Am vergangenen Wochenende fand das größte Trail-Event Deutschlands statt. Wir waren dabei.

Der Zugspitz-Ultratrail ist eine Legende: Jeder Trailläufer will genauso einmal bei dem Rennen um den höchsten Berg Deutschlands dabei sein, wie Bergsteiger einmal auf seinem Gipfel stehen wollen.

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Auch alpin.de-Portalmanager Holger freute sich sehr, dass Terminkalender und Form in diesem Jahr eine Teilnahme zuließen. Wie wohl alle knapp 2.400 Teilnehmer aus 48 Nationen verbrachte er den Vorabend des Laufes in seiner Unterkunft (herzlichen Dank an das wunderbare "Quartier" in Garmisch!) in leicht nervöser Vorfreude und mit einem letzten Check der Pflichtausrüstung für den kommenden Tag.

Beim Zugspitz Ultratrail werden fünf Distanzen angeboten, die in unterschiedlichen Orten starten, schlussendlich aber mit Grainau ein gemeinsames Ziel haben. Die Startorte der kürzeren Distanzen liegen alle auf der Strecke des Ultratrails, so dass letztlich alle Läufer auf derselben Strecke unterwegs sind. 

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Der Streckenverlauf im Überblick: Klickt für eine Großansicht.

| © www.facebook.com/zugspitzultratrail

Die Königsdisziplin ist ganz ohne Zweifel der komplette "Rundlauf" um das Zugspitzmassiv, der 101,5 Km lange Ultratrail (5.412 Hm, Start in Grainau).

Der Supertrail XL weist 81,4 Kilometer und 4.131 Hm (Start: Ehrwald) auf und beim Supertrail geht es über 62,8 Kilometer und 2.923 Hm (Start in Leutasch-Weidach).

Beim Basetrail sind knackige 24,9 km und 1.595 Hm zu bewältigen (Start Garmisch).

Absoluter Liebling der Athleten aus aller Welt war 2017 der 39,3 Kilometer lange (1.896 Hm) Basetrail XL mit 595 Meldungen. Darunter war auch unser Online-Chef Holger, der wie alle anderen die Sekunden vor dem Start um Punkt 10:00 Uhr in Mittenwald herunterzählte.

Die Starter des Ultrails waren zu diesem Zeitpunkt schon knapp drei Stunden unterwegs. Um 07:15 Uhr ging es für die Läuferinnen und Läufer der längsten Distanz mit Blasmusik auf die Strecke.

Insgesamt ist beim ZUT in den Startorten aber vor allem im Zielort Grainau viel Programm drumherum geboten. Und angesichts immer neuer Rekord-Teilnehmerzahlen ist klar: Der ZUT ist eine Massenveranstaltung. Wer die stille Bergeinsamkeit sucht, ist bei diesem Lauf fehl am Platz.

Schlange-Gehen statt Trail-Laufen: An Engstellen geht es langsam zu.

"Ich wusste das vorher, dennoch war ich auch mal genervt, wenn es an engen, steilen Stellen nicht möglich war, meinen eigenen Rythmus zu gehen", sagte Holger nach dem Rennen. "Zum Beispiel beim ersten Anstieg des Basetrail XL zwischen Mittenwald und Ferchensee ist eher Schlange-Gehen als Trail-Laufen angesagt...".

Die Strecke ist insgesamt zu einem hohen Prozentsatz gut laufbar, Forstwege wechseln sich mit technisch meist nicht allzuschweren Trails ab. Die äußeren Bedingungen in diesem Jahr waren hervorragend: Sonne-Wolken-Mix, nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Niederschlag und trockene Trails.

Gut zu laufen: Leichter Wegabschnitt, im Hintegrund Schloss Elmau.

Optisch hat die Strecke viele Leckerbissen zu bieten. Es geht über saftige Blumenwiesen, durch frischgrüne Wänder, vorbei an malerischen Seen, durch wilde Hochgebirgsszenerien undundund.... 

Blühende Landschaften:  Auf dem Wamberger Rücken locken imposante Aussichten und durftende Alpenflora.

Schöne Station: Die Strecke führt um den Ferchensee.

| © Andi Frank

Holger schwärmt: "Im Wortsinn Höhepunkt ist die Schleife um den Osterfelderkopf, die ab dem höchsten Punkt auf 2030 Metern Höhe sehr aussichtsreich und auf spannenden, alpinen Trails verläuft, die aber genauso wie der anschließende Downhill ins Ziel - wenn man es ein wenig kann - durchgehend laufbar sind."

Vor das Downhill-Vergnügen haben die Trail-Götter jedoch den Schweiß gesetzt: Von der Partnachklamm aus geht es mehr oder weniger durchgehend 1.200 Höhenmeter steil bergauf bis man sich in das finale Bergab-Vergnügen hinab zum Zielort Grainau stürzen kann.

