Astrid und Stefan von "outsideadventure.de" sind unterwegs im Frankenjura und klettern den Hanni-Treuheit-Pfad.

Ich glaube es war im Jahr 2014, zu Beginn meiner Kletterkariere – Ich durchstöberte das Internet nach Klettersteigen in Franken. Neben den bekannten Steigen wie dem Höhenglücksteig, dem Norissteig und dem Oberlandsteig, stieß ich damals schon auf eine interessante Seite. Kein typischer Klettersteig, sondern eine Kletter-Runde. Aufgrund der Beschreibung und der mangelnden Erfahrung zu dieser Zeit legte ich diese Tour erstmal wieder beiseite. 

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Im Sommer letzten Jahres kam an einem schönen Klettertag diese Tour wieder ins Gespräch. Ein paar Wochen später trafen wir uns dann vor Ort um dieses Erlebnis in die Tat umzusetzen. Bei wolkenbehangenem Himmel starteten wir also ins Abenteuer, schafften trotz mehrerer Regenschauer den größten Teil, nur beim letzten Abschnitt mussten wir an diesem Tag passen. Im März starteten wir den zweiten Versuch, um die Runde noch einmal komplett zu absolvieren. 

Die Gedenktafel am Einstieg.

| © outsideadventure.de

Jetzt fragt ihr euch natürlich, von was ich hier die ganze Zeit schon rede, oder besser schreibe. Die im Internet entdeckte Tour ist der Hanni-Treuheit-Pfad, ein Abenteuer- und Kletter-Wanderweg, der von Hans Treuheit zu Ehren seines Vaters Hans "Hanni" Treuheit eingerichtet wurde. Klettern – Abseilen – Bouldern – Wegfindung, all das erwartet einen bei dieser Runde durch die Hersbrucker Schweiz am Schwarzen Brand.

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Parkplatz und Zustieg

Über leichte Klettereien geht es weiter bis man den Wanderweg wieder erreicht.

| © outsideadventure.de

Wir stellten unser Auto am ausgewiesenen Wanderparkplatz in Neutras, unweit der Gaststätte „Neutrasfelsen“ ab, sortierten unser benötigtes Material und machten uns für die Kletterrunde fertig. Ein Kletterseil (mind. 45m), mobile Sicherungsgeräte, ein paar Expressen und ein Satz Schlingen wurden in den Rucksäcken verstaut. Nicht fehlen sollte der Kletterhelm! Wir hatten auch alle Kletterschuhe mit eingepackt. So ausgestattet, folgten wir vom Parkplatz aus den Wanderweg mit dem grünen Strich in nördlicher Richtung, bis man nach ca. 20 Minuten auf der linken Seite ein Steinmännchen sieht, dort geht ein kaum erkennbarer Trampelpfad ca. 100m zum Einstig. Der Einstieg selbst ist mit einer Gedenktafel und roten Pfeilen markiert.

Die Wegfindung

An der Einstiegswand legten wir erstmal unsere Klettergurte und das Material an, und folgtem den markierten Riss nach oben (V UIAA, 1 BH), anschließend über die kurze Wand mit luftigem Ausstieg (III-IV UIAA, 1BH) weiter aufwärts. Nach dieser Kletterstelle ging es rechtshaltend über bewachsene Felsen mit leichten Klettereien weiter nach oben, bis man wieder auf den Wanderweg mit dem grünen Strich trifft.

Wir folgten dem Wanderweg leicht bergab nach rechts, an einem Steinmännchen verließen wir den Weg linkerhand bis wir auf die erste Abseil- bzw. Abkletterstelle trafen. Schnell war das Seil eingefädelt und wir seilten uns 11m über den Kamin ab. 30m rechtshaltend und absteigend, trafen wir auf eine bewachsene Rinne (UIAA I, rote Markierung) und stiegen diese nach oben. Oben ging es über einige Felszacken, die "Drachenburg" (I+). Wiederum rechthaltend landeten wir wieder am ersten Steinmännchen.

Ein bisschen Bouldern gefällig? Kannst du haben!

