EURAC deshalb die mitochondriale DNA Ötzis mit dervon 1077 Männern und Frauen der Linie K1.

Dabei griff man Großteils auf Daten aus anderen Studienzurück, ergänzte sie aber durch 42 neue Proben aus dem Alpenraum: Nur so konnte ausgeschlossenwerden, dass diese spezielle genetische Linie in den Alpentälern nicht doch überlebt hatte.

Begehrtes Forschungsobjekt: Die rund 5300 Jahre alte Gletschermumie "Ötzi".

| © Südtiroler Archäologiemuseum/Eurac

In ihrer Untersuchung konnten die Wissenschaftler weder die genetische Linie Ötzis noch mit ihr verwandte Linien bei heute lebenden Menschen finden. Damit sehen sie die Hypothese gestärkt, dass die mütterliche Abstammungslinie Ötzis ausgestorben ist.

Die genetische Linie des Vaters dagegen findet sich auch in heutigen Populationen, wie man seit 2012 aus der Analyse des gesamten Genoms der Gletschermumie weiß.

Die mütterliche Abstammungslinie hat ihren Ursprung in den Ostalpen. Da sie nur von einer kleinen lokalen Population weitergegeben wurde – die Bevölkerung in den Ostalpen begann erst mit der Bronzezeit signifikant zu wachsen – bedeuteten dieselben demographischen Entwicklungen, beidenen die väterliche Linie nur teilweise ersetzt wurde, für sie den Untergang.

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