Schöne alpine Trails: Downhill vom Osterfelderkopf.

"Ich war nach 6:45 h im Ziel. Die Zeit war mir aber von Anfang an egal, es ging mir darum, Spaß zu haben, zu genießen und verletzungsfrei anzukommen. Das ist gelungen und ich bin froh dabei gewesen zu sein", sagte Holger nach dem Rennen.

Erschöpft und zufrieden: Unser Mann im Ziel.

Holgers Einstellung teilten viele, immer wieder blieben Läufer während des Rennens stehen, um zu schauen, zu fotografieren, zu ratschen oder sich bei den toll organisierten und ausgestatteten Versorgungssationen auch mal in einen der bereit gestellten Liefestühle zu setzen.

Dennoch: Ein Spaziergang ist der ZUT auf keiner seiner Strecken. Ambitionierter Hobby-Sportler sollte man mindestens sein, um nicht von Länge, Schwierigkeit und Anzahl der Höhenmeter der jeweiligen Distanz überfordert zu sein. Der ZUT ist ein Event, bei dem jeder Trailläufer - egal ob Einsteiger oder Extremer - seine passende Distanz wählen kann.

Mach mal Pause: Teilnehmer in den Liegestühlen an Verpfegungssation 9.

"Ich war mit einem Traingsaufwand von etwa 6-8 Stunden pro Woche über mehrere Monate gut vorbereitet", sagte Holger nach dem Rennen. "Für den Basetrail XL war das ausreichend für mich. Ein bisschen mehr wäre sicher auch gegangen, am Ende meiner Kräfte bin ich nicht, auch wenn mir meine Sportuhr jetzt eine Erholungszeit von 120 Stunden empfiehlt..."

Im Ziel: Thomas Farbmacher triumphiert zum zweiten Mal beim ZUT.

| © Klaus Fengler

 Im vorderen Teil des Feldes auf den jeweiligen Distanzen wird definitiv Spitzensport betrieben! Thomas Farbmacher gewann den 101,5 Kilometer langen Ultratrail in der beeindruckenden Zeit von 11:22:09. Der Österreicher lief trotz Magenprobleme rund 20 Minuten schneller als bei seinem Sieg 2016. Als erster bislang gelang es ihm damit , seinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen: "Eigentlich kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich das geschafft habe, was sonst noch niemandem beim ZUT gelungen ist. Mal schauen, ob nächstes Jahr das Triple möglich ist“, jubelteder 30-jährige Österreicher.

Rang zwei ging an den starken Schweizer Walter Manser (11:55:23 Stunden), der lange Zeit führte, im Mittelteil aber dem Tempo von Farbmacher nicht mehr folgen konnte. Dritter wurde der Franzose Thery Jonathan in 12:55:31 Stunden.

Schnellste Frau über die Ultratrail-Distanz war Lisa Mehl aus Esslingen in 13:54:22 Stunden souverän vor Basilia Förster (Neuried, 15:39:40) und der Ungarin Tünde Papp (17:21.49). Zweitschnellste Frau war Denise Zimmermann, Siegerin in der Master Women Kategorie, mit einer Zeit von 15:15.02,1.

Neben dem Ultratrail war die Deutsche Meisterschaft im Trail das zweite Hauptereignis. Über die Distanz 81,4 Kilometer setzte sich der 35-jährige Markus Mingo (9:02:17 Stunden) souverän vor Alexander Dautel (9:16:37 Stunden) und Max Kirschbaum (9:16:54) durch. Während Mingo mit 14 Minuten Vorsprung ins Ziel kam, trennten Dautel und Kirschbaum nur 17 Sekunden nach mehr als 81 Kilometer. Beim Titelrennen der Frauen setzte sich die Münchnerin Eva Sperger (10:46:18 Stunden) durch.

Die totale Erschöpfung: Mancher Läufer musste sich nach dem Zieleinlauf ein Momentchen intensiv ausruhen.

| © Klaus Fengler

Viele hundert Athleten und Athletinnen hatten auch nach dem Rennen noch Kraft genug für die große Party im Musikpavillion in Grainau, in dem sich auch der Zieleinlauf befindet. Stunde um Stunde kamen erschöpfte Läufer ins Ziel und wurden von den Anwesenden gefeiert.

Die letzten Sieger über die Ultratrail-Distanz kamen nach über einem Tag auf den Trails, nach über 26 Stunden ins Ziel. Und wurden von der großen Trailfamilie begeistert empfangen.

"Einmal ZUT, immer ZUT", sagen viele, die dabei waren und Jahr für Jahr im Juni nach Grainau kommen. 

Auch unser Online-Chef Holger hat sich das Wochenende Mitte Juni 2018 schon mal geblocked...

Alle Ergebnisse:

https://services.datasport.com/2017/lauf/zugspitz-ultratrail/

Weitere Infos:

www.zugspitz-ultratrail.com

Text von Holger Rupprecht

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