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Boulderblöcke

Dem Grünstrich ein paar Meter zurückfolgend, bogen wir am nächsten Steinmännchen links ab. Wir folgten dem Kamm bis wir auf den Wanderweg -2- trafen, überquerten diesen und fanden linkshaltend, leicht aufsteigend die nächste Markierung. Über insgesamt fünf Boulderblöcke mit ansteigenden Schwierigkeiten setzten wir den Weg fort.

Weiter ging es in Richtung eines großen Felsmassivs, dort stiegen wir zu den Türmchen ab. Für die lange Variante stiegen wir beim ersten Versuch im letzten Jahr komplett ab, und kletterten dann eine lange Verschneidung auf das Türmchen (IV, BH). Beim zweiten Anlauf kletterten wir die kurze Variante über den Handriss (II-IV, 2 BH). Beide Varianten mündeten abschließend in dieselbe kurze aber knifflige Stelle zum Abklettern. In leichter Kletterei setzten wir unseren Weg nach oben hin fort, bis wir auf eine kleine Hütte trafen. ACHTUNG PRIVATGRUND!

Über den Handriss auf das Türmchen.

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Hier waren wir länger mit der Suche nach dem Bohrhaken beschäftigt. Das erste Mal seilten wir uns nach vergeblicher Suche an einem Baum ab, beim zweiten Versuch fragten wir den Bestitzer der Hütte und fanden dank des netten Tipps die Abseilstelle. Am Seil abwärts gelangten wir zum Wandfuß der Bogenbergwand, welche Kletterrouten bis in die oberen Schwierigkeitsgrade bietet.

Am Seil geht es zum Wandfuß der Bogenbergwand.

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Wir folgten wieder in leichten Klettereien dem Wandfuß um das Massiv herum bis uns ein roter Pfeil den Weg nach oben wies (UIAA II), kletterten über mehrere Felszacken bis wir schließlich wieder an der kleine Hütte ankamen.

Die Köhlerwand

Die Köhlerwand mit dem deutlich erkennbaren Hanni-Riss.

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Von hier aus liefen wir über den flachen Kammrücken, vorbei an mehreren Steinmännern, weiter zum dritten und letzten Abschnitt, kreuzten ein weiteres Mal den Wanderweg -2-. Nach gut 100m ansteigendem Gelände fanden wir linkerhand einen Steinmann und einen roten Pfeil am Fels (UIAA II + III, Achtung – meist sehr Nass). Am Ausstieg hielten wir uns dann links zum großen Felsmassiv der Köhlerwand. Über den Vorbau (II) und den Hanni-Riss (III-IV, 3 BH ) überquerten wir die Köhlerwand, oben linkshaltend auf Band und in der Rinne wieder absteigen. Nach der Überquerung folgten wir dem Wandfuß weiter, den letzten Ausstiegsriss konnten wir aufgrund der Nässe nicht vollenden und umgingen diesen. Zum Abschluss blieben uns nur noch wenige hundert Meter über den Bergrücken rechtshaltend bis zum Wanderweg und folgtem diesen zum Parkplatz.

Die kleine Hütte bei der Bogenbergwand.

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Fazit

Eine schöne Alternative zum stupiden Sportklettern im Frankenjura mit alpinem Touch. Die Kletterstellen sind nur an wenigen wichtigen Stellen mit Bohrhaken abgesichert, sodass das Beherrschen des V. Schwierigkeitsgrades, das Absichern mit Klemmkeilen, Friends und Schlingen sicher beherrscht werden sollte. Viele Stellen müssen frei geklettert oder von oben gesichert werden, was dann aber sehr zeitintensiv ist. Die Wegfindung ist gerade zu Beginn sehr schwierig, wenn man aber erst einmal verstanden hat, worauf der Erschließer beim Einrichten Wert gelegt hat, kann man sich seinen Weg bahnen.

Astrid Wittmann und Stefan Sitte lieben es draußen zu sein. Egal ob Wandern oder Klettern, um die Ecke im Frankenjura oder doch etwas höher hinaus in den Alpen, Hauptsache es gibt Frischluft zu schnuppern. So oft es geht, werden die beiden von "Sugar", der mittlerweile etwas betagten Husky-Schäfer-Mischlingshündin, begleitet. Auf ihrem Blog outsideadventure.de erzählen die beiden Franken von den großen und kleinen Abenteuern abseits des Alltags.

Text von Stefan Sitte

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