Nachdem der gleichnamige Filmklassiker acht Oscars gewann, erhielt auch die Route "Vom Winde Verweht" von Robert Jasper und Stefan Glowacz eine Nominierung: Ihre Erstbegehung am Cerro Murallón/Patagonien ist ein heißer Anwärter für "den Oscar des Alpinismus" - den Piolet d'Or.

Glücklich: Stefan Glowacz (li) und Robert Jasper
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Drei Jahre in Folge waren Stefan Glowacz und Robert Jasper am Cerro Murallón: 2003 gelang ihnen die Route "The Lost World" (7+/M8) und damit die vermutlich vierte Besteigung des Berges. Während dieser Erstbegehung entdeckten sie "ihre" magische Linie, für die sie im darauf folgenden Jahr 2004, enorme Strapazen auf sich nahmen.

In sechs Klettertagen schafften sie zwar 750 Meter, oder 21 Seillängen der insgesamt 1000 Meter hohen Nordwand, 250 Meter unterhalb des Ausstiegs mussten sie jedoch aufgrund des schlechten Wetters ihre Versuche abbrechen. Eine drei Wochen anhaltende Schlechtwetterperiode ließ ihnen keine Chance auf einen Gipfelerfolg.

Drei Wochen in der Eishöhle

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Kein Dramaturg hätte sich ausdenken können, was die Realität des Extremkletterns diktierte: 2005 wurden erneut viel Kraft und Zeit investiert. Jasper und Glowacz verbrachten erneut insgesamt drei Wochen in der Eishöhle, während draußen der Schneesturm tobte. Nach zwei Tagen Vorbereitung in der Wand ging plötzlich alles ganz schnell.

In 48 Stunden erreichten die beiden Expeditionskletterer über die bereits 2004 begonnene Tour in 27 Seillängen den Gipfel der Cerro Murallón-Nordwand. Dazu hatten sie eine kurze Schönwetterperiode genutzt und waren am 12. November um drei Uhr nachts aufgebrochen.

Nach einem üblen Biwak auf einem schmalen Felsband in Wandmitte, stand das Duo am Sonntagabend des 13. November gegen 21 Uhr auf dem Gipfel. Nachdem sie über die zum Teil überhängende Route abgeseilt hatten, trafen beide gleichermaßen erschöpft wie glücklich am Montagmorgen um drei Uhr im Basislager ein. Trotz der hohen klettertechnischen Schwierigkeiten von 9+/A2 (5.13/A2), verwendeten Glowacz und Jasper keinen einzigen Bohrhaken.

Piolet d'Or 2005

Der Piolet d'Or wird in diesem Jahr zum 15. Mal vergeben und zeichnet die herausragende alpinistische Leistung des Vorjahres aus. Auch im Jahr 2005 wird die Jury es nicht leicht haben, aus den großartigen Expeditionen, ihre Wahl zu treffen.

"In den letzten Jahren sind an den Bergen der Welt großartige alpinistische Leistungen vollbracht worden. Die Nominierung für den Piolet d`Or, der diese Leistungen würdigt und auszeichnet, ist eine große Ehre für mich. Zugleich eine Bestätigung meiner Vorstellungen vom modernen Alpinismus", so Stefan Glowacz zu seiner Nominierung.

Neben Glowacz/Jasper wurden folgende Alpinisten für ihre Aktionen und Unternehmungen nominiert:

  • Steve House und Vincent Anderson: Nanga Parbat/ Rupalflanke
  • Denis Urubko und Serguey Samoilov: Broad Peak/ Südwand
  • Christian Trommsdorff, Yannick Graziani und Patrick Wagnon: Chomo Lonzo Nord - Chomo Lonzo Central Überschreitung
  • Ermano Salvaterra, Alessandro Beltrami, Rolando Garibotti: Cerro Torre Nordwand, "El Arca de los Vientos"
  • Ueli Steck: "Khumbu Express"

Die Jury setzt sich aus neun Mitgliedern, darunter Leslie Fuckso - GHM-President -, Guy Chaumereuil - Gründer des Awards -, der Redaktion des französischen "Montagne Magazines" und großen Alpinisten wie Silvo Karo, Bolotov und Mikhailov, zusammen. Am 10. Februar 2006 wird der Gewinner in Grenoble bekannt gegeben.

Weitere Informationen:

www.glowacz.de

Glowacz und Jasper eröffnen neue Route am Murallón

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